Guardiola rückt davon schon ab

Falsche Neun überhaupt die richtige Wahl?

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Mario Götze (r.) mühte sich gegen Italien ab

München - Mario Götze versuchte sich in der DFB-Auswahl als einziger Angreifer, kam gegen die resoluten Italiener aber nicht so richtig zum Zug. Beim FC Bayern rückt inzwischen sogar Pep Guardiola vom System mit einer „falschen Neun“ ab.

Ist die „falsche Neun“ die richtige Wahl? Die Taktik ohne echten Stürmer sorgt sieben Monate vor der WM wieder einmal für Diskussionen, nachdem die Variante mit Mario Götze in vorderster Front beim 1:1 in Mailand gegen Italien wenig Wirkung gezeigt hatte.

Am Dienstag (21.00 Uhr/ARD) im Klassiker in London gegen England wird Bundestrainer Joachim Löw möglicherweise wieder umstellen und in Abwesenheit der verletzten Torjäger Miroslav Klose und Mario Gomez auf Max Kruse setzen. Der Gladbacher ist der einzige nominelle Angreifer im Kader der DFB-Auswahl.

Zuletzt war bereits Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola, einst beim FC Barcelona ein heißer Verfechter der Philosophie, vom System ohne klassischen Angreifer abgerückt. „Wir sind besser mit einem echten Stürmer. Das passt besser zum FC Bayern“, sagte der Spanier unlängst.

Auch zur DFB-Auswahl passt dies wohl besser, wie nicht nur das Länderspiel in Mailand aufzeigte. „Wir waren nicht so oft im Strafraum, wie wir es wollten. Es ist schwer zu sagen, ob es daran lag, dass wir keinen Stürmer hatten“, sagte Thomas Müller zur Taktik in San Siro. Man müsse daran „noch ein bisschen feilen“.

Auch Löw war vom Offensivspiel seines Teams nicht sonderlich überzeugt. „Vorne hatten die Spieler sehr viel Arbeit, sie mussten das Geschehen von unserem Tor weghalten. Wir hatten zwar ein spielerisches Übergewicht, es ist uns aber nicht so gelungen, in den Sechzehner einzudringen. Da hätten wir insgesamt mehr machen müssen“, urteilte der 53-Jährige.

Explizit Kritik an Götze wollte er nicht üben. Doch der 21-Jährige stand gegen die resoluten Italiener oft auf verlorenem Posten. Torgefahr strahlte der Münchner überhaupt nicht aus, auch sonst konnte er wenig Akzente setzen. Bezeichnenderweise fiel das einzige Tor der deutschen Elf nach einer Standardsituation, und dies auch noch durch Verteidiger Mats Hummels (8.).

Kapitän Philipp Lahm tat sich mit einer Einschätzung über die Taktik ohne echten Stürmer ebenso wie Müller schwer. „Miro und Mario sind verletzt, da haben wir nicht so viele Optionen. Zuletzt in Frankreich hat dies in der Schlussphase gut funktioniert“, äußerte der 30-Jährige, räumte aber ein, dass man in diesem System „nicht hoch in den Strafraum spielen kann“.

Ob dies auch eine Variante für die in sieben Monaten beginnende WM in Brasilien sein könnte, werde man sehen, führte Lahm weiter aus: „Das ist auch vom Gegner abhängig - kommt man über Flanken oder kann man sich durch die Mitte spielen.“

Götze, der sich nach langer Verletzungspause schwer tut, die Leichtigkeit in seinem Spiel zurückzugewinnen, wollte auf die Diskussionen nicht eingehen. „Man sollte dies nicht so an den Positionen festmachen. Wir sind flexibel. Es müssen nur die Räume besetzt sein“, sagte der 21-Jährige lapidar.

In der 60. Minute war für Götze Schluss, dann kam der zuletzt grippekranke Mesut Özil. Doch auch der Star vom FC Arsenal mühte sich in vorderster Front im Wechsel mit Marco Reus und Müller vergebens, die italienische Defensive ins Wanken zu bringen. Özil, Müller und Reus sind neben Götze auch die Akteure, die für Löw die Rolle der „falschen Neun“ ausfüllen können.

Diese 32 Teams sind bei der WM dabei

Neymar
Die WM 2014 in Brasilien rückt immer näher. Verschaffen Sie sich hier einen Überblick, welche Teams dabei sind:Der Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar ist gesetzt und musste keine Qualifikation spielen. © dpa
Andrea Pirlo
Aus Europa hat sich Italien, der Weltmeister von 2006, qualifiziert. Andrea Pirlo ist der Schlüsselspieler der Südeuropäer. © dpa
Arjen Robben
Die Niederlande verloren 2010 des WM-Endspiel gegen Spanien. Der Vize-Weltmeister mit Bayerns Superstar Arjen Robben hat 2014 die Chance auf Revanche. © AFP
van Buyten
Zum ersten Mal seit 2002 ist Belgien wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert. Daniel van Buyten (M.) und seine Team-Kollegen feierten diesen Triumph ausgelassen. © dpa
Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld führte die Schweiz zum Gruppensieg. Somit fahren die Eidgenossen zum dritten Mal in Folge zu einer WM-Endrunde. © dpa
Lahm
Philipp Lahm wird auch in Brasilien die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld führen. © dpa
Edin Dzeko
Zum ersten Mal dabei bei einer WM ist Bosnien-Herzegowina. Einen großen Anteil daran hatte Edin Dzeko von Manchester City, mit zehn Toren in der Qualifikation. © AFP
Fabio Capello
Der italienische Erfolgstrainer Fabio Capello führte Russland zur WM. © AFP
Rooney
Auch die Engländer um Wayne Rooney sind in Brasilien dabei. In einer spannenden Qualifikation setzte man sich am Ende gegen die Ukraine durch und vermied so die Play-Offs. © AFP
Xavi
Weltmeister Spanien gab sich in der Quali keine Blöße. Ob die Iberer um Xavi den Titel verteidigen können? © AFP
Messi
Der aktuell beste Fußballer der Welt wird bei der Endrunde 2014 nicht fehlen. Messi sicherte sich mit Argentinien in der Südamerika-Gruppe ein Ticket für Brasilien. © AFP
Falcao
Kolumbiens Superstar Falcao feiert den Einzug seiner Nationalmannschaft in die WM-Endrunde. © AFP
Arturo Vidal
Der Ex-Leverkusener Arturo Vidal ist mit Chile für die WM qualifiziert. © AFP
Antonio Valencia
Antonio Valencia von Manchester United sicherte sich mit Ecuador das letzte Direkt-Ticket in der Südamerika-Gruppe. © AFP
Son
Südkorea, der Gastgeber von 2002, ist auch dabei. Somit auch Leverkusens Stürmer Heung-Min Son.  © dpa
Kagawa
Japans Nationalteam um Shinji Kagawa qualifizierte sich ebenfalls.   © AFP
Robbie Kruse
Australien mit Robbie Kruse von Bayer Leverkusen freut sich auf die Endrunde in Brasilien.  © dpa
Dejagah
Ashkan Dejagah spielt inzwischen für den FC Fulham. In der WM-Quali konnte er sich mit dem Iran durchsetzen. © AFP
Klinsmann
Mit Deutschland wurde Jürgen Klinsmann 2006 WM-Dritter. In Brasilien beweist sich "Klinsi" mit den USA. © dpa
Bryan Ruiz
In der Nord- und Mittelamerika-Gruppe sicherten sich außerdem Costa Rica um Kapitän Bryan Ruiz und ... © AFP
Honduras
...Honduras die direkten WM-Tickets.Somit sind 21 von 32 Tickets für die WM in Brasilien vergeben. Die verbliebenen Plätze werden in den Play-Offs im November ausgespielt. © AFP
Auch die Super Eagles aus Nigeria sind dabei. Mit einem 2:0-Sieg gegen Äthiopien qualifizierte sich die Mannschaft zum fünften Mal für eine WM-Endrunde. © dpa (Archivbild)
Didier Drogba
Die Elfenbeinküste setzte sich in den Playoffs gegen Äthiopien durch und ist bei der WM am Zuckerhut als zweites afrikanisches Team vertreten. Im Bild: Stürmerstar Didier Drogba. © AFP
Samuel Eto'o
Kamerun mit dem ehemaligen Freiburg-Trainer Volker Finke hat sich inzwischen auch qualifiziert. Trotz einiger Eskapaden von Superstar Samuel Eto'o im Vorfeld, setzte sich die Mannschaft im Playoff-Rückspiel mit 4:1 gegen Tunesien durch (Hinspiel: 0:0) und löste das Ticket zum Zuckerhut. © AFP
Ghana setzte sich im Playoff-Duell gegen Ägypten durch. Kevin-Prince Boateng und Co. schafften damit zum dritten Mal in Serie die WM-Teilnahme. © AFP
Algerien hat sich als  fünfte und letzte afrikanische Mannschaft für die WM in Brasilien qualifiziert. Die  Nordafrikaner setzten sich gegen Burkina Faso durch. © dpa
Griechenland macht seine dritte WM-Teilnahme durch einen Erfolg im Playoff-Duell gegen Rumänen klar. © dpa
Die Kroaten setzen sich gegen Island durch - Bayerns Mario Mandzukic (l.) triff zunächst, fliegt dann aber mit Rot vom Platz. © AFP
Cristiano Ronaldo erzielte im Duell gegen Schweden alle Tore für Portugal - die Iberer fahren nach Brasilien, Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic wird kommenden Sommer nur Zuschauer sein. © dpa
Mit einem klaren 3:0-Sieg im Rückspiel gegen die Ukraine setzten sich die Franzosen um Franck Ribéry im Kampf um das WM-Ticket durch. © AFP
Mexiko (hier im grünen Trikot Oribe Peralta) ist mit dabei. © AFP
Uruguay mit Luis Suarez sicherte sich das 32. WM-Ticket. © dpa

Doch weiterhin hat die deutsche Elf bis auf die von Lahm angesprochene Schlussphase im Spiel in Frankreich im Februar (2:1) oder in den Duellen gegen die zweitklassigen Kasachen im März (3:0 und 4:1) Probleme mit der Umsetzung des Systems. „Die Tore sprechen für Miro und Mario“, meinte deshalb Toni Kroos, fügte aber auch an: „Spiele werden heutzutage im Mittelfeld entschieden. Es ist ein Option dort mehr Dominanz zu schaffen.“

sid

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