"Er ist ein Stimmungsspieler"

Rätsel Ribéry: Was ist nur mit ihm los?

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Franck Ribéry am Ball gegen Real Madird.

Madrid - Im direkten Duell mit Cristiano Ronaldo hätte Franck Ribéry zeigen können, dass er den Titel des Weltfußballers 2013 verdient gehabt hätte. Doch der Bayern-Star kam erneut nicht in Tritt.

"Um gegen Real Madrid eine Chance zu haben, brauchen wir Franck Ribéry in bester Verfassung." Das sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor dem Halbfinal-Hinspiel in der spanischen Hauptklub der Sport Bild. Er war sich sicher: "Der Franck Ribéry, der am Mittwochabend auf dem Platz steht, wird ein anderer sein als der, den wir in Braunschweig gesehen haben." Doch Rummenigge wurde enttäuscht. Auch beim Spiel im Estadio Santiago Bernabeu (0:1) platzte der Knoten beim Franzosen nicht. Das Bemühen konnte man ihm nicht absprechen, doch klappen wollte bei ihm nicht wirklich viel.

Als Franck Ribéry zusammen mit Ehefrau Wahiba nach Mitternacht den Bankettsaal betrat, gab es aufmunternden Beifall für den Franzosen. Das konnte der sensible Bayern-Star gut gebrauchen. Beim Duell mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo war "Europas Fußballer des Jahres" zuvor weit hinter den Erwartungen geblieben. Keine Überraschungsmomente, keine Geniestreiche, keine Tempo-Dribblings - nach dem 0:1 (0:1) im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid stellte sich die Frage: Wo ist Ribérys Leichtigkeit hin?

Diese Wahrnehmung beruht natürlich auch etwas darauf, dass von Ribéry grundsätzlich überragende Leistungen erwartet werden. Die Messlatte legte er selbst durch entsprechende Vorstellungen so hoch. Da fällt selbst eine durschnittliche Leistung in die Kategorie "schwach".

Arjen Robben sprang seinem Kollegen nach der 0:1-Pleite zur Seite. "Man kann mal ein Spiel nicht so gut spielen", sagte er am Mikrofon von Sky. "Er hat so viele gute Spiele für uns gemacht. Auch heute war er gut, hat ein ordentliches Spiel gemacht. Wir brauchen nicht anfangen mit Einzelspielern. Wir brauchen alle. Nächste Woche werden wir mit Franck richtig angreifen." Doch auch der Holländer räumt ein, was Rummenigge bereits sagte: "Wir brauchen ihn."

Bezeichnend: Als der FC Bayern in der Schlussphase am gefährlichsten war, stand Instinktfußballer Ribéry nicht mehr auf dem Platz. Fast zeitgleich mit Ronaldo war der 31-Jährige in der 72. Minute ausgewechselt worden. Der Portugiese, nach Verletzung noch lange nicht bei 100 Prozent, hatte nicht spektakulär gespielt, aber bei der Vorbereitung des Tores von Karim Benzema überaus effektiv mitgewirkt. Er wurde wie der für ihn gebrachte Gareth Bale von der heimischen Kulisse entsprechend lautstark bejubelt. Ribéry musste hingegen gellende Pfiffe im Bernabeu-Stadion ertragen. Schnell verdrückte er sich auf die Bank, flugs entschwand er nach dem Schlusspfiff zum Mannschaftsbus. Auf dem Weg aus dem Stadion sprach der Franzose kein Wort.

"Wir sind keine Maschinen", warb der Fanliebling zuletzt um Verständnis. "Ich bin 31 Jahre alt, manchmal braucht man ein bisschen Pause." Aber dafür ist die entscheidende Phase der Saison ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt.

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"Schwer zu sagen, was ihn bedrückt"

"Franck ist ein Stimmungsspieler", erklärte sein früherer Mitspieler und derzeitige ZDF-Experte Oliver Kahn. "Franck ist sehr stark abhängig von der Stimmung, auch von der Emotionalität. Sehr schwer zu sagen, was ihn momentan bedrückt."

Ob ihm der dritte Platz bei der Weltfußballer-Wahl hinter Ronaldo und Lionel Messi zu schwer zugesetzt hat? "Natürlich ist das für so einen sensiblen Spieler nicht einfach. Aber irgendwann muss ich das als Profi abhaken können", betone Kahn.

Der frühere Nationaltorhüter erinnerte an den Pass von Ribéry beim Champions-League-Sieg vor einem Jahr auf Torschützen Robben. Genau solche Aktionen sind es, die dem Spiel der Bayern derzeit schmerzhaft fehlt. "Er ist derjenige, der den großen Unterschied in so einer Mannschaft ausmachen kann", hob Kahn hervor. Robben sei von Madrid am Mittwoch "sensationell" aus dem Spiel genommen worden, Ribéry "einfach nicht in der Form".

Ohne die beiden würde das "Spiel nicht vollstreckt", erklärte der TV-Experte. "Franck ist sehr, sehr wichtig für uns", hatte Trainer Pep Guardiola schon nach der enttäuschenden Darbietung des Franzosen in Braunschweig gesagt. "Vielleicht war er heute nicht gut, aber er spielt immer mit Herz." Und genau das braucht der FC Bayern im Rückspiel am kommenden Dienstag.

fw / dpa

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