Operation Ghana läuft

Löws "Härtefälle": Klose und Schweinsteiger

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Joachim Löw macht es nicht wie der knallhart entzauberte spanische Weltmeister-Coach del Bosque. Der Bundestrainer stellt in Brasilien Erfolgsdenken über Treue - Schweinsteiger und Klose bekommen zu spüren.

Santo André - Joachim Löw macht es nicht wie der knallhart entzauberte spanische Weltmeister-Coach del Bosque. Der Bundestrainer stellt in Brasilien Erfolgsdenken über Treue - Schweinsteiger und Klose bekommen zu spüren.

Kaum hat Joachim Löw eine verheißungsvolle WM-Formation gefunden, da muss er die Portugal-Siegerelf wohl notgedrungen schon wieder umbauen. Der programmierte Ausfall von Innenverteidiger Mats Hummels gegen Ghana wird aber nicht den WM-Veteranen Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose nützen, die auch am Samstag in Fortaleza als „Spezialkräfte“ zunächst wieder nur Bankdrücker sein dürften. WM-Neuling Shkodran Mustafi dagegen gilt plötzlich als Favorit, falls Hummels tatsächlich ersetzt werden muss.

Anders als der mit Titelverteidiger Spanien in der Vorrunde sensationell gescheiterte Weltmeister-Coach Vicente del Bosque kennt Bundestrainer Löw in Brasilien keine Treueschwüre mehr für langjährige Wegbegleiter und Turnierstammkräfte. Für personelle Veränderungen sieht Löw gegen die „robuste Mannschaft“ von Ghana überhaupt keine Veranlassung, die 4:0-Auftaktsieger von Salvador sind auch für die Operation Achtelfinale erste Wahl.

Das sind die WM-Trikots der 32 Teilnehmer

Luiz Gustavo präsentiert das neue Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft. Es ist wie immer in der klassischen Kombination gelb-blau-weiß mit grünen Akzenten gehalten. © Nike
Klassisch in rot-weißem Karo-Muster tritt die kroatische Nationalmannschaft um Bayern-Stürmer Mario Mandzukic an. Neu sind dabei die komplett in Rot gehaltenen Ärmel. © Nike
Kroatiens Ausweichtrikot ist dagegen in blau gehalten. Lediglich auf den Schultern verläuft ein rot-weißes Karo-Muster. © Nike
Bei den Mexikanern wird es zackig. Das grüne Heimtrikot... © Adidas
... und auch das rote Auswärtstrikot fallen einem durch zackenförmige Akzente ins Auge. © Adidas
Die "unzähmbaren Löwen", wie die Spieler Kameruns genannt werten, tragen ihr Wappentier auch auf dem Trikot. Sowohl beim grünen Heim-, als auch beim gelben Auswärtsdress sind der Spitzname des Teams und der Löwe eingarbeitet. © Puma
Ganz in rot geht die spanische Nationalmannschaft die Mission "Titelverteidigung" in Brasilien an. © Adidas
Ungewohnt kommt hingegen das neue Auswärtstrikot der Spanier daher. In schwarz-grün ist die "Furia Roja" (Rote Furie) noch nie aufgelaufen.   © Adidas
Klassisch angehaucht ist auch das neue WM-Trikot der Niederlande. Im traditionellen orange gehalten wurde beim Logo die klassische Ausführung in weiß auf das Jersey gestickt. © Nike
In rot-blauer Kombination tritt die Nationalmannschaft Chiles an. 2014 tritt "La Roja" bereits zum neunten Mal bei einer WM-Endrunde an. © Puma
Die "Socceroos" aus Australien präsentieren sich wie immer in gelb-grünen Heimtrikots. © Nike
Auswärts dagegen spielen die Kicker aus "Down Under" ganz in Dunkelblau. © Nike
Die erste WM-Teilnahme seit 16 Jahren werden die Spieler der kolumbianischen Nationalmannschaft in gelben Heimtrikots bestreiten. © Adidas
Ob Superstar Radamel Falcao nach seinem Kreuzbandriss wieder rechtzeitig fit wird, steht in den Sternen. Alternativ können die "Los Cafeteros" auch in roten Dressen auflaufen.  © Adidas
Den Ausrüster gewechselt hat Griechenland, die Farben blieben aber gleich. Die Spielkleidung liefert nicht mehr Adidas, sondern Nike. Die Hellenen treten entweder komplett in weiß oder komplett in blau an. © Nike
Wie gewohnt in orangem Gesamtoutfit tritt das Team der Elfenbeinküste mit Yaya Touré an. © Puma
Auswärts tragen "die Elefanten" dagegen ein sattes Grün. © Puma
Der ehemalige Dortmunder Shinji Kagawa im blauen Trikot der japanischen Nationalmannschaft. © Adidas
Beim Auswärtstrikot setzen die Japaner auf ein giftiges Grün. © Adidas
Der zweimalige Weltmeister Uruguay trägt himmelblau, kombiniert mit schwarzen Hosen. © Puma
Als Ausweichjersey steht den Urus eine komplett weiße Garnitur zur Verfügung. © Puma
Die "Ticos", wie die Nationalelf von Costa Rica genannt wird, tritt in roten Hemden mit blauem Querstreifen an. Kombiniert wird es mit blauen Hosen und weißen Stutzen. © AFP
England wechselte 2013 nach 59 Jahren den Ausrüster. Statt von Umbro werden die "Three Lions" nun von Nike eingekleidet. Das Heimtrikot erinnert ein wenig an das deutsche Weltmeister-Jersey von 1974. © Nike
Auswärts treten die Engländer wie gewohnt in roten Trikots an. © Nike
Der Vize-Europameister von 2012 präsentiert sich wie immer in Azurblau: Italiens Heimtrikot zieren ein Knopfkragen und weiße Streifen an den Seiten. Das Auswärtstrikot ist mit blauen Nadelstreifen auf weißem Grund versehen. © AFP
Das Team der Schweiz tritt in roten Trikots und weißen Hosen in Brasilien an. Markant: Das schweizer Kreuz ist in etwas hellerem Rot in das Trikot integriert. © Puma
Alternativ treten die Schweizer mit umgekehrter Farbaufteilung an: Weißes Trikot, rote Hosen, weiße Stutzen. © Puma
Das Trikot der Nationalmannschaft lehnt sich an die Farben der Nationalflagge des Landes an: gelb-blau-rot. © AFP
In sehr schlichten Trikots wird die französische Nationalmannschaft in Brasilien auf dem Platz stehen.    © Nike
Sollte die "Équipe Tricolore" nicht in blauen Dressen auflaufen können, so agiert sie in diesen weißen Jersey mit grauen Querstreifen. © NIKE
Ganz in weiß mit einem großen blauen "H" auf der Brust spielt das Team aus Honduras. Erst zu dritten mal (nach 1982 und 2010) sind die "Catrachos" bei einer WM mit dabei. © AFP
Ezequiel Lavezzi und Lionel Messi präsentieren das neue Heimtrikot der argentinischen Nationalmannschaft. Am klassischen hellblau-weiß-gestreiften Design hat sich nicht viel verändert. Lediglich ein leichter Farbverlauf in den blauen Balken ist neu. © Adidas
Das Auswärtstrikot der "Gauchos" ist in verschiedenen dunkelblau Tönen gestaltet. Die Streifen sind hierbei im Gegensatz zum Heimtrikot quer angeordnet. © Adidas
Erstmals präsentiert sich Bosnien und Herzegowina auf der WM-Bühne. Die Drachen, wie das Team genannt wird, spielen in blauen Trikots mit weißen Applikationen an Kragen, Ärmel und Hosen. © AFP
Die iranische Nationalmannschaft läuft in Trikots des Herstellers uhlsport auf. Auffallend ist der Leopardenkopf unterhalb des Wappens. © AFP
Auch auf den roten Auswärtstrikots lässt sich der Leopard erkennen. © AFP
Die Nationalmannschaft Nigerias läuft in grünen Heimtrikots auf. © Adidas
Als Alternative besitzen die "Super Eagles" einen weiß-grünen Trikotsatz. © Adidas
Das Trikot der deutschen Nationalmannschaft überrascht mit einem Brustring in verschiedenen Rottönen. Zudem wurde der schwarze Anteil am Trikotsatz reduziert. © picture alliance / dpa
Das alte grüne Auswärtstrikot weicht für die Weltmeisterschaft dem neuen, rot-schwarz gestreiften. Eine etwas gewöhnungsbedürftige Kombination... © picture alliance / dpa
Modern mutet das neue Trikot an, in dem Weltfußballer Cristiano Ronaldo und seine portugisische Auswahl auflaufen werden. Das Leibchen besticht durch einen raffinierten Rot-Verlauf von den Schultern zum Bauch. © Nike
Die "Black Stars" aus Ghana spielen ganz in weiß. Auffällig ist das Muster in den Nationalfarben auf den Schultern und am Ärmel. © Puma
Als weißes Ballett reisen die USA nach Brasilien. Ohne große Schnörkel oder Akzente präsentieren sich die Amerikaner bei der WM. © NIKE
Auswärts treten die US-Boys dagegen dreifarbig an. Das Trikot ist in einen roten, einen weißen und einen roten Abschnitt aufgeteilt, während Hose und Stutzen komplett in Rot gehalten sind. © Nike
Erstmals seit 2002 nimmt Belgien wieder an einem großen Fußball-Turnier teil. Die "roten Teufel" treten entsprechend ihres Spitznamens komplett in Rot an. © AFP
Ganz in weiß oder in hellgrün spielt das algerische Nationalteam. © PUMA
Im weinroten Dress wird die "Sbornaja", die russische Nationalmannschaft, bei der WM in Brasilien auflaufen. © Adidas
Der Übergang von blau zu weiß beim Auswärtstrikot der Russen erinnert leicht an Gletscher- oder Polareis.   © Adidas
Rotes Trikot gepaart mit einer blauen Hose und roten Stutzen. In diesem Outfit wird die südkoreanische Nationalmannschaft in Brasilien auftreten. © NIKE
Als Ausweichoutfit haben die Südkoreaner diese weiße Kombo im Gepäck. Dabei ist der rechte Ärmel mit einem roten, der linke Ärmel mit einem blauen Ring abgesetzt. © Nike

„Jeder hat gesehen, dass es gegen Portugal gut geklappt hat“, lautete die deutliche Ansage von Löws Assistent Hansi Flick. Experimente sind im tückischen zweiten Spiel, das bei der EM 2008 mit 1:2 gegen Kroatien und bei der letzten WM 2010 in Südafrika gegen Serbien (0:1) jeweils nach einem Starterfolg verloren wurde, nicht vorgesehen - und schon gar nicht die Vergabe von Geschenken an verdiente Führungsspieler a.D.

„Klar, dass es immer wieder Härtefälle gibt bei Aufstellungen“, sagte Toni Kroos. Bei der WM 2010 und der EM 2012 hatte der 24-Jährige jeweils die Rolle inne, die nun sein großer Bayern-Kollege Schweinsteiger bei seiner dritten Weltmeisterschaft erdulden muss. Die drei zentralen Mittelfeldplätze im neuen 4-3-3-System hat Löw erst einmal an Kapitän Philipp Lahm, den gereiften und erstmals unantastbaren Ballverteiler Kroos sowie Sami Khedira vergeben. Den Champions-League-Sieger zieht der Bundestrainer trotz seiner Defizite nach der langen Kreuzband-Verletzung Schweinsteiger vor. „Die Spielpraxis war ein kleiner Vorteil von Khedira“, erläuterte Löw.

„Der Trainer stellt die auf, die am besten geeignet sind“, bemerkte Lahm zum Härtefall Schweinsteiger. Der Kapitän bleibt im Mittelfeld, auch wenn Hummels wegen seiner Oberschenkel-Prellung ausfallen sollte, verriet Flick bereits: „Es ist nicht vorgesehen, dass Philipp rechter Außenverteidiger spielt.“

Torjäger-Veteran Klose muss sich in der Offensive ebenfalls hinten anstellen. Neben dem gesetzten Drei-Tore-Portugalschreck Thomas Müller rangieren auch Mario Götze, André Schürrle und Lukas Podolski aktuell vor dem 36-Jährigen. Einzelschicksale müssen hinter die Teaminteressen zurücktreten. „Wir sind alle mit dem Ziel hier, Weltmeister zu werden“, verkündete Kroos.

In den ersten Übungseinheiten vor Ghana mussten Deutschlands Rekordtorschütze Klose (132 Länderspiele) und Vize-Kapitän Schweinsteiger (102) weiter in der Trainingsgruppe zwei mit den Reservisten schuften. „Wir haben intensiv trainiert mit denen, die nicht gespielt haben. Jeder muss an die Grenzen gehen“, erklärte Flick. Kloses Job im Auftaktspiel gegen Portugal war mit einer Kabinen-Ansprache zum Team schon vor dem Anpfiff erledigt, eingewechselt wurden in der Offensive Schürrle und Podolski.

Schweinsteiger wollte Löw in Salvador wenigstens einwechseln. Dieser Plan wurde von der Verletzung von Hummels durchkreuzt. In Mustafi musste ein Abwehrmann auf den Platz. Schweinsteigers WM-Rolle dürfte maßgeblich von Khedira abhängen, dem Löw „große Fortschritte“ bescheinigt und den er auch als Leader extrem schätzt. „Ob Sami das Turnier durchstehen wird, kann ich jetzt auch noch nicht sagen“, rätselt Löw noch: „Es kann schon auch mal der Punkt kommen, wo er vielleicht sagt, ich bin jetzt nicht ganz so frisch. Dann müssen wir ihn natürlich auch ersetzen.“

Der durch Knieprobleme in der WM-Vorbereitung zurückgeworfene Schweinsteiger muss in Brasilien auf seinen Moment warten. Das ist für den jahrelangen Mittelfeldchef eine neue Situation. Im Trainingslager in Südtirol antwortete er auf die Frage, wie er dem Team helfen könne, wenn er nicht von Anfang an spielen werde. „Darüber können wir gerne reden, wenn es so weit ist. Ich denke nicht daran, dass es so sein wird.“ Jetzt ist es soweit.

In der Abwehr dürfte Löw gegen Ghana zu einer Personalrochade gezwungen werden. Eine schmerzhafte Oberschenkelprellung mit Einblutung zwingt Hummels zu einer Trainings- und wohl auch Spielpause. „Es wird mit Sicherheit knapp bis Samstag“, erklärte Flick. Jérome Boateng, der mit einer Schiene am verletzten Daumen auflaufen kann, würde dann ins Abwehrzentrum rücken.

Und wie schon gegen Portugal wäre Mustafi die erste Option für die rechte Seite. Der 22-Jährige von Sampdoria Genua trainierte bereits in der Gruppe mit den gesetzten Abwehrkräften Mertesacker, Boateng und Höwedes. Am Donnerstag, vor dem abendlichen Flug nach Fortaleza, gewährte Löw keine Einblicke mehr, das Training war geschlossen. „Wir haben einen genauen Plan“, bemerkte Flick, Löws Vertrauter.

Hummels stellt sich selbst bereits auf eine Zwangpause an. „Die Verletzung könnte mich zwar das Ghana-Spiel kosten“, übermittelte der Dortmunder, auch wenn er weiter mit den DFB-Medizinern und Physios um seinen Einsatz kämpfe.

Löw dürfte kaum ein Risiko eingehen, auch mit Blick auf die bei einem weiteren Sieg womöglich schon erreichte K.o.-Phase. „Wir haben einen langen, langen Weg“, sagte Flick und sprach von „hoffentlich noch sechs Spielen“ - das heißt: Finale!

Abwehrchef Per Mertesacker, der nach einer langwierigen Verletzung bei der EM 2012 als Härtefall das komplette Turnier auf der Bank verbringen musste, sagte vor seinem 100. Länderspiel: „Wir wollen einfach die nächste Antwort liefern auf unserem Weg.“ Löw wird im Estádio Castelão auch die Frage nach Schweinsteiger und Klose ein zweites Mal beantworten müssen.

dpa

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