Einkaufsstopp

Verschuldeter HSV muss wohl Spieler verkaufen

+
Es stehen schwere Zeiten für den HSV bevor

Hamburg - Ein Einkaufsverbot wird für den HSV verhängt. Die Schulden steigen immer weiter an. Unsicher ist auch, wie es mit Spielern mit hochdotierten Verträgen weitergehen soll.

Der Wind beim Hamburger SV hat sich komplett gedreht - und das innerhalb von gerade einmal 48 Stunden. Montag, Trainingsauftakt, Rafael van der Vaart: „Europapokal, alles andere ist nichts wert!“ Mittwoch, Bild-Zeitung, Carl-Edgar Jarchow: „Das Nächste müssen Verkäufe sein.“ Ein Transfer-Stopp vom Vorstandschef, zwei Tage nach der Kampfansage des Superstars; dazwischen lag zudem noch die Absage des Wunsch-Stürmers Roque Santa Cruz aus familiären Gründen. Nichts ist unmöglich - HSV.

Anscheinend plagen den Fußball-Bundesligisten immer größere finanzielle Sorgen. Mal wieder droht ein Millionen-Minus, laut der Bild-Zeitung darf Sportdirektor Oliver Kreuzer nicht mehr einkaufen, sondern muss zunächst mal mit dem Verkauf von Ladenhütern mindestens zehn Millionen Euro erlösen. Bei der Ausleihe des Innenverteidigers Johan Djourou (26) vom FC Arsenal aus London, es ging dabei um „nur“ 800.000 Euro, soll es im Aufsichtsrat erheblichen Widerstand gegeben haben. „Wir fahren voll gegen die Wand“, wird ein Gremiumsmitglied zitiert. Die Krisensitzung endete angeblich tief in der Nacht.

Doch wie passt das alles zusammen? Roque Santa Cruz (FC Malaga), dessen Ehefrau anscheinend nicht nach Hamburg kommen will, wäre zwar ablösefrei gewesen, hätte aber ein stattliches Gehalt bekommen - und dafür war Geld da. Und jetzt ist es weg? Oder kehrt nun Vernunft ein beim HSV, der seit Jahren über seine Verhältnisse lebt?

Für das aktuelle Geschäftsjahr zeichnet sich jedenfalls bei den Hanseaten mal wieder ein Minus ab - in zweistelliger Millionenhöhe. Schon in den vergangenen beiden Jahren hatte der Klub jeweils einen kräftigen Verlust verzeichnet. In der Saison 2010/11 lag das Defizit bei 4,9 Millionen Euro, in der Spielzeit 2011/12 bei 6,6 Millionen Euro. Der Gehaltsetat soll von 48 Millionen Euro auf unter 40 Millionen gesenkt werden.

Dafür muss Kreuzer aber Spieler wie Marcus Berg, Gojko Kacar, Robert Tesche, Paul Scharner, Michael Mancienne oder Slobodan Rajkovic verkaufen. Allerdings gestaltet sich dies sehr schwierig - die Spieler besitzen teils hochdotierte Verträge und würden im Fall eines Wechsels deutlich weniger verdienen. Deshalb ist zuletzt auch die geplante Verpflichtung von Abwehrspieler Lasse Sobiech (Borussia Dortmund) ins Stocken geraten.

Zudem soll der HSV von der Zehn-Millionen-Ablöse für Angreifer Heung-Min Son (wechselte zu Bayer Leverkusen) nur 7,5 Millionen kassieren. Der Rest geht an Sons Berater und den Südkoreaner selbst. „Das war im Vertrag so vereinbart“, sagte Jarchow.

Santa Cruz hatte dem HSV am Dienstag einen Korb gegeben. „Sein Berater hat sich bei uns gemeldet und uns abgesagt“, sagte Kreuzer der Hamburger Morgenpost: „Roque wäre sehr gern gekommen, aber seine Frau wollte aus sehr speziellen privaten Gründen nicht nach Hamburg. Das ist sehr schade, weil Roque sehr gut zu uns gepasst hätte, aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren.“

Bisher stehen nur Verteidiger Djourou und Stürmer Jacques Zoua (21/FC Basel) als Neuzugänge fest. Weitere sind von Trainer Thorsten Fink selbstverständlich gewünscht: Hohe Ziele, wenig Geld, das würde extrem anspruchsvoll.

„Ein Verein wie der HSV muss in Europa spielen“, hat Rafael van der Vaart auch noch gesagt. Aber das war beim Trainingsauftakt, am Montag. Da wehte beim HSV noch ein anderer Wind.

sid

Die wichtigsten Bundesliga-Transfers des Sommers

Die wichtigsten Bundesliga-Transfers des Sommers

Das könnte Sie auch interessieren

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Meistgelesene Artikel

Barça rettet einen Punkt bei Atlético - Zittersieg von Real

Barça rettet einen Punkt bei Atlético - Zittersieg von Real

„Hertha fordert Trump heraus“: Weltweites Echo auf Kniefall-Protest

„Hertha fordert Trump heraus“: Weltweites Echo auf Kniefall-Protest

Hansa-Fans bewerfen Jena-Anhänger mit dicken Fischen

Hansa-Fans bewerfen Jena-Anhänger mit dicken Fischen

RB-Profis spendieren ihren Fans Bratwürste und Bier

RB-Profis spendieren ihren Fans Bratwürste und Bier

Kommentare