EM-Gastkommentar von Valerien Ismael

Frankreich auch dank Payet nun unberechenbarer

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Valerien Ismael

EM-Gastkommentar von Valerien Ismael - Der Auftaktsieg von Frankreich war wichtig, aber noch hat sich die Stimmung im Land nicht total geändert. So schnell geht das in Frankreich nicht. Dafür sind die Probleme zu groß. Und es sind mit den Ausschreitungen neue dazugekommen. Eine Überraschung ist das nicht.

Diese Problematik mit den Hooligans war doch bekannt. Doch die Angst vor dem Terror war so groß, dass man sich wohl zu sehr darauf konzentriert und die Hooligans dabei vergessen hat. Das muss jetzt schnell geregelt werden. Diese Leute dürfen keine Angst verbreiten und die Bühne Fußball nicht missbrauchen. Gut, dass Frankreich heute wieder spielt – und es wird einfacher als gegen Rumänien. Das liegt nicht am Gegner. Albanien ist gefährlich. Diese kleinen Fußball-Nationen haben sich enorm verbessert. Die kann man nicht mal eben so mit 3:0, 4:0 wegschießen.

Auch Rumänien, Wales und die Slowakei haben mir gefallen. Okay, Nordirland fällt da ein wenig ab. Aber die haben bis zum Umfallen gekämpft und machen es dem Gegner damit auch ziemlich schwer. Ich finde jedenfalls, dass die Aufstockung der EM absolut gerechtfertigt ist. Europa hat inzwischen so viele gute Mannschaften, um so ein Turnier mit 24 Mannschaften veranstalten zu können. Und es bleibt dabei: Es ist immer noch schwieriger, eine EM als eine WM zu gewinnen. Für Frankreich wird es gegen Albanien vor allem deshalb leichter, weil der Druck nicht mehr ganz so groß ist. Das hatten die Spieler vor dem Eröffnungsspiel offenbar etwas unterschätzt.

Es war ihnen deutlich anzusehen, sie haben viele Fehler gemacht. Außer N’golo Kante. Man hat das Gefühl, er würde schon zehn Jahre in der Nationalmannschaft spielen, dabei liegt sein Debüt keine drei Monate zurück. Gegen Rumänien war er der beste Mann auf dem Platz. Entscheidend war allerdings ein anderer: Dimitri Payet mit einer Vorlage und dem 2:1-Siegtreffer. Ich kenne ihn schon sehr lange und freue mich wirklich für ihn. Denn als junger Spieler hat er so seine Probleme mit der Disziplin gehabt.

Er ist reifer geworden. Sein Wechsel zu West Ham United hat ihm gut getan. Ich bin gespannt, wie Payet mit der nun gestiegenen Erwartungshaltung an seine Person umgehen wird. Vor dem Turnier haben alle nur von Paul Pogba gesprochen. Jetzt stehen andere im Rampenlicht. Das ist gut so, das macht Frankreich unberechenbar. Pogba hat sein Potenzial aber zumindest angedeutet. Er wird noch den Unterschied machen – vielleicht schon heute gegen Albanien.

Zur Person

Der Franzose Valerien Ismael (40), der inzwischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war in der Bundesliga für Werder Bremen (64 Spiele/acht Tore), den FC Bayern (31) und Hannover 96 (18) am Ball. Mit Werder gewann er 2004 das Double. Seine Trainerstationen: Hannover 96 II, VfL Wolfsburg II, 1. FC Nürnberg – seit 2015 wieder Wolfsburg II.

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