Heiße Tweets vom Eismann

Sean O'Connor geißelt die Real-Stars

Brasilien - Kleines Tagebuch von Günter Klein: Aus aktuellem Anlass müssen wir die Serie landeskundlicher Ausführungen, die sonst in dieser Rubrik zu finden sind, unterbrechen. Wir müssen nämlich kurz mal die Sportart wechseln.

Günter Klein (52), seit 1984 Sportjournalist, seit 1998 in unserer Verlagsgruppe. Brasilien ist bereits seine sechste WM.

Nach dem deutschen Auftaktsieg gegen Portugal haben wir auf Twitter einen wunderbaren Beitrag gelesen, der in den bis zu 140 erlaubten Zeichen den WM-Verlauf treffend zusammenfasste. Der Tweet ist auf Englisch verfasst, wir übersetzen ihn: „Real-Madrid-Spieler bei der WM. Ramos: Immer noch auf der Jagd nach Robben. Ronaldo: weint noch. Casillas: kriecht noch umher. Pepe: gesperrt. Marcelo: Eigentor.“ Schadenfreude, die kein Anti-Real- (und somit wohl auch FC Bayern-Fan) schöner ausdrücken könnte. Der Autor des Tweets ist: Sean O'Connor, deutsch-kanadischer Eishockeyspieler.

Wer ihn nicht kennt: echte Type. Beste Geschichte: Als Spieler der Augsburger Panther begab er sich während des Matches mal auf die Bank des ERC Ingolstadt, um dort was zu klären. Von Augsburg wechselte er dann nach – Ingolstadt. Von dort weiter zum EHC Red Bull München, wo er suspendiert wurde (ein kleiner Fall Pepe): Er war einmal während des Spiels einfach gegangen, weil er den Münchner Trainer Pierre Page nicht abkonnte. Aktueller Club von O'Connor sind die Schwenninger Wild Wings. Was man noch über ihn erzählen kann: Er ist Epileptiker, hatte Gehirnerschütterungen und Bandscheibenvorfälle, dennoch genießt er das Leben.

Manchmal twittert er morgens um vier (auch während der Eishockey-Saison) von American-Football-Ereignissen. Und nun hat er uns den Real-bei-der-WM-Tweet geschenkt. Die Brücke Eishockey-Fußball ist somit geschlagen. Verbindungen gibt es schließlich: Thomas Müllers Trauzeuge ist Eishockey-Nationalspieler Thomas Oppenheimer, Philipp Lahm war Botschafter der Eishockey-WM 2010, Miroslav Klose ging in seiner Münchner Zeit gerne zum Eishockey und musste sich als Bayern-Spieler vom blau gefärbten Publikum auspfeifen lassen, Lukas Podolski ist Fan der Kölner Haie (wäre jedoch auch Fan der Bundesliga-Schachmannschaft, wenn es in Köln eine gäbe), und im DFB-Reisebüro, das in Brasilien für die Flüge der Mannschaft und die Unterbringung der Spielerfrauen zuständig ist, arbeitet Marcus Beeck, ehemaliger Nationaltorwart der Puckjäger.

Doch darf man in Brasilien das Thema Eishockey überhaupt auf den Tisch bringen? Man darf. Im „Visuellen Wörterbuch Brasilianisch - Deutsch“ mit 12.000 Begriffen, das der Autor dieser Kolumne mit sich führt, ist Eishockey (o hoquei no gelo) mit einer Seite vertreten, immerhin die Hälfte des Platzes von „O futebol“. Wichtigstes und am leichtesten zu merkendes Eishockey-Fachwort: Der Puck heißt „o disco“. Sean O'Connor wird diesen Begriff sympathisch finden …

Rubriklistenbild: © dpa

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