WM-Star oder schnell Ersatz?

Özil muss seine Körpersprache ändern

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Wolfgang Rolff (54)

Gast-Kommentar von Wolfgang Rolff - Klar, diese WM wird heiß. So wie 1986, als wir in Mexiko gespielt haben. Doch für die heutigen Profis sollte das kein Problem sein. Die Trainingslehre und die Betreuung der Spieler hat sich doch extrem verbessert.

Außerdem kamen wir damals mehr über das Läuferische, die aktuelle Nationalmannschaft ist technisch versierter, sie kann also ökonomischer agieren. Wie die Spanier. Die setzen auf viel Ballbesitz – und der Gegner läuft sich tot. Aber Vorsicht! Zuletzt hat oft die Geradlinigkeit, der Zug zum Tor gefehlt. So war es auch beim FC Bayern und beim FC Barcelona. Und bei einer WM ist fast jede Mannschaft stark genug, gegen diese Ballbesitz-Truppen gut zu verteidigen. Spaß beim Zugucken macht beides nicht, das wird irgendwann langweilig. Deshalb hoffe ich, dass sich das spanische Modell verändert hat. Unsere Mannschaft hat diese Geradlinigkeit, wir haben auch die Spieler dafür: Podolski, Özil, Schürrle und natürlich auch Klose – die wollen alle zum Abschluss kommen. 

Apropos Özil: Mesut ist ein richtig guter Junge. Er hat bei uns damals in Bremen schon einen großen Schritt nach vorne gemacht, aber seine Entwicklung bei Real Madrid war phantastisch. Doch jetzt bin ich enttäuscht von ihm. Ich kann ihm nur dringend raten, seine Körpersprache nach Ballverlust zu ändern. Er muss dann nachsetzen, aggressiv sein. Und nicht gefrustet. Gegen dieses Gefühl muss er ankämpfen. Bei Real hat er das gemacht, bei Arsenal in dieser Saison nach einigen Wochen nicht mehr. Ich weiß nicht, warum. Aber ich glaube an Mesut. Er kann sich das in diesen Tagen noch erarbeiten. Doch er muss wissen: Nur, wenn er mindestens 20, 30 Prozent draufpackt, kann er eine gute WM spielen. Dann kann er sogar zu den Top Five gehören. Aber es könnte auch ganz schnell für ihn vorbei sein. So eine WM kennt keine Gnade. Ein, zwei schlechte Spiele – und er ist raus. Die Konkurrenz in der eigenen Mannschaft ist riesengroß. Deshalb bin ich auch überzeugt davon, dass wir mindestens das Halbfinale erreichen.

Wolfgang Rolff (54) hat für diverse Clubs 356 Mal in der Bundesliga gespielt (46 Tore) und war 1986 in Mexiko Vize-Weltmeister. Co-Trainer von Thomas Schaaf bei Werder Bremen (2004 bis 2013) und Eintracht Frankfurt (ab 1. Juli). Zuletzt Assistent von Berti Vogts im Nationalteam Aserbaidschans.

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