HSV-Coach mit starkem Statement

HSV: Rassismus-Erfahrungen von Coach Thioune – „Haut den N*ger um“

HSV-Coach Daniel Thioune ist der einzige dunkelhäutige Fußball-Trainer im deutschen Profifußball. In einem Podcast spricht er über krasse Rassismus-Erfahrungen.

Hamburg – Wer lange im Profi-Fußball ist, der hat einiges zu erzählen. Das gilt auch für Daniel Thioune*. Bevor der 46-Jährige beim Hamburger SV* und beim VfL Osnabrück als Trainer tätig wurde, war er auch als aktiver Spieler im bezahlten Fußball tätig. Dabei hat er nicht nur schöne Momente erlebt, sondern auch schreckliche. Die haben mit seiner Hautfarbe zu tun. Im Podcast „HSV-Matrix“ packt Thioune, der aktuell einzige dunkelhäutige Trainer in der Ersten und Zweiten Liga aus: Er spricht über krassen Rassismus, der ihm begegnet ist.

Fußballtrainer:Daniel Thioune
Geboren:21. Juli 1974 (Alter: 46 Jahre) in Georgsmarienhütte
Größe:1,83 Meter
Bisherige Trainerstationen:Hamburger SV (seit 2020), VfL Osnabrück (2017-2020)
Vereine als aktiver Spieler:unter anderem LR Ahlen, VfB Lübeck VfL Osnabrück

HSV: Trainer Daniel Thioune hat bei Rassismus keine Illusionen – „das wird sich nicht verändern“

Dabei ist es eigentlich ein Thema, über das der Trainer des HSV gar nicht gerne redet. Auch, wenn er als erster schwarzer Trainer des Vereins aus dem Volksparkstadion* genau der richtige Gesprächspartner und Botschafter dafür ist. Er wolle, so sagt Thioune in der „HSV-Matrix“, dem Podcast aus dem Bereich Fankultur, nicht auf dieses Merkmal reduziert, sondern lieber aufgrund seiner Fähigkeiten als Trainer wahrgenommen werden. Von daher lehnt der 46-Jährige auch Interview-Anfragen, in denen es ausschließlich um dieses Thema geht, oftmals ab.

HSV-Trainer Daniel Thioune beweist in einem Podcast klare Kante gegen Nazis und Rassismus. (24hamburg.de-Montage)

In der „HSV-Matrix“ aber rechnet er schonungslos ab. „Über die vielen Jahre, die ich im Fußball bin: Das einzige, was sich nicht verändert hat, ist, dass ich es immer wieder mit dummen Menschen zu tun habe“, konstatiert Daniel Thioune, „und da gibt es eine Menge dummer Menschen, die auf irgendetwas stolz sein wollen.“ Oftmals, so der HSV-Trainer weiter, sei das offenbar die Hautfarbe. „Das wird sich nicht verändern“, gibt er sich keiner Illusion hin und berichtet über seine eigenen Begegnungen mit Rassisten.

Heutiger HSV-Trainer Daniel Thioune erlebt Rassismus als Spieler am eigenen Leib mit

„Es sind Momente eingetreten, die ich mir niemals so gewünscht hätte. Wenn man als Fußballer irgendwo im Osten unterwegs ist und Zehntausende rufen ‚Haut den Neger um‘, dann löst das sicherlich etwas aus“, erklärt der HSV-Trainer. Angesichts solcher Momente „fällt es einem schwer, in einem Land, in dem man aufgewachsen ist, bei der einen oder anderen Europameister- oder Weltmeisterschaft mit den deutschen Farben zu halten. Dann distanziert man sich auch, obwohl man hier geboren und aufgewachsen ist und eine Wertehaltung vertreten möchte“, so Thioune.

Andererseits gebe es dann aber bei diesem Thema auch Momente, die gut tun. „Wenn dann aber, wie beim Sommermärchen 2006 David Odonkor in der letzten Minute auf Oliver Neuville flankt (gemeint ist das WM-Gruppenspiel Deutschlands gegen Polen, Anm. d. Red.), dann sind es nicht zwei, die nur arische Vorfahren haben. Sie sind eben nicht komplett weiß pigmentiert. Das ist dann der Augenblick, in dem ich mich gut fühle und auch Fan der Mannschaft und des Landes bin“, erzählt der HSV-Trainer im Podcast.

HSV-Coach Daniel Thioune: Klare Position bei Duskussion um Bakery Jatta – mit Preis belohnt

Für ihn sei es eine Art Genugtuung, wen Menschen mit rassistischem Gedankengut den Fernseher anmachen, die deutsche Fahne sehen und „dann schauen sie auch in ein paar dunkle Augen“, verrät Thioune, „ein ganz cooler Augenblick für mich.“ Logisch also, dass Daniel Thioune auch die Auftritte von Josha Vagnoman* in der U21-Nationalmannschaft erfreuen. „Es ist Gänsehaut für mich, zu sehen, wenn Josha die Hymne singt. Es ist die Vielfalt, die wir in unseren Farben tragen und auch über die Grenzen hinaus getragen wird. Das ist ein besonderer Moment.“ Auch der HSV stehe für diese Vielfalt.

Wenn Stephan Ambrosius in der 87. Minute nach Flanke von Vagnoman das 1:0 köpft, reißt auch ein strammer Nazi vor Freude die Arme hoch.

HSV-Trainer Daniel Thioune über Rassismus bei HSV-Fans

„Wir haben sehr viele Menschen in unserem Kreis mit einem Migrationshintergrund“, so Thioune, der schon zeigte, wie deutlich er bei diesem Thema Stellung beziehen kann: Beim Streit um die Identität des HSV-Profis Bakery Jatta positionierte er sich klar und wurde mit der Auszeichnung als „Fußballspruch des Jahres“ für sein Anti-Rassismus-Statment geehrt. Nur allzu nachvollziehbar, dass Daniel Thioune auch zum Thema Rassismus unter HSV-Fans in der Hansestadt Hamburg seine mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält.

Daniel Thioune über Nazi-Fans vom Hamburger SV

„Wenn Stephan Ambrosius in der 87. Minute nach Flanke von Vagnoman das 1:0 köpft, reißt auch ein strammer Nazi vor Freude die Arme hoch. Vielleicht sind die Farben des Clubs dann doch größer als die Farben, die die Protagonisten tragen“, befindet Thioune, der zudem sagt, dass es „gerade als jemand, der eine gewisse Wertvorstellung hat“ für ihn als Fußballtrainer „eine große Chance ist, sie auch kundzutun.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Schwarz/Imago images & Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance

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