Gast-Kommentar von Tim Borowski zu Jürgen Klinsmann

"Sie werden mit Blut in den Augen auflaufen"

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US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann

Ich kann mich noch gut erinnern, als Jürgen Klinsmann 2004 Bundestrainer wurde. Plötzlich war vieles neu. Jürgen hat eine amerikanische Note reingebracht. Speziell im Bereich Athletik. Darauf wurde nun viel mehr Wert gelegt und aus US-Sportarten wie American Football, Basketball, und der Leichtathletik einiges übernommen.

Tim Borowski (34) absolvierte 236 Bundesliga-Spiele (32 Tore), 210 für Werder , 26 für den FC Bayern. WM-Teilnahme 2006 unter Trainer Jürgen Klinsmann und Assistent Joachim Löw, EM-Teilnahme 2008 unter Trainer Löw, 33 Länderspiele. Karriereende 2012, danach zweijähriges Trainee-Programm bei Werder.

Und dann war da in Mark Verstegen ein Fitnesscoach, der aussah wie ein US-Marine. Natürlich waren wir da am Anfang etwas verunsichert. Doch das hat sich ganz schnell gelegt, das Vertrauen wuchs von Tag zu Tag. Heute kann man festhalten: Was Jürgen eingeführt hat, war für den Fußball revolutionär und wegweisend. Inzwischen ist das Standard bei fast jeder Nationalmannschaft. Klinsmann hat auch dafür gesorgt, dass wir nicht mehr in Sportschulen auf dem Land, sondern in den besten Hotels in den Großstädten untergebracht wurden. Er hat uns viele Freiheiten gegeben, damit wir uns ablenken konnten. Aber er hatte auch ein gutes Gespür, wann er einschreiten musste. Als sich einige Spieler bei der WM 2006 vor dem Polen-Spiel ein Auto geschnappt hatten oder rausgegangen waren, um einen Kaffee zu trinken, hat ihm das gar nicht gepasst.

Da gab es eine deutliche Ansprache. Denn Jürgen wollte unbedingt Weltmeister werden, darauf war er total fokussiert. Dementsprechend hat er uns motiviert. Natürlich ist das eine große Stärke von ihm. Aber es war damals nicht so, dass Jürgen nur der Motivator war und Joachim Löw der Taktiker. Das Trainerteam hat sich in allem perfekt ergänzt. Als Jürgen nach der WM ging, hat Joachim Löw zwar viel übernommen, wie zum Beispiel das Athletik-Programm, aber auch seinen eigenen Stil eingebracht. Jogi ist einfach ruhiger, und er legt viel Wert auf einen schönen, eleganten und schnellen Fußball. Man kann sagen: Jürgen hat den ersten Schritt gemacht, Jogi dann den zweiten, dritten und jetzt den vierten. Ihm fehlt eigentlich nur der Titel. 2010 war er ganz nah dran, hoffentlich gelangt er diesmal ans Ziel. Die USA wird ihn dabei nicht aufhalten, da bin ich mir sicher.

Aber Klinsmann wird alles, wirklich alles tun, um den Deutschen Probleme zu bereiten. Er wird seine Spieler so heiß und gallig machen, dass sie mit Blut in den Augen auflaufen werden. Und er wird auf Sieg spielen. Denn Amerikaner können nur auf Sieg spielen, für sie zählt ein zweiter und dritter Platz nichts. Löw wird auch auf Sieg spielen. Er wird seine Spieler ebenfalls motivieren, aber anders. Ruhiger und mit vielen Informationen über den Gegner. Er hat da in Chefscout Urs Siegenthaler einen absoluten Fachmann an seiner Seite. Löw wird im Mittelfeld weiterhin auf Philipp Lahm setzen. Das ist absolut richtig. Es ist eine Frechheit, einen der intelligentesten Spieler dieser Welt infrage zu stellen, nur weil er mal einen Fehler gemacht hat. Bei Philipp fällt das eben besonders auf, weil er sonst kaum Fehler macht. Ich würde Lahm und Schweinsteiger als Sechser spielen lassen.

Denn Khedira ist noch nicht spielfit genug. Vorne wünsche ich mir Miro Klose, dann gewinnen wir auch 3:1. Ein abgesprochenes Unentschieden wird es jedenfalls nicht geben. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Trotzdem kann es unentschieden ausgehen. Wenn beide Mannschaften nach 75 intensiven Minuten merken, dass sie sich egalisieren, dann wird intelligent gespielt, also das Risiko minimiert. Dann agiert man so, dass man nicht in einen Konter läuft und sich keine unnötigen Freistöße mehr einhandelt. Das wäre auch keine Schande, sondern die pure Vernunft nach einem zuvor packenden Spiel.

Gast-Kommentar von Tim Borowski

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