Gala ohne Chefcoach

Großkreutz: "Klopps Gesicht hat gefehlt"

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Ein Blick auf die Tribüne: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp reagiert auf das 3:0. Rechts neben ihn der frühere BVB-Pressesprecher Josef Schneck

München - Der BVB hat den drohenden kapitalen Fehlstart in die Champions League abgewendet. Jürgen Klopp sah von der Kabine aus zu. Kevin Großkreutz widmete den Sieg dem Trainer.

Dortmund (dpa) - Die Gala seiner Mannschaft half, die Strafe zu ertragen. Mit jeder Minute hellte sich die zu Spielbeginn noch finstere Miene von Jürgen Klopp zusehends auf. Nach dem abschließenden Treffer zum 3:0 (1:0) über Olympique Marseille im zweiten Gruppenspiel der Champions League sank der Dortmunder Trainer entspannt in den schwarzen Ledersessel vor der Loge eines Sponsors. „Das ist nichts, was ich häufiger brauche“, kommentierte der Fußball-Lehrer seine Verbannung auf die Tribüne, „man sieht zwar tatsächlich besser, aber ansonsten ist es sch... .“

Erst nach Ende der Verbannung war Klopp zurück in seinem Element. Von schwerer Last befreit, eilte er in die Kabine, um sich bei den Profis zu bedanken. „Ich habe den Jungs als erstes gesagt, dass sie sich nicht daran gewöhnen sollen“, scherzte er. Wie Klopp kann auch Kevin Großkreutz in Zukunft auf ähnliche Erfahrungen verzichten. „Manchmal habe ich nach außen geguckt, und dann war der Trainer nicht da. Sein Gesicht hat schon gefehlt“, kommentierte der Außenverteidiger. Den ungefährdeten Erfolg widmete er kurzerhand dem Coach: „Dieser Sieg war auch für ihn, wir haben ihm viel zu verdanken.“

Zur Erleichterung aller Beteiligten blieb der Wutanfall des Trainers vor zwei Wochen in Neapel (1:2), die der Dachverband UEFA mit einer Sperre für ein Spiel geahndet hatte, für die Borussia ohne weitere sportliche Konsequenzen. In souveräner Manier bügelte der Finalist der vorigen Saison den Fehlstart aus. Die Tore von Robert Lewandowski (19./80./Foulelfmeter) und Marco Reus (52.) verhalfen dem Revierclub vor den anstehenden Duellen mit Spitzenreiter FC Arsenal in der Gruppe F auf Rang zwei und veredelten den reifen Auftritt. „Die Mannschaft war bereit, wieder den Fuß in die Tür zu stellen. Wir sind jetzt wieder drin in der Gruppe“, befand Klopp.

Ein Sonderlob der Profis erhielt Zeljko Buvac. Der kurzerhand vom Assistent- zum Cheftrainer beförderte Bosnier trat an der Außenlinie zwar weniger lebhaft als Klopp auf, traf aber den richtigen Ton. Neuzugang Pierre-Emerick Aubameyang fühlte sich gut aufgehoben: „Buvac ist genauso wichtig wie Klopp, es hat nichts geändert. In der Halbzeit hatten wir eine Videoanalyse und er hat eine gute Halbzeitansprache gehalten.“

Der starke Auftritt des Bundesliga-Tabellenführers gegen das französische Spitzenteam war keine Selbstverständlichkeit. Schließlich fehlten mit Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl, Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer sowie dem gesperrten Torhüter Roman Weidenfeller gleich fünf Profis. Nicht zuletzt deshalb musste Klopp auf der linken Abwehrseite den unerfahrenen Erik Durm einsetzen. Doch der 21 Jahre alte Champions-League-Debütant meisterte die Aufgabe als Schmelzer-Ersatz mit Bravour. Das Lehrbuch-Tor der Borussia zum 1:0 bereitete er mustergültig vor und war in der 58. Minute sogar einem eigenen Treffer nahe.

Mit leuchtenden Augen genoss der einstige U23-Spieler, der von Klopp im vorigen Jahr zu einem Positionswechsel von der Offensive in die Defensive überredet worden war, das anschließende Rampenlicht in der Interview-Zone: „Das war ein Märchen. Bis jetzt stand ich bei Spielen in der Champions League immer auf der Tribüne und habe als Zuschauer beim Erklingen der Hymne eine Gänsehaut bekommen.“

Nicht minder überzeugend schlug sich Großkreutz auf der anderen Abwehrseite als Piszczek-Vertreter. Wie schon wenige Tage zuvor beim 5:0 über den SC Freiburg zählte der nimmermüde Dauerläufer zu den Besten in seinen Team. Die gelernte Offensivkraft findet mehr und mehr Gefallen an seinem neuen Job: „Ich habe Bock, der Mannschaft zu helfen. Das viele Kraft- und Einzeltraining bringt was.“ Die professionelle Einstellung des Alleskönners nötigte auch seinem Mitstreiter Nuri Sahin Respekt ab: „Kevin ist eine Maschine und nicht kaputt zu kriegen. Gut möglich, dass er nach dem Spiel die Strecke nach Hause läuft.“

dpa

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