Streit um Zeche

Kettenreaktion vor WM? Sorge in Brasilien

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FIFA-Präsident Sepp Blatter.

Florianopolis - Brasilien verspricht die „Copa das Copas“, das beste WM-Turnier aller Zeiten. Doch Finanzierungsprobleme bringen ständig neue Krisenherde.

Der FIFA-Generalsekretär konnte sich den Seitenhieb dann doch nicht verkneifen. „Ich will am liebsten keine Stadt spezifisch ansprechen, vielleicht ein bisschen Recife“, rutschte es Jerome Valcke heraus. Nach der (vorläufigen) Absage des Fanfestes in einer der zwölf WM-Städte fürchtet der Fußball-Weltverband eine Kettenreaktion.

„Das Fanfest ist Teil der WM. Wenn eine Stadt meint, es nicht ausrichten zu müssen, ist dies ein Fehler“, warnte der Franzose am Sonntag am Rande seiner Stippvisite in Manaus. Die Stadt Recife will das Public Viewing aber nicht mit öffentlichen Geldern stemmen und nimmt die FIFA in die Pflicht.

Der Streit, wer am Ende für die Zeche geradesteht, ist zu einem wahren Pulverfass geworden. Auch in Curitiba, wo die Arena da Baixada am Dienstag am Rande des Team-Workshops in Florianopolis auf „grünes Licht“ für die WM hofft. Oder in Porto Alegre, wo Erstligist SC Internacional als Eigner der Arena Beira-Rio sich nun weigert, für die temporären Bauten rund ums Stadion aufzukommen.

Problemkind Curitiba: Stadionherr Clube Atletico Paranaense wollte kein Bau-Konsortium beauftragen, sondern den Ausbau durch eine eigene Firma (CAP/SA) alleine stemmen. Für jeden Handschlag braucht das Unternehmen aber ausreichend Geld in der Kasse. Das hat den Verzug eingebracht. Eine große Baufirma hätte die Kosten vorinvestiert.

Beim letzten Besuch setzte Valcke dem Klub das Messer auf die Brust. Ergebnis: Mehr Arbeiter und die Freigabe von umgerechnet rund neun Millionen Euro. Heute sind der Rasen verlegt, das Stadiondach geschlossen und die ersten Sitzschalen verankert. „Ich war letzte Woche vor Ort. Man kann einen Riesenfortschritt seit dem 25. Januar erkennen“, äußerte Brasiliens Sportminister Aldo Rebelo zuversichtlich.

Doch noch ist die Kuh nicht vom Eis. Ein weiterer Kredit von rund 19 Millionen Euro wird benötigt, Sicherheiten dafür werden noch gesucht. Die Freigabe muss bis Ende Februar erfolgen, dann dürfte die Arena Ende April WM-bereit sein. Die Umbaukosten, an der sich auch Stadt und Land beteiligt hatten, stiegen in drei Jahren um 50 Prozent auf 125 Millionen Euro. Der Klub hatte sich zuvor verpflichtet, die Kostenexplosion alleine zu tragen.

Nächster Gefahrenherd Porto Alegre: Inter-Präsident Giovanni Luigi hatte am Freitag erklärt, dass der Verein nicht alleine für die von der FIFA geforderten temporären Bauten rund ums Stadion (u. a. Zelt für Medien und Volunteers) aufkommt. „Wenn wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, besteht das Risiko, dass wir hier keine WM-Spiele haben“, warnte der Klub-Boss.

Es geht um gut elf Millionen Euro, für die auch die Stadt Porto Alegre nicht geradestehen will. Zumal in der Hauptstadt Brasilia seit September ein Verfahren in Gange ist, keine öffentlichen Gelder für diese Zwecke freizugeben, weil die Bauten nicht von langfristigem Nutzen seien. Eine weitere Zeitbombe, die tickt.

Und dann noch die Initialzündung Recife: Das anfänglich umgerechnet 7,6 Millionen Euro teure Public Viewing wurde zusammengestrichen auf 14 statt 30 Tagen und nun 4,2 Millionen Euro. Doch eine angeblich ungleiche Behandlung der WM-Städte durch die FIFA führte zur Trotzreaktion.

„Ausgehend von der Information, dass einige Städte, darunter Rio de Janeiro und Sao Paulo, mit Hilfe der FIFA Finanzierungen aus privater Hand erhalten, haben wir uns entschieden, keine öffentlichen Zuwendungen für das Fan Fest zu leisten“, argumentierte der für WM-Fragen zuständige Landessekretär George Braga.

Fakt ist, in fünf von zwölf WM-Stadien wird noch gehämmert. Im Beira-Rio in Porto Alegre rollte immerhin am Samstag erstmals der Ball, Curitiba hat Dienstag seinen D-Day, Manaus bekam von Valcke am Sonntag sein Okay, Sao Paulo erhielt wegen des Einsturzes eines Baukrans Fristaufschub.

Fehlt noch Cuiaba. Von dort kommt jetzt die Hiobsbotschaft, dass ein Feuer im vergangenen Oktober vermutlich „schwere Strukturschäden“ in der Arena Pantanal verursacht hätte. Der nächste Krisenherd für die FIFA?

Valcke lobt Fortschritte am WM-Stadion in Manaus

Valcke hat die Fortschritte am Fußball-WM-Stadion in Manaus gelobt. „Vor einem Jahr hat es große Zweifel gegeben, ob Manaus rechtzeitig für die WM fertig würde. Wir haben eng mit dem Organisationskomitee und der Regierung zusammengearbeitet und waren erfolgreich. Jetzt kann ich sagen, dass dieses Projekt eines der schönsten ist, ein fantastisches“, schwelgte der Franzose am Sonntag. Die Arena im Amazonas-Gebiet gehört zu den Prestige-Objekten der brasilianischen Regierung, die für die WM-Endrunde (12. Juni bis 13. Juli) möglichst viele Regionen Brasiliens einbeziehen wollte. Dazu gehörte auch die Regenwald-Region am Amazonas.

Manaus liegt rund 1900 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Brasilia. Die Arbeiten am Stadion sind zu 97 Prozent abgeschlossen. Die Übergabe an das lokale Organisationskomitee soll Anfang März erfolgen. Am 7. Februar hatte in Manaus ein weiterer Arbeiter tödliche Verletzungen davongetragen; es war der dritte Tote, der beim der Arena Amazonia beklagt wurde. Insgesamt kamen in Brasilien bei den zwölf Stadionbaustellen zwölf Menschen ums Leben. In dem Stadion finden am 22. Juni das Vorrunden-Duell zwischen Deutschlands WM-Gruppengegnern USA und Portugal sowie drei weitere Vorrundenspiele statt.

sid

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