Borussia feiert Königsklasse

Gladbach-Helden: Erst in Unterhosen, dann an der Tanke

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Die Gladbacher haben's in die Königsklasse geschafft.

Bremen - Borussia Mönchengladbach hat die erste Chance genutzt und ist am vorletzten Spieltag erstmals in die Champions League eingezogen. Die Spieler starteten den Party-Marathon.

Borussia Mönchengladbach läutete noch im Weser-Stadion den Party-Marathon ein. Nach dem erstmaligen Einzug in die Champions League ließen Max Kruse & Co. in der Kabine vor laufenden TV-Kameras mit nacktem Oberkörper und zum Teil nur noch in Unterhose die Korken knallen. „Und auf der Heimreise nehmen wir sicher noch die eine oder andere Tanke mit“, kündigte Nationalspieler Kruse freudestrahlend an.

Vier Jahre nach dem Beinahe-Abstieg aus der Bundesliga sind der Borussia, die letztmals 1977/78 im Europacup der Landesmeister stand, nun mindestens 25 Millionen Euro sicher. Da war selbst der sonst so zurückhaltende Sportchef Max Eberl großzügig: „Es darf Party gemacht werden. Die Mannschaft hat einige kreative Köpfe, die lassen sich schon noch was einfallen.“

Mit dem ersten Sieg seit 28 Jahren in Bremen machte das mit 39 Punkten aus 16 Spielen mit Abstand beste Rückrunden-Team den Sprung zu den Champions perfekt. „Wir kriegen dafür zwar keinen Pokal oder Wimpel, aber wir haben etwas Großes geschafft. Mein Gefühl ist durchaus euphorisch“, erklärte Eberl.

Vater des Erfolges ist nach nahezu einhelliger Meinung Lucien Favre. „Wir haben eine sehr, sehr gute Mannschaft und einen überragenden Trainer“, lobte er den 57-Jährigen. In der Tat hat der Schweizer das Fußball-Märchen mit der Rettung vor der Zweitklassigkeit bis zum Vorstoß in die nationale und europäische Spitze in kurzen vier Jahren maßgeblich wahr werden lassen. Typisch Favre, dass er davon nichts wissen will: „Das ist ein Erfolg des Vereins, des Kollektivs. Wir alle zusammen haben das erreicht.“

Nun wird es allerdings darum gehen, dieses Niveau zu erhalten. Alles andere als einfach, denn den Club werden Top-Scorer Kruse (11 Tore plus 9 Vorlagen/zum VfL Wolfsburg) und Weltmeister Christoph Kramer (zurück nach Leverkusen) verlassen. Eberl lässt das aber recht kalt.

In Lars Stindl, wie Kramer im Mittelfeld zu Hause, hat er den besten Mann von Hannover 96 schon für vergleichsweise günstige drei Millionen Euro geholt. Zudem wurde der bisher ausgeliehene Thorgan Hazard (8 Mio.) fest verpflichtet, so dass die Ablöse für Kruse von angeblich zwölf Millionen Euro fast schon aufgebraucht ist.

Sicher ist, dass im Sturm, in dem in Bremen der Brasilianer Raffael per Doppelpack zum Matchwinner avancierte, zumindest ein Kruse-Ersatz her muss. Eberl will an seiner Politik der maßvollen Einkaufspolitik festhalten. „Wir werden nicht voll in die Offensive gehen und auch keine verrückten Dinge machen.“ Gemeint seien damit keine übermäßigen Gehälter und „erst recht keine hohen zweistelligen Millionen-Ablösen“, sagte Eberl in den Katakomben des Weser-Stadions.

Dort sorgte er auch für den Spruch des Tages. Auf die Frage, ob der alte und neue deutsche Meister FC Bayern München oder die Erben der Borussia-Fohlen-Elf der 1970er-Jahre jetzt glücklicher seien, sagte er: „Wir ohne Schale.“ Und begründete: „Dass Bayern wieder Meister wird, hat vor der Saison fast jeder gesagt. Dass wir in die Champions League einziehen, haben vielleicht viele unserer Fans gehofft.“

Mehr erreicht als lange zu erwarten war, hat auch Werder. Unter Coach Robin Dutt Abstiegskandidat, brachte Nachfolger Viktor Skripnik die Bremer erst in Sicherheit und jetzt nahe an die Europa League. Rang sechs, der den Einzug garantiert, ist nahezu weg, aber Siebter könnte Werder durch einen Sieg beim Rivalen Borussia Dortmund noch werden. Das reicht, wenn Wolfsburg gegen den BVB den DFB-Pokalsieg holt. „Jetzt haben wir das Finale und ein klares Ziel vor Augen“, sagte Manager Thomas Eichin, dessen Vertrag zeitnah verlängert werden soll.

dpa

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