Pokalverlierer geknickt

Stuttgart: Komplimente zur "Bombenleistung"

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Der Anschlusstreffer hauchte den Stuttgartern noch einmal Leben ein.

Berlin - Déjà-vu für den VfB Stuttgart. Wie auch 2007 verlieren die Schwaben das DFB-Pokal-Finale mit 2:3. Diesmal allerdings gegen den FC Bayern. Der Außenseiter brachte den Riesen ins Wanken.

Mitten im Herzen der Hauptstadt schöpfte der VfB Stuttgart neuen Mut. „Aus diesem einen Spiel kannst du viel für die neue Saison ziehen“, resümierte Sportdirektor Fredi Bobic beim Bankett in einer Berliner Event-Location am Potsdamer Platz. „Sie haben einen großen Kampf geliefert. Die Mannschaft besitzt eine unglaubliche Mentalität“, betonte Bobic nach der bitteren 2:3-Niederlage im DFB-Pokal-Finale gegen Triple-Sieger FC Bayern München.

In den Stunden nach dem Pokal-Kampf am Samstagabend mussten die Schwaben in dem still gelegten U-Bahnhof allerdings auch intensive Trauerarbeit verrichten. Das erlebten auch Ehrengäste wie Daimler-Vorstandsboss Dieter Zetsche. Tief saß der Frust, unerwartet nah war der VfB Stuttgart in seinem sechsten Cup-Endspiel am vierten Gewinn des goldenen Potts dran gewesen.

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, urteilte Bruno Labbadia nach seiner zweiten Final-Niederlage als Trainer. „Dennoch hat sich meine Mannschaft ein Riesenkompliment mehr als verdient. Sie gibt nie auf, das hat sie schon die gesamte Saison über gezeigt.“

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Mit Lob konnte Flügelflitzer Ibrahima Traoré nur wenig anfangen. „Nein, ich bin nicht stolz“, sagte der 25-Jährige. „Ich wäre stolz, wenn wir gewonnen hätten.“ Christian Gentner meinte ebenfalls niedergeschlagen: „Momentan ist das ein ätzendes Gefühl. Wir stehen mit leeren Händen da, das ist brutal. Die Akkus sind leer.“

Knackpunkt waren für Labbadia die individuellen Fehler, die der FC Bayern „immer wieder gnadenlos“ ausnutzt. Seine Mannschaft habe aber „ein großes Herz“ und „eine große Bereitschaft“ gezeigt. Dem stimmte Bobic zu. „Sie gibt nicht auf, auch wenn sie am Boden liegt. Darauf lässt sich aufbauen“, sagte er. „Das war eine Bombenleistung.“ Und der wiedergenesene Cacau war sich sicher: „Das ist ein Erlebnis, das die Spieler nach vorne bringen wird.“

Respekt zollte auch der Gegner. „Ein großes Kompliment an den VfB Stuttgart. Sie haben die Zeit genutzt, sich fit gemacht und uns das Leben schwer gemacht“, bilanzierte Münchens Sportvorstand Matthias Sammer, der früher selbst für die Schwaben als Spieler und Trainer aktiv gewesen war. „Es war ein würdiges Endspiel.“

Den goldenen Konfettiregen durfte dennoch der FC Bayern genießen. Zum Abschied von Trainer Jupp Heynckes machten vor 75 420 Zuschauern im Olympiastadion Thomas Müller (37. Minute/Foulelfmeter) und der ehemalige Stuttgarter Mario Gomez (48./61.) den 16. Pokalsieg der Vereinsgeschichte perfekt. Bis zuletzt jedoch hatte es ihnen der hingebungsvolle VfB schwer gemacht. Der Doppelpack von Martin Harnik (71./80.) reichte aber nicht.

Beim Bankett wollte auch der Österreicher seine schlechte Laune nicht verbergen. „Wir haben uns gut aus der Affäre gezogen, aber letztlich ist es enttäuschend. Dementsprechend ist meine Stimmung“, meinte Harnik an einer Bar lehnend. Der VfB war so nah dran gewesen - zumindest an der Verlängerung. „Wenn man am Pokal schnuppert, macht das die Sache noch grausamer.“ Harnik war sich zugleich jedoch sicher: „Wir können in näherer Zukunft stolz darauf zurückblicken." Trotzdem sei die Saison, nüchtern betrachtet, nicht die beste gewesen, wie er anmerkte. "Wir waren viel zu inkonstant, haben zu viele Spiele hergeschenkt, die wir hätten gewinnen müssen“, sagte der österreichische Nationalspieler.

Das soll sich nun aber alles ändern. Allen voran Bobic kämpft darum, den VfB als ein Hochglanzprodukt darzustellen, das nur ein bisschen verstaubt war. Penetrant weist er seit Wochen darauf hin, dass sich Verein und Mannschaft nach einem Jahr, in dem Sparzwang herrschte, nun weiterentwickeln müssten. Fünf neue Spieler hat er bereits geholt für die neue Saison, sie kamen ablösefrei, weitere sollen folgen - und sie dürfen auch Geld kosten. Bobic ist derzeit so etwas wie die gelebte Aufbruchsstimmung des VfB.

Er will in allen Bereichen verbessern, und dazu benötigt er vor allem sportlichen Erfolg. Der wiederum setzt voraus, dass der Aus- und Umbau der Mannschaft gelingen und die Transfers sitzen. „In der neuen Saison wollen wir dann auch in allen Wettbewerben konstant durchspielen. Das ist das Ziel, das wir haben“, sagte er. Angeblich ist Bobic derzeit unter anderem auch hinter Moritz Leitner (Borussia Dortmund), Moa Abdellaoue, Didier Ya Konan (beide Hannover 96) und Pierre-Michael Lasogga (Hertha BSC) her.

Obwohl die Bayern einen eher durchwachsenen Tag erwischten, ließ gerade der hochkarätige Gegner die Niederlage etwas erträglicher erscheinen. „Die Chance war heute riesig, wir waren immer wieder dran“, analysierte Kapitän Serdar Tasci das 70. Cup-Endspiel. „Man muss klar sagen, dass der FC Bayern die Übermannschaft ist.“

Mit dem Stolz, dem überragenden FC Bayern alles abverlangt zu haben, will der VfB nun die kommende Spielzeit angehen. „Wir haben uns eine ganz gute Basis erarbeitet“, sagte Labbadia tapfer. Er wünsche sich, „dass Zuschauer und Mannschaft das einfach mitnehmen und mit einem positiven Gefühl in die neue Saison kommen.“ Dank des frischen Muts auf der Hauptstadt.

dpa

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