Schlammschlacht zieht sich hin

HSV-Machtkampf: Alle gegen Jansen – Bernd Hoffmann Retoure im Gespräch

Der Streit in Präsidum des HSV nimmt eine neue Dimension an. Marcell Jansens Stuhl wackelt mächtig und Comeback von Bernd Hoffmann ist nicht auszuschließen.

  • HSV-Präsident Marcell Jansen* ist in seinem eigenen Präsidium quasi kaltgestellt.
  • Seine Stellvertreter bringen offenbar Ex-Vorstandschef Bernd Hoffmann* in Stellung.
  • Auch im Aufsichtsrat sollen Hoffmann-Sympathisanten installiert werden.

Hamburg – Eigentlich müsste man den Hamburger SV* inzwischen in die weitreichende Liste an Fußball-Sprichwörtern eintragen. Frei nach dem Motto: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo der HSV daher.“ Dieses „Mehr“ hätte man sich im seit Wochen öffentlich ausgetragenen Machtkampf beim Zweitligisten eigentlich nicht vorstellen können. Aber es gibt es eben doch: Nachdem es bislang nur ein, zugegeben nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand verbreitetes, Gerücht war, dass HSV-Präsident Marcell Jansen aus dem Amt befördert werden soll, ist dies jetzt offenkundig.

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000 Plätze
Ligazugehörigkeit:2. Fußball-Bundesliga
Trainer:Daniel Thioune

HSV-Vizepräsident Moritz Schaefer legt Liste mit Aufsichtsrats-Anwärtern vor

Doch der Reihe nach: In der vergangenen Woche kam das Präsidium des HSV e.V. zu einer lange erwarteten Sitzung zusammen, in deren Vorfeld es einen Streit um ein Detail gegeben hatte. Auf dieser Sitzung in Hamburg* soll Vizepräsident Moritz Schaefer, der verbal gegen den Aufsichtsrat schoss, eine Liste mit fünf Kandidaten vorgelegt haben, die er und wohl auch der zweite Jansen-Vizepräsident Thomas Schulz gerne im Aufsichtsrat sehen würden. In diesem Gremium müssen so oder so zwei Posten neu besetzt werden.

Der Riss zwischen HSV-Präsident Marcel Jansen (rechts) und seinen Vizes, die angeblich Bernd Hoffmann und Katja Kraus in Stellung bringen, ist nicht mehr zu kitten. (24hamburg.de-Montage)

Dafür hatte der HSV-Beirat nach vorangegangenen Vorschlägen aus dem Präsidium letztlich nur zwei zugelassen: Kathrin Menges, die auch beim Sportartikel-Hersteller Adidas im Aufsichtsrat sitzt und über jeden Zweifel erhaben scheint. Und Bankier Hans-Walter Peters, an dem sich wiederum im Präsidium die Geister scheiden. Schulz und Schaefer stehen ihm kritisch gegenüber, weil er ein Gefolgsmann von Klaus-Michael Kühne ist und den Einfluss des Investors vergrößern könnten. Jansen, dem so oder so eine Nähe zu Kühne nachgesagt wird, hat damit kein Problem.

Auf Schaefers Liste: Vertraute von Ex-HSV-Vorstandschef Hoffman

Dass Marcell Jansen und Thomas Schulz nicht miteinander können und das der Grundstein des HSV-Machtkampfes ist, dürfte ein offenes Geheimnis sein. Jansen nimmt seinem „Vize“ noch immer dessen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat im Frühjahr 2020 übel, als das Gremium – übrigens auch mit einer Stimme von Jansen – den damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann aus dem Amt kickte. Auch Schaefer ist eher dem Lager um Schulz zuzurechnen. Im für Schulz und Schaefer besten und Jansen schlimmsten Falle könnte das Duo bei Abstimmungen im Präsidium den Ex-Nationalspieler matt setzen und überstimmen.

Max-Arnold Köttgen soll wieder in den HSV-Aufsichtsrat einziehen. (24hamburg.de-Montage)

Hinter den immer wieder gern zitierten verschlossenen Türen haben die beiden offenbar von langer Hand eine Revolution geplant. Ein Theaterstück, das auch unter dem Titel „Alle gegen Jansen“ laufen könnte. Denn: Die Hoffmann-Getreuen haben, dies berichtet das Hamburger Abendblatt, mit Ex-Aufsichtsratschef Max-Arnold Köttgen und Ex-Aufsichtsrätin Katrin Sattelmair zwei Vertreter auf ihre neue Vorschlags-Liste gesetzt, die beide ebenfalls dem Lager um den Ex-Vorstandschef Hoffmann zuzurechnen sind. Köttgen hatte sein Amt im Frühjahr 2020 nach der Entlassung Hoffmanns niedergelegt.

HSV-Präsident Marcell Jansen kaltgestellt – im eigenen Präsidium

Weil Jansen und Schulz inzwischen so zerstritten sind, dass eine vernünftige Zusammenarbeit der beiden nicht mehr gewährleistet ist, haben diverse Gremien eine Abwahl von Schulz bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beantragt, deren Termin noch offen ist. An dieser Stelle greift die nächste Idee von Schulz und Schaefer: Sollte der Misstrauensantrag gegen Schulz bei den Mitgliedern nicht die erforderliche Mehrheit bekommen, dann hätten die beiden eine weitere Person in der Hinterhand, die sie im Vorstand sehen wollen.

Dabei handelt es sich laut Medienberichten um Katja Kraus. Die war von 2003 bis 2011 im Vorstand des Clubs aus dem Volksparkstadion* für Marketing und Kommunikation verantwortlich. Dabei war die Ex-Fußball-Nationalspielerin unter Bernd Hoffmann tätig und ist eine weitere Vertraute des Ex-HSV-Chefs, die im mittlerweile zur großen Schlammschlacht ausgearteten HSV-Machtkampf eine Rolle spielen soll. Seit 2013 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketingagentur Jung von Matt/Sports.

Bei Hoffmann-Rückkehr: Rücktritte von Jonas Boldt und Frank Wettstein im HSV-Vorstand?

Weder Kraus noch Hoffmann haben sich bisher auf Anfrage diverser Hamburger Medien zu den Gerüchten öffentlich geäußert. Klar ist aber: Präsident Marcell Jansen ist derzeit im eigenen Präsidium kaltgestellt und wackelt offenbar mächtig. Auch in anderen Gremien könnte es Rücktritte geben, wenn das Duo Schulz und Schaefer mit seinen Plänen durchkommt und die Mitglieder Schulz nicht abwählen. Marcell Jansen bemüht sich in der Zwischenzeit, bei den Fans zu punkten, indem er mit Ex-HSV-Ultra Henrik Köncke als Aufsichtsrat liebäugelt. Den haben aber auch Schulz und Schaefer bereits im Visier.

Bei alledem nicht zu vergessen: Durch die Besetzung des Aufsichtsrates hat der Machtkampf für die HSV Fußball-AG und damit den Profibereich des Zweitligisten eine große Bedeutung – klar also, warum HSV-Sportvorstand Jonas Boldt* das Theater gar nicht passt und ihm zuletzt der Geduldsfaden riss.

Denn: Sollte Max-Arnold Köttgen in den Aufsichtsrat zurückkehren, droht Ärger. Er hatte sich im Frühjahr 2020 bei Diskussionen zwischen Hoffmann auf der einen und Boldt sowie Finanzchef Frank Wettstein auf der anderen Seite, klar zu Hoffmann bekannt. Ein Rücktritt von Boldt und Wettstein wäre nicht auszuschließen. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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