Überschattet von Protesten

Brasilien dank Neymar-Traumtor im Halbfinale

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Neymar (r) freut sich zusammen mit Teamkollegen über sein Traumtor

Fortaleza - Mit einem weiteren Traumtor und phasenweise wunderbarem Samba-Fußball hat Jungstar Neymar Gastgeber Brasilien beim Confed Cup den Weg ins Halbfinale geebnet.

Überschattet von gewalttätigen Protesten in Fortaleza hat Brasilien das nächste Fußballfest gefeiert. Der fünfmalige Weltmeister steht nach dem Sieg gegen Mexiko vorzeitig im Halbfinale. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und dessen Assistenten Hansi Flick brachte die Selecao die Wut der landesweiten Proteste auf den Platz und bezwang Angstgegner Mexiko in Fortaleza 2:0 (1:0). Neymar erzielte das 1:0 per Volleytreffer (9.) und bereitete das zweite Tor durch Jo (90.+3) mustergültig vor.

Weil Vize-Europameister Italien am Abend (Ortszeit) gegen Japan 4:3 (1:2) gewann, ist Brasilien nicht mehr von einem der beiden ersten Ränge in Gruppe A zu verdrängen. Im Topspiel gegen die punktgleichen Italiener am Samstag in Salvador geht es allerdings noch um den Gruppensieg und die Frage, wer Welt- und Europameister Spanien im Halbfinale aus dem Weg geht.

Scolari: "Wir hatten ein paar kleinere Konzentrationsschwächen"

„Es ist nicht wichtig, wer die Tore schießt. Wichtig war, dass wir gut gespielt haben, für uns und unser Land. Das Publikum war wunderbar, es hat uns viel Selbstvertrauen gegeben“, sagte Neymar. Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari ergänzte: „Es war toll heute Abend hier, ich bin sehr zufrieden. Aber wir hatten ein paar kleinere Konzentrationsschwächen, die wir abstellen müssen.“

Neymar traf wie beim 3:0-Erfolg gegen Japan früh und spektakulär. Diesmal drosch er den Ball in der neunten Minute aus 14 Metern mit einer sehenswerten Direktabnahme ins Tor. Die Mannschaft von Scolari übertraf mit dem neunten Erfolg beim Confed Cup nacheinander die alte Bestmarke von Frankreich (2001/2003).

Neymar: "Ich will ein faireres und EHRLICHERES Brasilien"

Der zweite Auftritt des Rekordweltmeisters bei der „Mini-WM“ stand ganz im Zeichen der Proteste der Bevölkerung auf den Straßen. Und Neymar und Co. machten sich zu deren Sprachrohr auf dem Platz. „Ich habe hier Familie und Freunde. Ich will ein faireres und EHRLICHERES Brasilien“, teilte Neymar vor dem Spiel über das soziale Netzwerk Instagramm mit. Gegen die Mexikaner, betonte der künftige Barca-Profi, spiele er „inspiriert von der Protestbewegung“.

Das war schon bei der Hino Nacional Brasileiro zu sehen, die er und seine Kollegen ebenso lauthals mitsangen wie die 50.791 Fans im Estadio Castelao. In dessen Nähe hatte es unmittelbar vor dem Spiel erneut Demonstrationen gegeben, 15.000 Menschen waren unterwegs gewesen, die Polizei griff erneut hart durch.

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Im Stadion legte die Selecao mit Luiz Gustavo, aber erneut ohne Dante trotz 29 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ein sehr hohes Tempo vor - und Neymar belohnte sie gleich zu Beginn. Nach einer Flanke von Dani Alves wehrte Mexikos Kapitän Francisco Rodriguez den Ball per Kopf direkt zu Neymar ab, der volley links unten einschoss. Für Neymar war es der 22. Treffer im 36. Länderspiel.

Alves (14.) und Neymar (23.) hatten weitere gute Gelegenheiten. Doch hier ging es um mehr als nur Fußball. Wann immer der Ball im Aus landete oder das Spiel unterbrochen war, feuerten die Spieler ihre Fans an. Ganz als wollten sie zeigen: „Wir sind ein Volk!“

Für Neymar hatte die Begegnung eine weitere spezielle Note. Vor einem Jahr war es Mexiko, das seinen Gold-Traum im Olympia-Endspiel in Wembley zerstörte. Sieben Mexikaner von damals waren in Fortaleza dabei. Überhaupt Mexiko: „El Tri“ hatte sechs der vergangenen sieben Pflichtduelle gewonnen. Doch Neymar und Co. schien diese schwarze Serie nicht zu beeindrucken. Von Mexikos Stürmer-Star Javier Hernandez war indes lange nichts zu sehen. Hulk nach Zuspiel von Neymar und der 21-Jährige selbst (56., 65.) vergaben in der zweiten Hälfte die vorzeitige Entscheidung.

SID/dpa

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