Kampf dem Schwarzmarkt

Kommt im Sommer die DFL-Ticketbörse?

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Frankfurt/Main - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) plant eine eigene Ticketbörse, um den Schwarzmarkt trockenzulegen. Diese zentrale Lösung finden einige Verein "höchst interessant".

Horrende Kartenpreise und zwielichtige Ticket-Dealer im Internet erzürnen seit Jahren Fans und Vereine gleichermaßen - im Sommer könnte die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Entscheidung für ein eigenes, offizielles Angebot auf dem Markt treffen. „Wir haben eine Umfrage unter den 36 Profiklubs gestartet. Demnach sieht die Mehrheit die Notwendigkeit, über eine zentrale Zweitmarktlösung nachzudenken“, sagte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig dem Handelsblatt.

Bislang fehlt für den Wiederverkauf von Eintrittskarten für die Bundesliga oder internationale Partien der gemeinsame Nenner. Zahlreiche Ticketbörsen verschachern beispielsweise nicht genutzte Dauerkarten halbseriös oder komplett schwarz zu einem Vielfachen des eigentlichen Preises - hollywoodreiche Übergaben in dunklen Ecken in Stadionnähe inklusive. Auch in anderen Profiligen gehört das (leider) zum Alltag.

„Wenn es eine überzeugende zentrale Ticketbörse gäbe, wäre dies ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Schwarzmarkts“, sagte Rettig. Gewerbliche Trittbrettfahrer sollen so davon abgehalten werden, die in der Bundesliga bewusst sozialverträglich gesetzte Preisstruktur auszuhebeln. „Fairness sollte vor Gewinnmaximierung stehen“, sagte Rettig: „Die Liga braucht faire Preise für Fans.“

Ende Januar kommt laut Handelsblatt eine Projektgruppe zusammen, um übergreifende Spielregeln für den Weiterverkauf zu erarbeiten. Diese sollen dem Ligavorstand im Sommer zur Entscheidung vorgelegt werden. „Es ist vernünftig, dass sich die Bundesliga jetzt in diesen Prozess einbringt“, sagte Carsten Cramer, Marketingdirektor bei Vizemeister Borussia Dortmund: „Wir können den Fans die Ticketweitergabe nicht immer nur verbieten, ohne dauerhaft eine Alternativlösung anzubieten.“

In die Schlagzeilen geraten war zuletzt häufiger das in der Schweiz registrierte Unternehmen Viagogo, das mit lukrativen Verträgen die Weiterverkaufsrechte bei einigen Klubs erworben hatte. Unter anderem die Anhänger von Schalke 04 waren dagegen auf die Barrikaden gegangen („ViaNogo“), die Königsblauen kündigten noch vor Saisonbeginn den angeblich mit 3,6 Millionen Euro dotierten Dreijahresvertrag fristlos, weil die Online-Börse sich nicht an die Vertragsbedingungen gehalten habe.

Die Schalke-Tickets werden seit Ende Januar wieder auf der vereinseigenen Plattform angeboten. Auch Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt entwickelt laut kicker eine interne Ticketbörse für Inhaber von Dauer- und Tageskarten, die einer gemeinsamen Lösung durch die DFL aber nicht im Weg stehen würde. „Eine vereinsübergreifende Plattform für die Spiele aller 36 Profiklubs ist höchst interessant“, sagte Eintracht-Finanzvorstand Axel Hellmann: „Und sie käme den echten Fans entgegen, die kein dickes Geschäft machen wollen, wenn sie ihre Karte einmal nicht nutzen können.“

Juristische Mittel gegen Viagogo bereitet aktuell der Tabellenvierte Borussia Mönchengladbach vor. „Wir wollen jedem Fan die Möglichkeit geben, hier zu den normalen Eintrittspreisen, solange Karten verfügbar sind, ins Stadion zu kommen. Da brauchen wir keine Agenturen oder Zwischenhändler, die Karten künstlich verknappen und sie zu maßlos überteuerten Preisen an die teilweise verzweifelten Fans geben“, sagte Geschäftsführer Stephan Schippers im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland.

Vor dem Spiel gegen Klub-Weltmeister Bayern München am Freitagabend (0:2) wurde die günstigste Karte bei Viagogo für 454 Euro gehandelt - zehnmal mehr, als die teuerste Karte im regulären Verkauf kostete. Die Begegnung im Borussia-Park war mit 54.010 Zuschauern seit Wochen ausverkauft.

SID mj rd

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