Gibt ihm der Dino noch eine Chance?

Rausschmiss gefordert! Deshalb hakt es für Hannes Wolf beim HSV

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Hannes Wolf bei der Meisterfeier des VfB Stuttgart.

Der Hamburger SV hat es verpatzt. Die Rothosen bleiben ein weiteres Jahr zweitklassig und Trainer Hannes Wolf steht mächtig unter Druck.

Hamburg - „Dass der Aufstieg nicht gelingen würde, war mir schon vor mehreren Wochen klar“, klagte Kühne gegenüber dem Express und hielt auch mit expliziten Vorwürfen nicht zurück: „Die fehlende Handlungsbereitschaft der einschlägigen Gremien war aus meiner Sicht verhängnisvoll.“ Die Kritik an den Aufsichtsräten des Nordklubs hat einen Grund, Kühne sieht Trainer Hannes Wolf als Schuldigen für das sportliche Versagen der Mannschaft. 

Mit der 1:4-Niederlage gegen den SC Paderborn hat der HSV auch die letzten Chancen auf die direkte Rückkehr ins deutsche Fußball-Oberhaus verspielt. Eine desolate Rückrunde findet ihr Ende abseits der fest anvisierten Aufstiegsplätze. Für Fans und Verein ein Schock, doch Geschäftsmann Kühne verfolgte einen Verein, der sehenden Auges ins Versagen schlitterte. Schon früh habe er den sportlichen Einbruch kommen sehen: „Ich habe Aufsichtsrat und Vorstand der HSV Fußball AG sowie den Präsidenten am 26. Februar schriftlich empfohlen, den Trainer auszuwechseln, weil sich mit dem in Regensburg verlorenen Spiel der Niedergang für mich abzeichnete und er durch falsche Entscheidungen des Trainers gekennzeichnet war.“

“Aus meiner Sicht verhängnisvoll“: Klaus-Michael Kühne verteilt Rundumschlag beim HSV

Sein Aufruf zum Trainerwechsel fand keinen Anklang. Die sportlich Verantwortlichen bauten weiter auf Jungtrainer Hannes Wolf, der als Coach des VfB Stuttgart immerhin schon beweisen konnte, dass er einen gefallen Traditionsverein in die erste Liga coachen kann. Für seinen Aufstieg mit den Cannstädtern wurde der heute 38-Jährige schließlich auch zum Trainer des Jahres 2017 gekürt. 

Hannes Wolf: Die Zukunft des Trainers beim HSV ist noch ungewiss.

Wolf setzt gerne auf junge Spieler, schenkt ihnen Vertrauen. Die Hamburger erhofften sich, dass ihr Coach so eine schlagkräftige Bundesliga-Truppe entwickeln würde, während er den Aufstieg unter Dach und Fach bringt. Im Endeffekt wurde ihm das zum Verhängnis. Nachwuchskräfte wie Berkay Özcan, Rick van Drongelen, Bakery Jatta und Tatsuya Ito zeigten gerade in den wichtigen Spielen Nerven, blieben aber trotzdem gesetzt, während ein Routinier wie Lewis Holtby am Ende sogar ganz aus dem Kader gestrichen wurde und keinen neuen Vertrag erhielt.

Quo vadis HSV? Kühne fordert „Neuanfang“ - Was wird aus Hannes Wolf?

Nun fordert Klaus-Michael Kühne „einen Neuanfang mit frischen, engagierten Spielern“, ob Coach Hannes Wolf ein Teil davon sein wird, liegt in den Händen von Sportvorstand Ralf Becker. Es wird eine richtungsweisende Entscheidung: Bleibt sich der „Dino“ treu und tauscht den Übungsleiter nach Misserfolgen oder pokert er auf kontinuierliche Weiterentwicklung des Kaders unter einem starken Mann? Die Rückrunden-Bilanz spricht dabei allerdings keineswegs für Wolf. Die Enttäuschung und Unzufriedenheit in der Hansestadt sitzen tief, eine Entlassung des Trainers wäre darstellbar und keine Überraschung. Trotzdem genießt Wolf nach wie vor einen guten Ruf als Jugendflüsterer und Entwickler, eigentlich also der passende Mann für den gewünschten Reset. 

Schon unter Christian Titz träumten viele Fans vom Beginn einer Trainer-Ära beim HSV. Der ehemalige Jugendcoach hatte einen guten Draht zu den Talenten, die er an die Bundesliga heranführen sollte, doch er scheiterte an den hohen Erwartungen. Voller Aufbruchstimmung freuten sich Fans und Verantwortliche auf einen jungen Trupp, der durch die zweite Liga pflügen sollte, wie durch Butter. Einziger akzeptierter Konkurrent war der 1. FC Köln, auch im Unterhaus angekommen, ging der Blick nicht auf die „Kleinen“ aus Sandhausen, Heidenheim oder Paderborn. Die zweite Bundesliga - nicht der Platz für den Hamburger SV. So kam es, wie es kommen musste: Nach den ersten Misserfolgen fand der Verein den Schleudersitz-Knopf beachtlich schnell wieder und setzte Titz bei zwei Punkten Rückstand auf Platz eins vor die Tür. Damals begründet mit der nicht erkennbaren spielerischen Weiterentwicklung. 

Horror-Rückrunde beim Hamburger SV: Keine Tore, keine Punkte

Dann kam also Hannes Wolf, der in seinen ersten Partien zu überzeugen wusste. Das von Titz etablierte Ballbesitzspiel wurde in der Defensive verfeinert und die Rothosen marschierten zur Herbstmeisterschaft. Was anfangs so gut funktionierte, wollte nach und nach einfach nicht mehr greifen. Zu behäbig, zu uninspiriert trat die Mannschaft im Vorwärtsspiel auf, so dass die Hamburger einen Spieltag vor Schluss tatsächlich die schwächste Offensive aller Klubs in der oberen Tabellenhälfte stellt. Nur Dresden, Fürth, Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg haben weniger Tore geschossen als der Dino, dabei findet man dieses Quintett ganz klar im Abstiegskampf, der FC Magdeburg und MSV Duisburg stehen sogar schon als Absteiger fest.

Man kann dem HSV nicht vorwerfen, es nicht zu versuchen, allerdings scheitern die meisten Vorstöße am mangelndem Tempo im letzten Drittel. Mit Pierre-Michel Lasogga schaltet sich hier nicht gerade ein Zauberfuß ins Angriffspiel ein, als Sturmkante und Straufraum-Spieler versucht man ihn erst zu Verwertung zu finden. Bald-Bayer Jan-Fiete Arp und Ex-Bayer Manuel Wintzheimer drängen sich derzeit qualitativ nicht als Alternativen auf. Dadurch gerät das Hamburger Spiel zu eindimensional und zu berechenbar. Dazu kommen die Formschwächen der beiden etatmäßigen Zehner Berkay Özcan und Aaron Hunt. Im entscheidenden Spiel gegen den SC Paderborn setzte Wolf daher sogar Sechser Douglas Santos im offensiven Mittelfeld ein. 

Aufstieg nebenbei: Erwartungshaltung beim HSV zu hoch

Man sieht, Hannes Wolf hat es nicht leicht. Die unerfahrenen Spieler haben noch nicht die Souveränität um eine Saison als ständiger Favorit „runterzuspielen“, während die Bundesliga-Erfahrenen Kräfte mit dieser Rolle als Favorit und Ballbesitzteam fremdeln. Dazu kommen die Verletzungen von Samperio, Papadopoulos und vor allem Mangala. Das Team musste seine Rolle und sich selbst finden, nebenbei aber auch aufsteigen - viel verlangt von einer Truppe aus Talenten und gescheiterten Abstiegskämpfern. 

Doch diese Problematik wollte man an der Elbe nicht sehen. Dass der Dino direkt wiederkommen würde, galt als verpflichtend. Es hat nicht geklappt und jetzt muss der HSV beweisen, ob er am Ende der ersten Zweitligasaison aus dem Abstieg gelernt hat. Auf dem Platz fehlte es an Konstanz und Selbstverständlichkeit. Tugenden, die man in der Hamburger Führungsriege ebenso regelmäßig vermisst. Zwar wird die kommende Spielzeit zwangsläufig ein erneuter Neustart, die Abgänge von Lasogga und Holtby haben dabei schon fast symbolträchtige Bedeutung, aber dass Hannes Wolf überhaupt die Gelegenheit bekam, mit seiner Mannschaft zu scheitern, ist schon ein Fortschritt. Es zeigt, dass man noch einmal innehält bevor der rote Knopf gedrückt wird. Die Hanseaten scheinen dieses Jahr gebraucht zu haben um in der Realität der zweiten Liga anzukommen, man möge es ihnen nach über 50 Jahren im Oberhaus verzeihen. Es bleiben nun zwei Alternativen: Ein ganz klares Bekenntnis zu Hannes Wolf oder die Verpflichtung eines neuen Trainers, von dem man vollkommen überzeugt ist. Wobei ein geeigneterer Mann als Wolf schwer zu finden ist, sollte der HSV auf die Weiterentwicklung der eigenen Jungs setzen. Eine Rückkehr zu Bruno Labbadia hingegen wäre die Rückkehr in alte Muster, die über Jahre vom Europapokal in die Zweitklassigkeit führten. Der Verein kann beweisen, gelernt zu haben und das liegt an Ralf Becker und nicht an Mäzen Klaus-Michael Kühne.

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