Im Schatten der Vorwürfe zur WM-Vergabe

"Jahrhundertprojekt" Fußballmuseum vor Eröffnung

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Manuel Neukirchner, der Geschäftsführer der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum, zeigt im zukünftigen Deutschen Fußballmuseum in Dortmund die WM-Siegerpokale von 1974 und 1990.

Dortmund - Am Sonntag öffnet das Deutsche Fußballmuseum seine Pforten. Doch die Vorwürfe zur Vergabe der WM 2006 trübt die Vorfreude bei DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Beim Gang durch die sporthistorische Schatzkammer herrschte diverse Male eine fast andächtige Stimmung. Der Blick auf die DNA der Fußball-Nation weckte selige Erinnerungen an große Momente. Knapp eine Woche vor der offiziellen Eröffnung am Sonntag gewährten die Bauherren einen ersten Blick in das Deutsche Fußballmuseum. Doch so richtig genießen konnte Wolfgang Niersbach den Rundgang vorbei an Kultobjekten nicht. „Meine Freude wäre unbeschwerter, wenn es diese unberechtigten Vorwürfe nicht geben würde“, sagte der DFB-Präsident mit Bezug auf jüngste Berichte über eine angebliche Korruption bei der Vergabe der Fußball-WM 2006.

Die über 7000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche mit über 1600 Exponaten könnte nach Einschätzung von Museumsgeschäftsführer Manuel Neukirchner zum „Wallfahrtsort“ für Fußball-Liebhaber werden. Für Niersbach ist der futuristische Neubau ein „Jahrhundertprojekt“, für den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau „ein Museumsmärchen“.

Vor allem die Exponate rund um die vier WM-Triumphe der deutschen Mannschaft lassen die Herzen der Besucher höherschlagen. Zu bestaunen sind der Ball aus dem WM-Finale von 1954 und die Mütze von Bundestrainer Helmut Schön, der das DFB-Team 1974 zum Titel führte. Aus dem Endspiel von 1990 ist der Elfmeterpunkt zu sehen - als Dauerleihgabe von Frank Farian. Der Musikproduzent hatte das kleine Rasenstück, vom dem aus Andreas Brehme zum 1:0 gegen Argentinien traf, nach dem Partie für eine stattliche Summe erstanden. Der Schuh des Sieg-Torschützen Mario Götze aus dem WM-Showdown vor einem Jahr in Brasilien komplettiert diese Sammlung besonderen Ausstellungsstücke.

Doch das Museum beschränkt sich nicht nur auf das Sammeln und Bewahren von Gegenständen hinter Glas. Interaktive und multimediale Formate machen den Besuch zu einem Erlebnis der besonderen Art. So erinnern über 24 Stunden Ton- und Filmmaterial an diverse Highlights aus vergangenen Jahrzehnten. In einem 3-D-Kino kommen die Besucher den Nationalspielern scheinbar zum Greifen nahe.

Mit Baukosten in Höhe von 36 Millionen Euro blieb das Projekt im Soll. Das Land NRW steuerte 18,5 Millionen Euro bei. 9,6 Millionen Euro kamen von Partnern des DFB, 7,9 Millionen Euro aus Gewinnen der Fußball-WM 2006. Die Stadt Dortmund stellte das attraktive Grundstück gegenüber des Hauptbahnhofs zur Verfügung und stemmte fünf Millionen Euro für den Ausbau des Außenbereichs. Betrieben wird die Einrichtung von der gemeinnützigen Stiftung Deutsches Fußball-Museum GmbH.

Diverse Insolvenzen beteiligter Bau-Unternehmen und eine durch Dauerregen geflutete Baugrube stellten die Bauherren in den vergangenen Jahren auf eine harte Probe. Zudem machte der WM-Triumph des DFB-Teams 2014 in Brasilien mächtig zu schaffen. „Das war ein Herkulesakt. Schließlich war die Ausstellung eigentlich fix und fertig. Jetzt haben wir auf 400 Quadratmetern noch einmal etwas getan“, sagte Neukirchner.

Rund drei Jahre nach dem ersten Spatenstich gibt sich am Freitag die Prominenz aus Politik, Sport und Kultur bei einer Gala die Ehre. Zwei Tage später wird die erste Dauerausstellung zur Geschichte des deutschen Fußballs für das Publikum eröffnet.

Bei Eintrittspreisen von bis zu 17 Euro sind rund 250 000 Besucher jährlich nötig, um die Kosten zu decken. Andernfalls müsste der Steuerzahler für einen Teil des Verlustes aufkommen, weil der DFB in diesem Fall seine Zuschüsse auf jährlich maximal 250 000 Euro beschränken würde. Das hatte den Bund der Steuerzahler zu Kritik veranlasst, der schon bei der Planung des Museums von „öffentlicher Verschwendung“ sprach. Zudem wurde von anderer Stelle moniert, dass die Ausstellung auch zur Werbefläche für DFB-Sponsoren wird. Für diese Vorwürfe brachte Niersbach jedoch wenig Verständnis auf: „Finanzen und Kalkulation sind in Ordnung. Es ist keine Darstellungsfläche für Sponsoren, die Sponsoren sind integriert.“

dpa

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