Ein ungleicher Kampf

Mensch gegen Mücke

Brasilien - Kleines Tagebuch von Günter Klein: Mit dem Spiel Brasilien – Kroatien hat die WM gestern nun endlich begonnen. Doch es tobt – seit dem Sonntag schon – ein anderer Kampf, der mit nicht minder großer Spannung erwartet worden ist: Mensch gegen Mücke.

Man war durch diverse Publikationen gewarnt: Wahre Killer- oder Monstermücken würden sich über einen hermachen in Brasilien, Malaria und Gelbfieber drohen. Allzeit, überall: Moskito-Alarm. Bilanz nach gut fünf Tagen im Land: Wir schlagen uns achtbar, es ist noch keineswegs zu Zerstech-, Juck- und Zerkratzszenarien des Ausmaßes gekommen, wir wir es etwa beim letzten Trainingslager des FC Bayern am Gardasee erlebt haben. Die mitgebrachte Stichsalbe konnten wir sparsam einsetzen. 

Allerdings sind wir auch so hochgerüstet angetreten wie noch nie. Eingepackt haben wir aus dem häuslichen Arzneimittelschrank ein Fläschchen „Zedan Super Plus“, das verspricht, aufgrund des Zusatzes von Idris-Yaghi-Öls „besonders stark“ zu sein. Weil darauf aber noch das Preisschild klebt und der Betrag in D-Mark angegeben ist, haben wir uns vor dem Abflug nach Brasilien in Frankfurt noch für ein Spray „Autan Tropical“ entschieden, das verspricht, es sogar mit Tigermücken aufzunehmen. Und wir entdeckten „Parakito“, ein Armband mit einer Netzkammer, in die man einen Gel-Block steckt, der 15 Tage lang alles, was stechen kann, abhält, und zwar „weltweit“. Wir haben sogar ein paar langärmlige T-Shirts mitgenommen, um den Viechern wenig Angriffsraum zu bieten – der Kampf gegen die Mücken ist ein wenig wie Empfängnisverhütung mit Pille, Spirale und Kondom an unfruchtbaren Tagen. Was unsere Stichverhütungsmittel angeht, wissen wir aber noch nicht definitiv, ob sie gut sind. 

Tagsüber scheinen sie zu wirken, doch wenn die Sonne weg ist, nicht mehr so sehr. Da spürt man plötzlich das Pieksen am Körper, da ziehen die Mücken alle Register und machen sich beim Sandalenträger sehr findig über die Zehenzwischenräume her. Okay, ist auch ein gutes Stück vom Anti-Mücken-Armband entfernt. Und womöglich hat der Satz „Autan zieht Mücken an“ doch etwas Wahres. Die Lehre aus all dem jedenfalls: abends lange Hose, Socken, Halbschuhe. Unsere Nationalspieler, nehmen wir an, haben diese Probleme mit den Insekten nicht. Ins Campo Bahia kommt auch kein Moskito ohne Akkreditierung rein.

Günter Klein (52), seit 1984 Sportjournalist, seit 1998 in unserer Verlagsgruppe. Brasilien ist bereits seine sechste WM.

Rubriklistenbild: © dpa

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