Frankreich: Erst Skandal-Team, nun Geheimfavorit

Warschau - Bei der WM 2010 sorgte die Nationalmannschaft von Frankreich durch ihr peinliches Verhalten für einen Skandal. Zwei Jahre später gehört die Equipe Tricolore zu den EM-Geheimfavoriten.

Harmonie statt Skandal, Rückendeckung statt Beschimpfung, Erfolgsserie statt Blamage: Zwei Jahre nach der Schande von Südafrika hat die französische Fußball-Nationalmannschaft ihren arg ramponierten Ruf wieder kräftig aufpoliert und mit ihrem Auftreten auf und außerhalb des Platzes die Rolle des EM-Geheimfavoriten übernommen. Die Grande Nation ist wieder ein bisschen stolz auf „Les Bleus“, nachdem Franck Ribéry und Co nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2010 und den skandalösen Begleitumständen noch mit Hohn und Spott überhäuft worden waren.

Franck Ribéry beim Testspiel gegen Serbien Laurent Blanc hat die Mannschaft wieder zu einer Einheit geformt. „Die Gruppe entwickelt sich sehr gut“, erklärte der Trainer. 20 Spiele ungeschlagen - so lautete die bemerkenswerte Bilanz vor der EM-Generalprobe am Dienstagabend gegen Estland. So eine Serie weckt naturgemäß Erwartungen. „Es ist an der Zeit, Titel zu gewinnen“, sagte Verbandspräsident Noel Le Graet vor der am Freitag beginnenden EURO in Polen und der Ukraine.

Franck Ribéry beim Testspiel gegen Serbien

Zwar ist der Weltmeister von 1998 von seinem spielerischen Glanz vergangener Zeiten noch ein Stück entfernt, doch die Mannschaft ist sich inzwischen ihrer Verantwortung bewusst. Man habe aus den Ereignissen vor zwei Jahren gelernt. Es gebe daher eine zusätzliche Verantwortung, so Florent Malouda von Champions-League-Sieger FC Chelsea.

Die beliebtesten Fußballclubs Europas

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Der beliebteste Fußballclub Europas ist mit 44,2 Millionen Fans der FC Barcelona. © dpa
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Nur knapp dahinter folgt Real Madrid mit 41 Millionen Fans. © dpa
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Mit 37,6 Millionen Fans landet Manchester United auf dem dritten Podestplatz. © dpa
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Platz Vier: Der FC Chelsea hat 25,6 Millionen Fans. © dpa
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Den höchsten Anhänger-Zuwachs hatte im vergangenen Jahr UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg mit 8,6 Millionen auf insgesamt 23,9 Millionen. Damit landet Petersburg auf Platz fünf. © ap
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Platz Sechs geht mit 23 Millionen Fans an den FC Liverpool. © ap
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Arsenal London platziert sich mit 21,3 Millionen Fans auf Platz sieben. © dpa
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Der AC Mailand schafft es auf den achten Rang (21 Millionen Fans) © ap
Der erste und einzige deutsche Club unter den Top 20 ist der FC Bayern München mit 19,8 Millionen Fans.
Der erste und einzige deutsche Club unter den Top 20 ist der FC Bayern München mit 19,8 Millionen Fans. © dpa
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Platz 10: Juventus Turin hat 17,5 Millionen Fans. © ap
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ZSKA Moskau landet mit 11,1 Millionen Anhängern auf Platz 11. © dpa
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Platz 12: Inter Mailand mit 10,3 Millionen Fans. © dpa
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Olympique Lyon darf sich über 9,4 Millionen Anhänger freuen. © dpa
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Ebenfalls 9,4 Millionen Fans hat Olympique Marseille. © ap
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Galatasaray Istanbul hat 9 Millionen Fans und landet somit auf Platz 15. © ap
Platz 17: Fenerbahce Istanbul (7,3 Millionen Anhänger)
Platz 17: Fenerbahce Istanbul (7,3 Millionen Anhänger) © ap
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Ajax Amsterdam hat ebenso wie Wisla Krakau 6,5 Millionen Fans und landet damit auf Platz 18. © dpa
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Der nächste deutsche Club in der Rangliste ist Werder Bremen. Mit 3,3 Millionen Fans landen die Bremer auf Rang 22. © dpa
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Der Hamburger SV belegt Platz 28 mit 3,3 Millionen Fans. © dpa
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Borussia Dortmund kommt knapp hinter dem Hamburger SV mit 3,1 Millionen Fans. © dpa
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FC Schalke 04 kommt auf Rang 33. © dpa
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Malouda weiß, worüber er spricht. Er bezichtigte die Verbandsspitze 2010 der Lüge, zudem war Malouda maßgeblich an der Spielerrevolte nach dem Rauswurf von Nicolas Anelka beteiligt. In der Heimat lösten die Geschehnisse eine Welle der Empörung aus. „Diese Narbe wird ewig bleiben“, sagte der 46-jährige Blanc. Doch sie ist inzwischen nicht mehr so deutlich spürbar.

Nachdem sogar UEFA-Präsident und Frankreichs Fußball-Idol Michel Platini die Spieler als „Nieten“ und „Blödmänner“ bezeichnete, fand die Equipe Tricolore mit dem neuen Trainer Blanc wieder in die Erfolgsspur. Das Selbstbewusstsein ist beim zweimaligen Europameister (1984 und 2000), der im EM-Quartier Donezk optimale Bedingungen vorfindet, zurückgekehrt. „Ich habe das Gefühl, dass wir ein Riesending schaffen können“, meinte Ribéry.

Der Topstar des deutschen Rekordmeisters Bayern München wirbelte zuletzt bei den Franzosen voller Spielfreude auf dem linken Flügel. In Karim Benzema (Real Madrid) und Shootingstar Olivier Giroud (Montpellier) hat Blanc zudem im Angriff die Qual der Wahl. Zu welchen Leistungen die Franzosen an guten Tagen fähig sind, zeigten sie zu Beginn des EM-Jahres beim 2:1-Erfolg über Deutschland in Bremen.

Der als Abwehrchef einst als „Le President“ geadelte Blanc spielt die Erwartungen vor den Gruppenspielen gegen England, Co-Gastgeber Ukraine und Schweden aber herunter. „Die Leute wollen, dass wir in nur 15 Monaten ein tolles Team mit tollen Spielern haben und spielen wie die Niederlande, Spanien oder Deutschland. Das ist unmöglich“, sagte Blanc, der mit seiner Mannschaft zuletzt am 3. September 2010 verlor (0:1 gegen Weißrussland). Doch auch wenn der ganz große Wurf nicht gelingen sollte, die Schande von Südafrika darf sich nicht wiederholen.

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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