Drei-Klassen-Gesellschaft

Diese DFB-Spieler haben nur eine WM-Nebenrolle

+
Kevin Großkreutz, Lukas Podolski und Julian Draxler haben zwar Spaß in Brasilien, doch auf dem Platz durften sie bislang kaum, bzw. garnicht ran.

Santo Andre - Der Teamgeist wird von allen Seiten gelobt, doch sportlich hat Bundestrainer Joachim Löw bei der WM eine Drei-Klassen-Gesellschaft in seinem Kader geschaffen.

„DIE MANNSCHAFT!“ twitterte Per Mertesacker nach dem sensationellen Triumph gegen Brasilien. Es sollte vor dem Endspiel am Sonntag (21.00 Uhr MESZ/ARD) gegen Argentinien eine klare Botschaft nach außen sein: Wir halten zusammen, bei uns stimmt der Teamgeist.

Und in der Tat wird das Miteinander in der Nationalmannschaft bei der WM groß geschrieben und von allen Seiten in höchsten Tönen gelobt. Doch sportlich hat Bundestrainer Joachim Löw in den vergangenen vier Wochen in seinem 23-köpfigen Kader eine Drei-Klassen-Gesellschaft geschaffen, in der acht Spieler bislang gar nicht oder kaum zum Zuge kamen.

Kevin Großkreutz, Erik Durm und Matthias Ginter haben noch keine Minute gespielt. Dazu gesellen sich wenig überraschend die beiden Torhüter Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler. Doch auch Julian Draxler, der beim 7:1 gegen die Brasilianer wenigstens noch in der Schlussphase für 14 Minuten ran durfte, und Christoph Kramer (zwölf Minuten bei zwei Einsätzen) sowie sogar der 116-malige Nationalspieler Lukas Podolski spielten bislang nur eine Nebenrolle.

Arsenal-Profi Podolski (29) hatte sich sein sechstes Turnier sicher ganz anders vorgestellt. Bisher brachte ihn Löw zweimal: einmal davon acht Minuten zum Auftakt gegen Portugal und einmal gegen die USA von Beginn an, wechselte ihn aber zur Pause wieder aus. Seitdem ist Poldi eine Art Twitter-Beauftragter der DFB-Auswahl und für die gute Laune zuständig. Nicht einfach für einen, der vor allem sportlich im Mittelpunkt stehen wollte.

Auch die Dortmunder Großkreutz und Durm sowie der Schalker Jungstar Draxler hatten sich von ihrer ersten WM sicher mehr versprochen. Zumal gerade die beiden BVB-Profis noch vor dem Turnier als ernsthafte Alternativen eingestuft wurden. Auch der Bundestrainer hatte noch vor dem WM-Start betont, wie wichtig jeder Einzelne sein würde: Er habe „keine Stammspieler, sondern 23 WM-Teilnehmer, die alle in jeder Sekunde in Alarmbereitschaft sein müssen.“

Die Realität sieht ein klein wenig anders aus. Löw fand schnell seinen Stamm um Kapitän Philipp Lahm, Manuel Neuer, Thomas Müller und Mats Hummels und dazu noch ein paar „Spezialkräfte“, wie er seine Einwechselspieler gerne einmal nennt.

Schuhticks & Zweitwagen - die Geheimnisse der deutschen Kicker

Schuhticks & Zweitwagen - die Geheimnisse der deutschen Kicker

Dazu zählt in erster Linie Andre Schürrle, der auch gegen Brasilien mit seinen zwei Treffern seine Joker-Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mario Götze gehört dazu, und seit dem Viertelfinale Mertesacker. Gegen Frankreich war der 29-Jährige der veränderten Taktik von Löw zum Opfer gefallen, gegen Brasilien kam er zur Pause für den angeschlagenen Hummels ins Spiel.

Er habe „14, 15 Spieler, die ich bringen kann“, hatte Löw nach dem Algerien-Spiel ziemlich offen gesagt. Und der Rest der Truppe? Der trainiert fleißig, macht gute Miene zum ungewohnten Spiel und sorgt von der Bank aus für gute Stimmung.

Großkreutz, Durm und Ginter sind so vor dem Finale auf jeden Fall noch Kandidaten für den Günter-Hermann-Gedächtnis-Preis. Der 53 Jahre alte Ex-Bremer wurde 1990 Weltmeister, ohne eine Sekunde gespielt zu haben - und gilt seitdem als Inbegriff des WM-Touristen.

Vor vier Jahren in Südafrika, als die deutsche Mannschaft einschließlich des Spiels um Platz drei auch auf die Maximalzahl von sieben Begegnungen gekommen war, blieb nur Torwart Tim Wiese ohne Einsatz. Bei der Heim-WM 2006 traf es in Timo Hildebrand ebenfalls einen Torwart.

SID

Kotzlichkeiten und dicke Tränen: Zwölfter Dschungel-Tag in Bildern

Kotzlichkeiten und dicke Tränen: Zwölfter Dschungel-Tag in Bildern

Eröffnung der Klostermühle in Heiligenberg

Eröffnung der Klostermühle in Heiligenberg

Arnold Schwarzenegger fährt Elektro-Auto

Arnold Schwarzenegger fährt Elektro-Auto

Abschied von Roman Herzog: "Geschenk für unser Land"

Abschied von Roman Herzog: "Geschenk für unser Land"

Meistgelesene Artikel

Hoeneß berichtet erschütternde Details aus seiner Knast-Zeit

Hoeneß berichtet erschütternde Details aus seiner Knast-Zeit

Google-Panne: Bild von Fußballer Broich wird zum viralen Hit

Google-Panne: Bild von Fußballer Broich wird zum viralen Hit

Wolfsburg gewinnt Nordderby - auch Leipzig feiert Dreier

Wolfsburg gewinnt Nordderby - auch Leipzig feiert Dreier

FIFA plant weitere dramatische Reformen

FIFA plant weitere dramatische Reformen

Kommentare