Gastkommentar von Jürgen Kohler

Zum Glück ist die Vorrunde jetzt rum

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Ein Gastkommentar von Jürgen Kohler. Zwei Spiele lang war’s eher mau, was unsere Nationalmannschaft bei der EM geboten hat. Gegen die Ukraine wackelte die Defensive bedenklich, gegen Polen war in der Offensive mangels Bewegung kaum was los. Im dritten Spiel hat die Mannschaft nun endlich das gezeigt, was sie kann. Das 1:0 gegen Nordirland war hochverdient, einziges Manko: Das Resultat fiel um einige Tore zu niedrig aus.

Bei aller Freude über die vielen herausgespielten Torchancen sollte man allerdings nicht vergessen, dass der Gegner weder Kategorie A noch B war. Nordirland konnte unserer Mannschaft offensiv nichts entgegensetzen, auf die paar Standards waren die Jungs gut vorbereitet. Euphorisch wird teamintern deshalb auch niemand werden. Und was drumherum passiert, hat Jogi Löw sowieso noch nie interessiert. Er weiß genau, dass in diesem Turnier noch ganz andere Herausforderungen warten.

Trotz der gelungenen Auftritte von Mario Gomez und Joshua Kimmich wird er sich nicht auf eine Startelf festnageln lassen. Kimmich war gegen Nordirland ein belebendes Element, er hat sich immer wieder gekonnt in die Offensive eingeschaltet, aber salopp gesagt: Was hätte er auch sonst tun sollen? Defensiv wurden seine Fähigkeiten ja gar nicht geprüft. Wenn man den Kerl jetzt schon auf eine Stufe mit dem jungen Philipp Lahm stellt, tut man ihm damit keinen Gefallen. Er hat großes Talent und einen starken Willen, keine Frage, aber die Maßstäbe sollten trotzdem nicht verrutschen.

Insgesamt hat mich bei dieser EM noch kein Spiel vom Hocker gerissen, es ist auch keine Mannschaft dabei, die schon zu 100 Prozent überzeugt hat. Danke Uefa, diese Aufstockung des Teilnehmerfelds ist Schwachsinn. Zum Glück ist die Vorrunde jetzt rum, am Samstag geht’s richtig los. Ich bin mir sicher, dass die verbleibenden 17 Spiele zusammen mehr Niveau haben werden als die bisherigen 34.

Jürgen Kohler, Weltmeister von 1990 und Europameister von 1996, bestritt 105 Länderspiele für Deutschland. Mit Bayern München und Borussia Dortmund gewann er drei Mal die Deutsche Meisterschaft, mit dem BVB auch die Champions League und den Weltpokal. Im Trikot von Juventus Turrin triumphierte der heute 50-Jährige im Uefa-Pokal sowie in Meisterschaft und Pokal. Zur kommenden Saison übernimmt Kohler beim Mittelrheinligisten VfL Alfter (fünfte Liga) den Trainerposten. Hauptberuflich arbeitet er als Unternehmensrepräsentant und Vermögensberater.

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