Rebellion

HSV-Ultras stellen sich gegen Vereinsvorstand des Hamburger SV – „Volksparkstadion unverkäuflich!“

Der Vorstand des Hamburger SVs muss sich seinen Hardcore-Fans stellen. Die Ultras proben den Aufstand in der Fan-Szene. Es geht um die Namensrechte des Volksparkstadions. Diese sollen für viel Geld verkauft werden, um die Kassen des Pleite-Vereins wieder zu füllen.

  • Hamburger SV* droht Streit mit Ultra-Gruppierung.
  • Bleibt dem Volksparkstadion sein Name erhalten?
  • Castaways“ protestieren mit Banner für Namenserhalt.

Hamburg – Als hätte der Hamburger SV nicht schon mit genug Unruhen zu kämpfen, sieht sich der Vorstand des Traditionsvereins nun auch noch mit massiven Forderungen der HSV-Ultras konfrontiert. Diesen geht es gegen den Strich, das erwägt wird, die Namensrechte am Volksparkstadion für mehrere Millionen Euro zu verkaufen. Dies wäre das Resultat des auslaufenden Vertrags von Investor Klaus-Michael Kühne*, der die Rechte am Stadionnamen besaß und sich dies vier Millionen Euro kosten ließ. Im Netz herrscht ein überwiegend eindeutiges Bild: Nicht mit uns.

Fußballverein:Hamburger SV
Trainer:Daniel Thioune
Vorsitzender:Marcell Jansen
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Vorstand:Jonas Boldt (Sport); Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
Farben:Blau-Weiß-Schwarz

Hamburger SV: Fußball-Zweitligist braucht neue Sponsoren für Stadionnamen – wird das Volksparkstadion umbenannt?

Kaum etwas ist Fußball-Fans so heilig wie der Stadionname ihres Vereins. Dementsprechend werden auch nur die kleinsten Versuche, die Heimstätten ihres Klubs namentlich zu verändern, mehr als kritisch beäugt. Das Volksparkstadion des Hamburger SVs ist eines der prominentesten Beispiele hierfür. Die Fußball-Arena der Rothosen wurde bereits 1953 eröffnet, jedoch erst zwischen 1998 und 2000 zu einem reinen Fußballstadion umgebaut. Eigentümerin und Betreiberin des Volksparkstadions ist die HSV Fußball AG.

Ihr Wort hat oftmals Gewicht: Die Ultras des HSV pflegen einen offenen Umgang mit dem Ansprechen von Missständen und wollen nicht, dass das Volksparkstadion umbenannt wird. (Archivbild)

Ab Juli 2001 wechselte die Spielstätte des Teams um Neu-Trainer Daniel Thioune* jedoch mehrmals seinen Namen. Zunächst wurde das 57.000 Zuschauer fassende Bauwerk in „AOL Arena“ umbenannt, was sich der US-amerikanische Medienkonzern 30 Millionen D-Mark kosten ließ. Sechs Jahre später erwarb die HSH Nordbank die Namensrechte am Stadion, fortan hieß dieses „HSH Nordbank Arena“. Insofern ein Novum, als das zum ersten Mal der Sponsorenname eines Stadions der Deutschen Fußball-Bundesliga geändert wurde.

Im Juli 2010 übernahm die international tätige Unternehmensgruppe Imtech die Namensrechte und Kicker wie Marcell Jansen*, mittlerweile HSV-Präsident, spielten fortan in der „Imtech Arena“. Zumindest so lange, bis der Hamburger* Investor Klaus-Michael Kühne sich sozusagen erbarmte und im Januar 2015 hinsichtlich des Stadionnamens zulangte. Nach 14 Jahren trug die traditionsreiche Spielstätte, in der schon HSV-Ikonen wie Uwe Seeler* oder Chefkritiker Felix Magath* ihre Buden schossen, ab Juli 2015 wieder ihren ursprünglichen Namen. Doch HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein arbeitet an einem Verkauf der Namensrechte.

Stein des Anstoßes: Behält das Volksparkstadion seinen Namen oder wird die traditionsreiche Spielstätte des Hamburger SVs umbenannt? (Archivbild)

Also nur ein vorläufiges Happy End, das sich nun in Déjà-vu für die leidgeplagten HSV-Fans entwickeln könnte. Da ihre Mannschaft zweimal in Folge die Rückkehr in die 1. Bundesliga verpasst hatte, infolgedessen sich unter anderem von Ex-Trainer Dieter Hecking getrennt wurde*, verkündete Kühne, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. Damit entgeht dem Klub von der Elbe* die stolze Summe von vier Millionen Euro jährlich, die sich der Investor die Namensrechte kosten ließ. Ein Szenario, das Realität wird, wenn die HSV-Verantwortlichen nicht schnell einen adäquaten, heißt finanzkräftigen Ersatz finden. Eventuell gar zum Leidwesen des Stadionnamens, was von den Rothosen-Anhängern im Netz entsprechend kommentiert wird.

Hamburger SV: Ultra-Gruppierung „Castaways“ mit emotionalem Facebook-Post - Widerstand gegen mögliche Umbenennung der HSV-Spielstaätte

Im Forum der „Rautenperle“, einer Mischung aus HSV-Blog und -Fanzine, herrscht ein Meinungszwiespalt zwischen den Supportern des Hamburger SVs. „Volksparkstadion muss bleiben“, heißt es schlicht und unmissverständlich von einigen Fans. Andere wiederum denken zukunftsorientiert und ergeben sich gar in Sarkasmus: „Ich würde es jedoch begrüßen, wenn man durch die Namensgebung Geld in die Kasse spülen kann. Das Stadion kann von mir auch aus [sic] Tönnies Arena heißen, solange das Geld fließt, ist alles recht...“.

Die Ultra-GruppierungCastaways“ vertritt einen anderen Standpunkt. Am Montag, 13. Juli 2020 ließ diese via Spruchband an der Westseite des Volksparkstadions wissen, was sie von einem eventuellen Verkauf der Namensrechte hält: „Volksparkstadion seit 1953 und für immer“. Ein Bild vom aufgehängten Banner postete die Ultra-Gruppierung über ihr „Sprachrohr“, die Facebook-SeiteMöwenschiss“ - mitsamt langen Text bzw. emotionalen Statement.

„Am 1. Juli 2020 ist der Vertrag über die Namensrechte am Volksparkstadion ausgelaufen. Im Grunde ändert das nicht viel, denn für uns HSV-Fans war, ist und bleibt die Bezeichnung VOLKSPARKSTADION der einzige Name unserer Spielstätte“, wird direkt zu Beginn deutlich, dass die „Castaways“ mit keinem alternativen Stadionnamen leben könnten. „In der Vergangenheit haben sich Trainer, Aufsichtsräte, Vorstände und sogar Teile der Fans vom möglichen Zudrehen des Geldhahns einschüchtern lassen. Doch damit muss es nun vorbei sein. Ab sofort darf unser Stadionname nicht länger von dem taktischen Wohlwollen eines einzelnen Geschäftsmannes abhängen“, heißt es weiter und wird Kritik an Investor Kühne geäußert.

Die Ultra-Gruppierung sieht aber auch positives in der neuen Situation, denn nun würde sich für den HSV die Chance bieten, „sich von ´strategischen Partnern´ und Geldgebern loszulösen. Ziel muss es sein, wieder eigene, unabhängige Entscheidungen zu treffen und ein neues Selbstbild zu schaffen. Der HSV war im deutschen Fußball trauriger Vorreiter beim Verkauf des Stadionnamens. Nun kann der HSV wiederum Vorreiter sein, wenn es darum geht, eine Gegenrichtung einzuschlagen“. Drei darauf folgende Standpunkte untermauern die Ansichten der „Castaways“. So sei kein anderer Name zu akzeptieren, auch kein Mix aus Volksparkstadion und einem Sponsorennamen. Zudem würde es nicht einmal auf Wohlbefinden stoßen, wenn beispielsweise nur einzelne Tribünen umbenannt werden.

Hamburger SV: Fußball-Zweitligist zwischen Machtkampf im Hintergrund und Ultras-Forderungen in aller Öffentlichkeit

Zum Schluss wird es fast schon philosophisch und die „Castaways“ zitieren den deutschen Physiker Albert Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“. Eine Aussage, die direkt eingeordnet wird. „Nun muss man aber kein Genie sein, um zu erkennen, dass es höchste Zeit ist, sich von diesem Wahnsinn loszusagen und nicht schon wieder das Gleiche zu tun. Lasst uns einen neuen HSV prägen. Einen Verein, in dem niemand größer ist, als die Raute“, fordert die Ultra-Gruppierung.

Es bedarf auch keiner übermäßig großen, geistigen Anstrengung, um erahnen zu können, dass dem HSV mal wieder Ungemach droht. Der Traditionsverein steckt in einem Dilemma, muss einerseits an das finanzielle Überleben denken, sollte es sich andererseits aber auch nicht mit den treusten der Treuen verscherzen. Der Machtkampf im Hintergrund*, in dessen Fokus der arg kritisierte HSV-Präsident Marcell Jansen steht, trägt nur noch dazu bei, dass die Hamburger auch in der langen Sommerpause nicht zur Ruhe kommen. In der Saisonvorbereitung sind sogar noch vier weitere Probleme aufgetreten*. Derweil haben die HSV-Fans auch Stellung gegen den DFB bezogen*. Die Angestellten, denen schwere Steuerhinterziehung vorgeworfen wird, sollen Stadionverbot erhalten. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/picture alliance

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