Deutsche Bewerbung um EM

Platini erstaunt: "2024 ist noch weit weg"

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Michel Platini freut sich über die deutsche EM-Kandidatur

Nürnberg - Auch Joachim Löw freut sich über die deutsche EM-Bewerbung, obwohl er 2024 wohl nicht mehr Bundestrainer sein wird. UEFA-Präsident Platini erinnert in der Euphorie aber daran, dass die Kandidatur recht früh kommt.

Mit seinemBewerbungs-Coup um die EM 2024 hat DFB-Chef Wolfgang Niersbach die deutsche Fußball-Euphorie weiter angeheizt und neben vielen Fans auch die Prominenz wie Joachim Löw oder Günter Netzer begeistert. Michel Platini stand hingegen ungläubig staunend im Nürnberger Messezentrum. Der UEFA-Boss konnte die Vorfreude auf ein „neues Sommermärchen“ (Niersbach) in elf Jahren nicht ganz begreifen. „Ach herrje, ich muss mich erstmal um die EM 2016 kümmern, dann um die EM 2020 und dann sehen wir mit 2024 weiter“, sagte der Franzose der Nachrichtenagentur dpa.

Bundestrainer Löw wagte hingegen schon den Blick weit in die Fußball-Zukunft. „Wenn man ein Turnier ausrichten kann, das haben wir ja 2006 alle erlebt, ist es sensationell. Von daher wären wir alle glücklich, wenn es soweit kommen würde“, sagte der DFB-Chefcoach, der allerdings nicht damit rechnet, dann noch im Amt zu sein. „Jetzt hab' ich die ersten zehn Jahre überstanden. Das ist eher unwahrscheinlich“, fügte er mit einem Schmunzeln an.

"Ideale Konstellation für den deutschen Fußball"

Niersbach wies am Freitag auf die erfolgreiche WM-Bewerbung für 2006 hin, als der DFB sogar schon 14 Jahre zuvor seine Kandidatur verankert hatte. „Das beweist, dass es richtig ist, schon jetzt den Hut in den Ring zu werfen“, betonte der ehemalige DFB-Pressechef. Jetzt sei 2024 „ein Fernziel, eine Langzeitplanung“, sagte Niersbach: „Es ist ein klares Ziel, eine Vision.“

Der Vorstoß des DFB-Chefs war zudem ein marketingtechnisch perfekt platziertes Geschenk an die Delegierten des Bundestages. Bis tief in die Nacht konnte auch an der Brazilian Cocktail Bar im Messezentrum der Frankenmetropole nicht nur über die WM 2014 am Zuckerhut, sondern auch schon über die überübernächste EM debattiert werden. „Das ist natürlich eine ideale Konstellation, in der sich der deutsche Fußball befindet“, sagte der 1972er-Europameister Netzer.

Platini konnte das Szenario mit Zufriedenheit registrieren. Die UEFA muss sich um ihr auf 24 Teams aufgeblähtes Mammutturnier mit Deutschland als Kandidat keine Sorgen machen. Das war auch mal anders. Platinis Pan-Europa-Event 2020 mit 13 Ländern ist genau aus dem Mangel an geeigneten Kandidaten entstanden. „Es kann mehrere starke Kandidaten geben. Aber 2024 ist noch weit weg“, sagte er nun für das folgende Championat.

Alle Weltfußballer seit 1982

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Auch beim DFB rückt die Kandidatur erstmal wieder in den Hintergrund. Frühestens 2017 wird die UEFA über das Turnier 2024 befinden. „Wo dann die einzelnen Spiele und auch das Endspiel stattfinden würden, das ist viel Kaffeesatzleserei. Da müssen wir abwarten“, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. An Spielort-Bewerbern für 51 EM-Partien wird es dem Verband nach dem WM-Rausch des Sommers 2006 sicher nicht mangeln. Sein Ziel hat Niersbach jedenfalls erreicht. Noch vor Beginn seiner neuen, dreijährigen Amtszeit als DFB-Chef hat er sein ausgeprägtes Talent für Themen der großen Fußball-Bühne eindrucksvoll bestätigt.

Andere Entscheidungen des DFB-Präsidiums werden nun erklärbar. Die deutsche Bewerbung mit München statt Berlin für die Trans-Europa-EM 2020 ist jetzt logisch. Berlin wäre im Herzen Europas ein zu starker Final-Kandidat für Platinis Europa-Turnier gewesen. Zwei EM-Endspiele in Serie sind aber nicht denkbar. Deutschland hätte also seine eigenen Pläne für 2024 vorab geschwächt.

„Wenn man sich für 2024 bewirbt, heißt das vielleicht, dass man keine Stimmen für das Finale 2020 bekommt“, sagte auch Platini. München bleiben somit aller Wahrscheinlichkeit drei Gruppenspiele und ein K.o.-Match 2020. Berlin ist sicherlich erster Anwärter auf das Endspiel 2024. Platini wartet aber ab: „Wir haben noch viel Zeit“, sagte der UEFA-Boss.

dpa

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