Brasilien-Hype im hohen Norden

Island hofft auf WM-Sensation

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So wie hier gegen Norwegen wollen die Isländer auch gegen Kroatien jubeln

Reykjavik - Island ist mit Blick auf Brasilien 2014 im Fußball-Fieber. Vor den Playoff-Spielen gegen Kroatien träumt ein ganzes Land von der ersten Teilnahme an einer Fußball-WM.

Das Stadion ist ausverkauft, die Kneipen rechnen mit Rekordumsätzen und die halbe Welt sieht zu: Mit der Unterstützung des ganzen Landes wollen Islands Fußballer das Wunder von der ersten WM-Teilnahme vollbringen. Im Playoff-Heimspiel am Freitag (20.45 Uhr) in Reykjavik gegen Kroatien soll der Grundstein für die Qualifikation an der Endrunde in Brasilien 2014 gelegt werden. „Es ist das wichtigste Spiel, das die isländische Nationalmannschaft bisher gespielt hat, und wir spüren eine Menge Aufregung ringsherum“, sagte Mittelfeld-Ass Gylfi Sigurdsson. 18 Fernsehteams wollen über das Spiel des 46. der Weltrangliste berichten, darunter weit gereiste Crews aus Malaysia, Thailand und Australien.

Die Hauptstadt wird überragt von der mächtigen frei stehenden Hallgrimmskirche. Die Träume der Isländer aber fliegen höher. „Eine WM-Qualifikation wäre eine Sensation“, urteilte der frühere Bundesliga-Spieler Asgeir Sigurvinsson im Interview des Fachmagazins „Kicker“. Noch nie hat sich Island, deren rund 320 000 Einwohnern eine stabile EU-Skepsis innewohnt, für eine EM oder WM qualifiziert. Nicht einmal 22 000 aktive Fußballer sind im Verband registriert. Deutschland hat sogar mehr Fußball-Vereine.

Nasskaltes Schmuddelwetter mit Graupel und Schneeregen ist für den Freitag vorhergesagt. „Die Kroaten müssen sich warm anziehen“, sagte Eyjölfur Sverrisson in der „Bild am Sonntag“ - und meinte dies auch im sportlichen Sinne. Der ehemalige Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart und von Hertha BSC weiß bestens Bescheid. Denn als Trainer der isländischen U21-Nationalmannschaft hat er bereits für manchen Coup gesorgt. So entzauberte seine Auswahl in der EM-Qualifikation 2010 Deutschlands Nachwuchs mit 4:1.

Gleich neun der damaligen Sieger, die dann bei der EM nur wegen der schlechteren Tordifferenz das Halbfinale verpassten, stehen nun im Kader des schwedischen Trainers Lars Lagerbäck. Die Youngster von einst haben sich zu gestandenen Profis in Europas Top-Ligen gemausert. So ist Spielmacher Gylfi Sigurdsson bei Tottenham Hotspur unter Vertrag, Stürmer Kolbeinn Sigporsson bei Ajax Amsterdam. Gemeinsam mit dem routinierten Rekord-Torjäger Eidur Gudjohnsen vom FC Brügge, der in 76 Länderspielen 24 Treffer markiert hat, sollen sie jetzt in den Playoffs einen ungleich größeren Coup meistern. Das Rückspiel findet am 19. November in Zagreb statt.

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„Für den isländischen Fußball ist es das absolute Highlight und hat schon für mächtig Aufregung gesorgt“, berichtete Sigurvinsson. Vor allem Fans waren empört. Denn der isländische Fußball-Verband KSI startete den Verkauf der 10 000 Tickets für das Nationalstadion Laugardalsvöllur nachts um 4.00 Uhr. Viele Anhänger bekamen das erst nach dem Aufstehen mit - und damit zu spät. „Die Tageskasse war nachts geöffnet und die Karten in ein paar Stunden verkauft“, teilte der KSI Ende Oktober mit. Die Enttäuschten werden sich landesweit in den Kneipen zum gemeinsamen TV-Happening treffen.

So nah wie diesmal waren die Nordmänner noch nie an einem der großen Turniere. Als Zweiter der Gruppe E hinter der Schweiz, aber noch vor Slowenien und Norwegen hat sich das Team das Recht auf die Playoffs erkämpft. Wie in den Gruppenspielen ist Island auch gegen Kroatien Außenseiter. Zweimal standen sich beide Teams bislang gegenüber: In der Ausscheidung für die WM 2006 in Deutschland verloren die Insulaner mit 1:3 zu Hause und mit 0:4 in Zagreb.

dpa

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