Plötzlich bescheiden?

Balotelli in Nizza: Favres große Aufgabe mit dem "Enfant terrible"

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Balotelli und Favre: Klappt das in Nizza?

Nizza - Mario Balotelli hat den Ruf als Bad Boy weg. Jürgen Klopp konnte mit dem italienischen EM-Helden von 2012 in Liverpool nichts anfangen. Nun startet der Nationalstürmer bei OGC Nizza einen Neuanfang.

Der "Bad Boy" gab sich handzahm: Als Star-Stürmer Mario Balotelli am vergangenen Freitag beim französischen Fußball-Erstligisten OGC Nizza als Neuzugang vorgestellt wurde, trauten die Anwesenden ihren Augen nicht. Der 26 Jahre alte italienische Nationalstürmer, der normalerweise kein Fettnäpfchen auslässt und schon zig Trainer zur Weißglut getrieben hat, wirkte fast wie der beste Schwiegersohn von allen.

Nett, bescheiden, fast ohne große Allüren präsentierte er sich, feixte und lachte beim Training mit seinem neuen Teamkollegen Dante, der vom VfL Wolfsburg an die Cote d'Azur gewechselt ist. "Die Karriere, die hinter mir liegt, ist eine ganz andere, als das, was in der Presse darüber geschrieben stand", sagte Balotelli und machte klar: "Ich stelle kein Risiko dar. Ich hatte Fitnessprobleme, aber ein Risiko? Nein!"

Keine Ablöse, ein Jahr Vertrag, 4,5 Millionen Euro Gehalt

Sein neuer Trainer Lucien Favre, ein stiller, bescheidener Schweizer, der in der Bundesliga bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach glänzende Arbeit geleistet hat, steht vor seiner vielleicht größten Herausforderung. Er will Balotelli wieder in die Spur bringen - einen begnadeten Stürmer und Torjäger, der sich aber häufig selbst im Weg steht, über die Stränge schlägt und manchmal sein Luxusleben allzu sehr genießt, ohne an die harte Trainingsarbeit zu denken.

In Nizza, beim ambitionierten südfranzösischen Klub, soll "Super Mario" angeblich 4,5 Millionen Euro per annum kassieren. Zunächst erhielt er einen Einjahresvertrag, sein alter Klub FC Liverpool wollte ihn aber loswerden und ließ ihn ablösefrei ziehen.

Balotellis Berater Mino Raiola beließ es allerdings nicht dabei, sondern trat auf ziemlich unfeine Art verbal gegen Liverpools Teammanager Jürgen Klopp nach. "Dass Klopp nicht korrekt war, ist noch untertrieben: Er ist ein Stück Scheiße gewesen", sagte Raiola der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport.

Favre: "Alles hängt von seinem Willen ab"

In Nizza freuen sich indes die Fans, in Person von Balotelli den Duft der großen weiten Fußball-Welt genießen zu dürfen. "Wir wissen genau, welches Risiko wir eingehen", betonte Klub-Präsident Jean-Pierre Rivère, "aber es ist eines, das wir mit Vergnügen eingehen."

Inter Mailand, Manchester City, der AC Mailand und der FC Liverpool waren die Stationen Balotellis, der als Italiens EM-Held 2012 in die Annalen einging. Im Halbfinale zwang er die Deutschen (2:1) mit zwei Toren im Alleingang in die Knie und zelebrierte seinen großen Tag in der berühmten Hulk-Pose.

Rein "sportliche Gründe" hätten ihn nach Nizza geführt: "Ich will spielen. Ich habe mit dem Trainer gesprochen und hatte sofort das Gefühl, dass er mich unbedingt will. Ich hoffe, diese Jahr wird gut für mich laufen. Das ist alles."

Favre selbst kennt das Potenzial seines neuen Stars: "Er hat enorme Qualitäten. Aber alles hängt von seinem Willen ab. Seine Fitness ist die Basis. Ich habe aber keinerlei Bedenken." Balotellis Debüt steht am 11. September im Derby gegen Olympique Marseille bevor.

sid

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