Stimmung hat sich gewandelt

Deutsche sind skeptisch: Kein WM-Titel für DFB-Team

München - Skepsis macht sich breit: Nicht einmal ein Viertel der Deutschen glaubt an einen WM-Triumph des Teams von Löw in Brasilien. Für den Bundestrainer gibt es trotzdem Rückendeckung.

Von Titeleuphorie keine Spur im Land des dreimaligen Weltmeisters: Anders als Bundestrainer Joachim Löw ist der Großteil der deutschen Bevölkerung gut eine Woche vor dem WM-Auftakt nicht von der eigenen Fußball-Nationalmannschaft überzeugt. Nicht einmal ein Viertel der Deutschen (23 Prozent) glaubt mehr an den Titelgewinn des DFB-Teams beim am 12. Juni in Brasilien beginnenden Turnier. Im November 2013 waren es noch 55 Prozent - der Stimmungsumschwung ist deutlich.

„Die Erwartungshaltung ändert sich in den Wochen und Monaten“, hat Löw schon einmal gelassen betont. Nach dem komplizierten Trainingscamp und dem ernüchternden 2:2 im vorletzten WM-Test gegen Kamerun demonstrierte der 54-jährige DFB-Chefcoach weiter Optimismus: „Ich bin absolut überzeugt und optimistisch, dass wir in zwei Wochen in einer viel besseren Verfassung sind.“ Seine Landsleute sind da skeptischer.

Formschwankungen, Verletzungspech, wenig überzeugende Spiele - anders als vor einem halben Jahr beantworteten 64 Prozent die Frage nach dem vierten WM-Triumph des DFB-Teams nach 1954, 1974 und 1990 mit Nein“. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa.

Noch hat Löw selbst vor seinem vierten Turnier als Bundestrainer bei den Deutschen einen hohen Kredit. Auch wenn der Schwarzwälder wieder ohne Titel zurückkehrt, soll er im Amt bleiben. 59 Prozent und damit die klare Mehrheit stimmten auf die Frage mit einem „Ja“ ab. Nur 25 Prozent sagten dazu „Nein“. 16 Prozent legten sich nicht fest.

Der Glaube an einen siegreichen deutschen Auftakt am 16. Juni in Salvador gegen Portugal ist ebenfalls nicht gerade hoch. Weniger als die Hälfte (45 Prozent) der Befragten gehen von einem Sieg aus. Gegen die Auswahl um Weltfußballer Cristiano Ronaldo rechnen aber auch nur 21 Prozent der Befragten mit einer Niederlage; 20 Prozent vermuten ein Remis gegen das südeuropäische Team. Interessant: Die deutschen Frauen schätzen die Mannschaft um Fußball-Beau Ronaldo stärker ein als die deutschen Männer.

Groß ist die Rückendeckung nicht nur für Löw, auch dem lange verletzten Mittelfeld-Duo Bastian Schweinsteiger/Sami Khedira wird viel Vertrauen entgegengebracht. Der gerade nach einem Kreuzbandriss wiedergenesene Khedira soll zusammen mit Schweinsteiger, der am Dienstag in München mit den Vereinskollegen Philipp Lahm und Manuel Neuer trainierte, das bewährte Gespann im Mittelfeld bilden. 47 Prozent sind dafür, 25 dagegen, 29 legten sich nicht fest.

Mehr als zwei Drittel erwarten, dass sich der beim 2:2 gegen Kamerun noch geschonte Miroslav Klose zum WM-Rekordtorschützen aufschwingt. Mit bislang 14 Weltmeisterschaftstreffern liegt Klose zusammen mit Gerd Müller derzeit noch auf Rang zwei hinter dem Brasilianer Ronaldo (15 Tore). Dass Klose das fehlende eine Tor erzielen werde, trauen ihm 67 Prozent zu. 17 Prozent glauben, dass der bald 36-Jährige in Brasilien nicht trifft.

„Ich muss ganz ehrlich sagen, das ist für mich absolut zweitrangig, für mich zählt die Mannschaft“, sagte Klose mit Blick auf diese Wertung. „Wenn die Mannschaft in Fahrt kommt, werden wir guten und erfolgreichen Fußball spielen und ich werde zu Torchancen kommen. Und dann ist die logische Konsequenz, dass ich vielleicht auch das eine oder andere Tor mache.“ Erst einmal muss er aber seinen Rhythmus finden. Die nächste Chance bietet sich bei der WM-Generalprobe am Freitag in Mainz gegen Armenien. Einen Tag später reist der DFB-Tross dann ins WM-Gastgeberland.

dpa

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