Unentschieden in Mailand

Schade, Jogi! (Noch) keine Revanche gegen Italien

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Der Italiener Daniel Osvaldo (l.) im Zweikampf mit DFB-Spieler Benedikt Höwedes.

Mailand - Schade, Jogi! Mit der Revanche gegen Italien für das Aus im EM-Halbfinale 2012 hat's leider nicht geklappt. In Mailand trennten sich die ebenbürtigen Gegner unentschieden.

Es bleibt dabei: Deutschland hat auch im 100. Länderspiel von Bundestrainer Joachim Löw gegen die Taktik-Füchse aus Italien nicht gewinnen können. Trotz einer 1:0-Führung und einer starken ersten halben Stunde kam die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes sieben Monate vor WM-Start nicht über ein 1:1 (1:1) gegen den viermaligen Weltmeister hinaus. Damit muss die deutsche Nationalmannschaft nach 28 Jahren weiter auf ein Erfolgserlebnis in Italien warten.

Der Dortmunder Mats Hummels hatte die zunächst dominierenden Gäste am Freitag in Mailand schon nach acht Minuten in Führung gebracht. Ignazio Abate schaffte vor 49.000 Zuschauern im nur gut zur Hälfte gefüllten Giuseppe-Meazza-Stadion noch vor der Pause den Ausgleich (28.). Am kommenden Dienstag steht im Londoner Wembley-Stadion gegen England zum Jahresabschluss der nächste Klassiker für die deutsche Elf auf dem Programm.

DFB-Revanche gegen Italien bleibt aus: Bilder des Spiels

DFB-Revanche gegen Italien bleibt aus: Bilder des Spiels

Beim Premierenauftritt in den neuen WM-Trikots hatte die deutsche Elf das Geschehen bei Teil eins des Klassiker-Doppelpacks vor der Pause lange im Griff und unterband mit effektivem Offensivpressing den Aufbau der Italiener. Auch im Spiel nach vorne gelangen vielversprechende Aktionen, doch zum ersten Sieg auf italienischen Boden seit Februar 1986 reichte es dennoch nicht.

Denn mit dem 1:1-Ausgleich nach einem Fehler des Torschützen Hummels kamen die Gastgeber ins Spiel zurück. Routinier Andrea Pirlo war plötzlich wieder der Ballverteiler, bestimmte das Tempo und praktisch alle Aktionen der Azzurri. Unter Druck kam auch die bis dahin sehr flexibel operierende zentrale Mittelformation mit Philipp Lahm, Toni Kroos und einem sehr offensiv orientierten Sami Khedira in Probleme.

Khedira nach Zusammenprall raus

Das Offensivspiel wurde auch nicht wirkungsvoller, als die zunächst geschonten Mesut Özil und Marco Reus nach gut einer Stunde ins Spiel gebracht wurden. Der für Özil aus dem Spiel genommene Mario Götze hatte bis dahin kaum Bindung zum Spiel gefunden. Mitte der zweiten Halbzeit musste der bis dahin starke Khedira nach einem Zusammenprall aus dem Spiel. Wenig Gefahr ging diesmal von Andre Schürrle aus, der zuletzt gegen Schweden als dreifacher Torschütze geglänzt hatte.

Bei ausgesprochenem Schmuddelwetter begann die 32. Auflage des Prestigeduells mit Vorteilen für die Gastgeber. Es dauerte ganze 44 Sekunden, bis Deutschland-Schreck Mario Balotelli erstmals seinen Verfolger Lahm abschüttelte, aus gut 20 Metern aber am Tor von Manuel Neuer vorbeizielte. Kaum zwei Minuten später zirkelte Pirlo einen Freistoß über den deutschen Kasten. Der erste Eckball für die DFB-Elf war wenig später Ausgangspunkt der Führung durch Hummels, der den von Toni Kroos hereingegebenen Ball per Kopf zu seinem zweiten Länderspiel-Tor verwertete. Wie stark er bei ruhenden Bällen ist, bewies der Münchner Kroos wenig später bei der nächsten Ecke, die Höwedes knapp neben das Gehäuse köpfte (11.).

Schürrle mit Lattenschuss

Der Führungstreffer gab der deutschen Mannschaft noch mehr Sicherheit. In der 17. Minute überraschte Khedira Italiens Torwart-Legende Gianluigi Buffon mit einem Aufsetzer aus gut 22 Metern, doch der Ball klatschte vom Keeper leicht berührt an den Pfosten. Aber dann erwies sich der viermalige Weltmeister einmal mehr als Meister der Effizienz und nutzte gleich seine erste Chance zum Ausgleich, als ein Abwehrschlag von Hummels zum Fehlpass wurde. Azzurri-Außenverteidiger Abate fing den Ball ab und kam nach einem spektakulären Doppelpass mit Leonardo Bonucci zum Abschluss. Gegen den Schuss in die lange Ecke war Neuer chancenlos. Die erneute Führung hatte auf der Gegenseite Schürrle auf dem Fuß, dessen Schuss die Oberkante der Torlatte streifte (32.).

Auch nach Wiederbeginn erwischte die Elf von Cesare Prandelli den besseren Start. In der 51. Minute lenkte Neuer einen Schuss von Claudio Marchisio aus spitzem Winkel zur Ecke. Sechs Minuten später gelang es Hummels nur mit Mühe, Balotelli und Ricardo Montolivo vor dem deutschen Tor am Einschuss zu hindern. Dagegen konnten die Deutschen nicht mehr die vor der Pause gezeigte Dominanz entwickeln.

Von Jens Mende und Klaus Bergmann

Die Noten der DFB-Kicker

Manuel Neuer: Konnte beim Gegentreffer nichts machen, dem Bayern-Keeper wurde von seinen Vordermännern die Sicht auf Abate versperrt. Zeigte vor allem in Hälfte zwei starke Reflexe. Note: 2

Benedikt Höwedes: Hinten stets bemüht, auf dem Weg in die Offensive aber viel zu harmlos! Note: 4

Jerome Boateng: War wie auch der Rest der Abwehr bisweilen schlecht postiert. Ansonsten hatte er Balotelli im Griff. Note: 3

Mats Hummels: Gegen den deutschen Turm hatte auch Italien kein Mittel. Sprang beim 1:0 höher als der Rest, hinten souverän. Note: 2

Marcell Janssen: Schaltete sich oft mit nach vorne ein, allerdings ohne Erfolg. Nach hinten fleißig. Note: 4

Philipp Lahm: Ließ sich gleich in Minute eins von seinem persönlichen Albtraum namens Balotelli vernaschen und fühlte sich auch sonst nicht richtig wohl. Strahlte keine Souveränität und Ruhe aus. Note: 4

Sami Khedira: Stets darum bemüht, Pirlo & Co. in den Griff zu bekommen, was gut gelang. Musste in Hälfte zwei nach einem schlimmen Foul von Pirlo verletzt vom Platz getragen werden. Sah nicht gut aus. Note: 3

ab 67. S. Bender: o.B.

Thomas Müller: Der typische Müller eben! Viel unterwegs, teilweise auch ohne Grund, aber das ist eben sein Spiel. Mal taucht er dann auf und erzielt das entscheidende Tor, gestern jedoch nicht. Note: 4

Toni Kroos: Pässchen hier, Pässchen da, aber nie der mit Risiko in die Tiefe. Ließ auf keine Genialitäten à la Özil aufblitzen, war dafür aber viel in Bewegung und sicher in der Ballverteilung. Note: 3

André Schürrle: Der Mann vom FC Chelsea hatte ohne Zweifel die schönsten Treter (orange) der DFB-Elf an, bis auf eine Bogenlampe an den Querbalken hob er sich aber auch nicht weiter ab. Höchstens bemüht. Note: 4

ab 60. Reus: o. B.

Mario Götze: Sollte vorne drin die italienische Abwehr nass machen, schwamm aber selber meistens nur herum. Ließ sich oft ins Mittelfeld fallen, wusste dann aber auch nicht so recht, was er mit der Kugel anfangen sollte. Das geht besser! Note: 5

ab 60. Özil: o. B.

 

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