"Krebs in den Arsch treten"

"Mo-Bros" ertragen Spott für guten Zweck

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Auch Tranquillo Barnetta (l.) lässt den Schnurrbart sprießen

Köln - Im November trägt man Schnurrbart: Immer mehr Sportler beteiligen sich an der Aktion „Movember“, mit der sie auf den Kampf gegen Prostatakrebs aufmerksam machen.

Es piekst und zwickt, die Kollegen lästern, und die Frau rebelliert - dabei ist doch alles für einen guten Zweck. Sieben Fußballprofis, eine ganze Reihe von Eishockey-Spielern sowie einige weitere Sportler lassen sich in diesem Monat Schnäuzer wachsen, das wohl Unmodischste, was ein Mann heutzutage tragen kann. Doch dieser Weg ist der mit Abstand beste, um Aufmerksamkeit zu erregen für die Spendenaktion „Movember“ gegen Prostatakrebs.

Doch der Preis der „Hässlichkeit für einen guten Zweck“ ist manchmal hoch. Dominic Maroh vom Zweitligisten 1. FC Köln wird beispielsweise von seinen Mitspielern seit Tagen aufgezogen. Mexikanischer Drogenboss haben sie ihn schon genannt, Jürgen Kohler, oder auch Pornostar aus den 80ern, erzählte er der Bild-Zeitung. Über all das kann er lachen. Das Schlimmste jedoch: Seine Freundin Madlen findet den Bart furchtbar: „Das Küssen hat sich seit Anfang November etwas reduziert.“ Trotzdem versucht Maroh, „den November durchzuhalten. Er ist schon verdammt lang, das habe ich mir nicht so schlimm vorgestellt.“

Neben dem Slowenen gehören auch sein Teamkollege Daniel Halfar, die Schalker Benedikt Höwedes und Roman Neustädter, der Frankfurter Tranquillo Barnetta sowie Moritz Volz von 1860 München zu den „Mo Bros“. 

Hinzu kommt als deutscher Pionier Ex-Nationalspieler Robert Huth (Stoke City). Neustädter, der die Aktion unter das Motto „Tritt Krebs in den Arsch“ gestellt hat, ist bisher der Deutsche mit der höchsten Spendensumme.

Wenn die Organisation Movember, abgeleitet aus „Moustache“ (englisch für Schnurrbart) und November, bei Sportvereinen vorspricht, erhält sie Lob - und oft eine Absage. Man engagiere sich bereits für andere Gesundheitsthemen, heißt es. Zudem würden beispielsweise Drehs für Werbespots im Wege stehen. Dennoch, so berichtet Pressesprecher Michael Fischer, sind in diesem Jahr doppelt so viele Sportler dabei wie in den Vorjahren. Auch TV-Moderator Waldemar Hartmann lässt 14 Jahre nach seinem optischen Imagewechsel den Bart wieder sprießen.

Zum gesellschaftlichen Ereignis, ja gar zur Teambuilding-Maßnahme wird die Teilnahme, wenn sich ganze Teams beteiligen. So bei den Hamburg Freezers, wo sie Ende des Monats gar den besten Schnurrbartträger wählen. Oder auch bei zwei Liga-Rivalen aus der Deutschen Eishockey Liga, Red Bulls München und den Grizzly Adams Wolfsburg. Beim Fußball-Regionalligisten Fortuna Köln beteiligen sich auch die Betreuer. Am Wochenende gewann die Fortuna das Spitzenspiel gegen den Stadtrivalen Viktoria mit 4:2 nach 0:2. „Sie haben das Spiel mit Schnurrbart gedreht“, erzählt Fischer schmunzelnd.

Der australische „Movember“-Gründer JC Coghlan ist sogar überzeugt von der „Kraft des Schnurrbarts“. So habe Neustädter im vergangenen November sein erstes Länderspiel absolviert, auch der Engländer Leon Osman. „Und das im Alter von 31 Jahren“, wie Coghlan 11freunde.de berichtet: „Wir sind keine Statistiker, aber es gibt einen eindeutigen Trend, dass Fußballer mit Schnurrbärten zu besseren Spielern werden. Deswegen war die deutsche Nationalmannschaft in den 80er-Jahren auch so erfolgreich. Da trug doch wirklich fast jeder einen Schnurrbart, oder?“

Fakt ist: Es ist noch kein Sportler bekannt, der sich durch „Movember“ vom Schnäuzer als Dauer-Accessoir überzeugen ließ und ihn Ende November einfach stehen ließ. Doch seit 2004 haben mehr als zwei Millionen Botschafter aus 21 Ländern bereits 215 Millionen Euro eingesammelt. Geld, das in Selbsthilfegruppen, Behandlungstherapien oder in die Forschung und Aufklärung investiert wird. Immerhin handelt es sich um die gefährlichste Krebsart bei Männern, über 11.000 sterben jedes Jahr weltweit.

Erfunden haben die Aktion vor zehn Jahren 30 Freunde in einer australischen Kneipe. Sie machten den Schnurrbart als ideales Zeichen aus, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Schließlich sei es der einzige Modetrend gewesen, der irgendwann verschwand und nie wieder kam.

sid

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