Gomez: Groß-Chance an der Stätte des Grauens

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Mario Gomez hat bei der EM in Österreich eine sagenhafte Groß-Chance vergeben

Frankfurt am Main - Nach dem Ausfall von Miro Klose will Mario Gomez seine Chance in der DFB-Elf nutzen und sich bei Jogi Löw für einen Stammplatz empfehlen. Ausgerechnet gegen Österreich ...

Die Groß-Chance von Gomez im Video

Am Freitag kehrt Mario Gomez an die Stätte des Grauens zurück. Vor drei Jahren erlebte der Bundesliga-Torschützenkönig im Ernst-Happel-Stadion von Wien einen seiner bittersten Momente. Im letzten und entscheidenden Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Gastgeber Österreich (1:0) verstolperte er nach Vorarbeit von Miroslav Klose aus drei Metern stümperhaft den Ball und wurde innerhalb von Sekunden vom Goalgetter zum Chancentod. Nach diesem Match stellte Bundestrainer Joachim Löw um und agierte nur noch mit einer Spitze, die Klose hieß - und bis heute Klose heißt.

Über ein Jahrzehnt beim DFB: Die Bilder des Miro Klose

Äußerlich hat er sich kaum verändert. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Beginn seiner DFB-Karriere im Jahr 2001 wirkt Miroslav Klose noch immer jung und frisch. In dieser Dekade wurde Klose zwei Mal WM-Dritter ein Mal Vize-Weltmeister sowie ein Mal Vize-Europameister. Sehen Sie nun eine Rückschau auf die ereignisreiche DFB-Karriere von Klose. © getty
Miroslav Klose bei seiner ersten Pressekonferenz am 26.2.2001 für den DFB. Ungefähr einen Monat später darf er dann sein erstes Pflicht-Länderspiel bestreiten. © getty
Am 24.3.2001 ist es dann soweit: Miroslav Klose wird in der 73. Minute für Oliver Neuville ins Spiel gebracht. Beim Spielstand von 1:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien feiert er sein Debüt. © getty
Exakt 15 Minuten nach seiner Einwechslung darf Klose auch schon sein erstes Tor für die Nationalmannschaft feiern. Sein 2:1 bringt den Sieg in der WM-Qualifikation und sorgt für einen sensationellen Einstand. © getty
Am 13. Februar 2002 steht Miroslav Klose gegen Israel bei einem Freundschaftsspiel zum ersten Mal in der Startelf. © getty
Es ist erst sein achtes Länderspiel: Aber schon erzielt der damalige Lauterer den ersten von insgesamt vier Dreierpacks im Dress des DFB. © getty
Der damals 23-Jährige (m.) wird von seinen Teamkollegen Mehmet Scholl (r.) und Sebastian Kehl (l.) gefeiert. © getty
Das WM-Debüt 2002 in Japan und Südkorea ist nicht minder beeindruckend. Im ersten Spiel gegen Saudi-Arabien erzielt Klose ebenfalls drei Buden. © getty
Das war der Auftakt von seinen mittlerweile insgesamt 14 WM-Toren. 2002 wurde er mit fünf Treffern Zweiter in der Torjägerliste hinter Brasiliens Ronaldo. © getty
Der berühmte Klose-Salto. Durch das erste Spiel bei der WM wird die ganze Welt auf den Torjubel des damaligen Lauterers aufmerksam. © getty
Kloses erstes Jubiläum, hier gegen Gallas (l.). Sein 50. Länderspiel am 12.11.2005 in Paris gegen Frankreich. © getty
Allerdings blieb Klose in diesem Spiel trotz kämpferischen Einsatzes torlos, hier gegen Reveillere (r.). © getty
Nach einer blamablen EM 2004, bei der Klose nur zweimal eingewechselt wurde, kommt eine überragende Heim-WM 2006. Im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica erzielt der damalige Bremer zwei Tore beim 4:2. © getty
Zu diesem Zeitpunkt weiß er nicht, dass er später in der Münchner Arena regelmäßig auf Torejagd gehen soll. © getty
Auch von zwei Gegenspielern lässt sich Klose nicht hindern, um zum 1:0 gegen Ecuador zu treffen. Hier lässt er E. Tenorio (m.) keine Chance. © getty
Beim dritten Gruppenspiel gegen Ecuador erzielt Miro zwei Treffer. Fünf Treffer reichen zum WM-Torschützenkönig. © getty
Trotz zahlreicher Bedenken von Knie-Spezialisten durfte auch der Klose-Salto bei der Heim-WM nicht fehlen. © getty
Allerdings schätzt man an Klose nicht nur seine Torgefährlichkeit. Auch seine mannschaftsdienliche Spielweise kommt bei Trainern, Mitspielern und Fans an. © getty
Ein besonders gutes Beispiel ist das WM-Achtelfinalspiel gegen Schweden, in dem er beim 2:0 zwei Mal für seinen Sturmpartner Lukas Podolski auflegt. © getty
Das letzte Tor bei der Heim-WM war zugleich das Wichtigste ... © getty
Mit seinem 1:1-Ausgleich gegen Argentinien bescherte er den Deutschen die Verlängerung und ein Elfmeterschießen, das dank Jens Lehmann gewonnen wurde. Für den Titel reichte es aber aufgrund der Halbfinalniederlage gegen Italien nicht. © getty
Das 70. Länderspiel ist auch ein ganz Besonderes. Der Stürmer führt zum ersten Mal in seiner Karriere die DFB-Elf als Kapitän aufs Feld. © getty
Beim 2:0 gegen Wales am 8. September 2007 geht er als Käpt´n voran erzielt beide Treffer und bringt die Nationalelf einen Schritt näher in Richtung EM 2008. © getty
Obwohl Miroslav Klose nicht der größte Stürmer ist, erzielt er sehr viele Tore per Kopf. Das liegt an seiner unglaublichen Sprungkraft, hier köpft er das 2:0 (Endstand 3:2) bei der EM 2008 gegen Portugal. © getty
Sein 80. Länderspiel ist das Halbfinale gegen die Türkei bei der EM 2008. Auch dort trägt er sich in die Torschützenliste ein. Bei dem kuriosen Spiel macht er das 2:1 in der 79. Minute. Die Partie endet 3:2. © getty
Das Tor zur WM 2010 in Südafrika erzielte ebenfalls der in Polen geborene Mittelstürmer. Am 10. Oktober 2009 macht der 31-Jährige das 1:0 gegen die starken Russen. © getty
Sein bisher einziger Platzverweis im Trikot des DFB: Durch zwei kleine Fouls holt sich der Stürmer im zweiten Gruppenspiel bei der WM 2010 gegen Serbien die Ampelkarte ab. © dpa
Trotz einer wechselhaften Saison beim FC Bayern rechtfertigt Klose seine Nominierung von Joachim Löw. Gegen England erzielt er sein zweites Tor bei der WM 2010 und ist dadurch nur noch drei Treffer von Rekord-WM-Torschütze Ronaldo entfernt. © getty
Gegen Argentinien bestätigt der gebürtige Pole seine Turnierform. Bei insgesamt fünf Turnieren (2x EM, 3x WM) erzielte er 16 Tore. Damit beweist Klose immer wieder, dass er sich auf den Punkt konzentrieren kann. © getty
In seinem 100. Länderspiel spielt der Stürmer eine starke Partie und erzielt zwei Tore. Damit steht er mit vier Treffern wieder im vorderen Bereich der Torjägerliste. Somit hat er bei drei WM-Turnieren konstant getroffen. © getty
Nach einem Treffer im Jubliäumsländerspiel zeigt Klose einen seiner selten gewordenen Saltos. Nur noch besonderen Toren widmet er diesen Torjubel. © dpa
Das 106. Länderspiel ist ein "unbedeutendes" Freundschaftspiel gegen Italien am 9.2.2011. Allerdings sehen es viele Fans und Spieler als "Revanche" für die Niederlage im Halbinfale 2006. © getty
Wie bei der WM spielen die Mannschaften wieder in Dortmund. Der einzige Torschütze beim 1:1 ist, natürlich, Miroslav Klose. Somit fehlen dem Mittelstürmer nur noch neun Treffer, um den Rekord vom "Bomber" Gerd Müller einzustellen. © getty
26.3.2011: Das 107. Länderspiel in der EM-Qualifikation wird eröffnet durch ein Klose-Tor. In einer starken ersten Halbzeit erzielt Klose früh die Führung und schießt kurz vor Ende der Partie seinem zweiten Treffer.  © getty
Dadurch kommt Miro immer näher an Gerd Müller heran. Zu diesem Zeitpunkt sind es nur noch sieben Tore, die die beiden in der ewigen Torjägerliste trennen. © getty

Da Löws Favorit wegen einer Rippenprellung aber die Heimreise antreten musste, könnte am Freitag die Stunde von Gomez schlagen, der seinen Fehltritt vom Juni 2008 aus dem Gedächtnis gestrichen hat. „Diese Szene wird nur noch in den Medien hochgespielt, mich belastet sie nicht“, versicherte Gomez vor dem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft in Wien gegen Österreich (20.30 Uhr/ARD) und ergänzte in der Frankfurter Rundschau: „Wenn ich da belastet ins Spiel ginge, müsste ich das alles vier Monate tun. Es gibt eine ganze Menge Stadien, in denen ich schon Riesenchancen versemmelt und im nächsten Jahr dann trotzdem drei Tore gemacht habe.“

Vor allem in der abgelaufenen Saison hat Gomez dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Verein hat er seinem Konkurrenten Klose schon längst den Rang abgelaufen. Aber die Nationalelf ist eben nicht Bayern München, und Joachim Löw zudem nach wie vor ein glühender Verehrer von Klose, der in der DFB-Auswahl den Rekord von Gerd Müller jagt. Mit 61 Treffern liegt Klose in der „ewigen“ DFB-Torjägerliste als Zweiter nur noch sieben Tore hinter dem „Bomber der Nation“. Hinter Rekordnationalspieler Lothar Matthäus (150) belegt der WM-Torschützenkönig von 2006 seit vergangenen Sonntag zudem mit 109 Einsätzen alleine Platz zwei.

Beim 2:1 gegen Uruguay zog sich Klose aber die schmerzhafte Rippenblessur zu, so dass er für den Saisonabschluss mit den beiden EM-Qualifikationsspielen in Österreich und vier Tage später in Aserbaidschan (19.00 Uhr MESZ/ARD) ausfällt. Dies könnte die große Chance für Gomez sein, der gegen Uruguay nicht nur nach einer herrlichen Einzelleistung das 1:0 erzielt, sondern auch sonst viele gute Szenen hatte.

Dass nach seinem 16. Treffer im DFB-Trikot und seiner famosen Saison mit insgesamt 39 Toren für die Bayern in 45 Spielen noch in diesem Sommer der Wachwechsel im deutschen Sturm stattfindet, glaubt aber selbst Gomez nicht. „Ich weiß, dass der Bundestrainer von mir überzeugt ist und auch auf mich setzt. Aber auch, dass er im Moment einen Spieler hat, auf den er mehr setzt“, sagte Gomez und ergänzte nach dem Spiel gegen die Südamerikaner: „Meine Zeit wird noch kommen.“

Ob der 25-Jährige seinen sieben Jahre älteren Konkurrenten noch bis zum Start der EM im kommenden Sommer in Kloses Heimatland Polen und der Ukraine aus der Mannschaft drängen kann, steht noch in den Sternen. „Mario hat wieder sein Selbstvertrauen, nachdem er eine schwierige Zeit zu bewältigen hatte. Ich war aber immer von seinen Fähigkeiten überzeugt“, sagte Löw über den früheren Stuttgarter. Im selben Atemzug betonte der Bundestrainer aber auch: „Bei Miro weiß ich, dass ich mich auf ihn verlassen kann.“ Mit seinen bislang acht Toren in der EM-Qualifikation hat Klose auch nach der WM in Südafrika das Vertrauen von Löw zurückgezahlt.

Aber schon in Wien könnte die Stunde von Gomez schlagen, der durch die bisherige Berg- und Talfahrt in seiner Karriere dazugelernt hat. „Ich bin mit der Zeit etwas entspannter geworden und versuche nicht mehr, auf Teufel komm raus einen Platz im Team zu bekommen“, sagte der Stürmer, „wir bekommen sehr viel Geld für unseren Job, aber er muss trotzdem auch Spaß machen.“

Dieser Spaß an der Arbeit war ihm zu Beginn der vergangenen Saison verleidet worden, als ihm der damalige Bayern-Trainer Louis van Gaal deutlich machte, dass er nur die Nummer vier im Bayern-Angriff ist. „Das war eine schwere Zeit, aber es kann nicht immer alles laufen. Man muss seine Arbeit machen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Vor allem, wenn der Trainer zu Beginn der Saison sagt, dass man gehen soll. Ich habe aber mein Ding gemacht, gewartet und gehofft“, erzählte Gomez im Rückblick. Dass Klose nun in der Nationalelf verletzungsbedingt ausfällt, sei zwar „bitter für Miro“, aber für ihn persönlich auch „eine große Chance“.

Dabei hilft dann noch ein Rückblick auf die Spielzeit mit den Bayern: „Mit sehr, sehr viel Glück habe ich es dann doch noch geschafft, in die Mannschaft zu kommen. Ich habe mit Leistung und Toren das Vertrauen gerechtfertigt und am Ende auch den Trainer überzeugt. Das kann so auch der Weg hier in der Nationalmannschaft sein.“

sid

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