Autofahren in Brasilien

Leichter Schlenker vor dem Bumper

Brasilien - Kleines Tagebuch von Günter Klein: Der Weg von Porto Seguro nach Santo Andre zur deutschen Mannschaft ist beschwerlich. Nicht nur wegen der Fähre über den Fluss. Die kann sogar als erholsam empfunden werden, die Wasseroberfläche ist schön glatt.

Die Tücke lauert auf der Straße. Wegen der Geschwindigkeits-Bumper, so heißen sie offiziell. Manche nennen sie nach ihrer ersten unvergesslichen Begegnung auch (Monster-)Huckel. Eher beschönigend wäre der Begriff Bodenwelle.

Günter Klein (52), seit 1984 Sportjournalist, seit 1998 in unserer Verlagsgruppe. Brasilien ist bereits seine sechste WM.

Der Bumper jedenfalls ist die Waffe des Brasilianers gegen zu hohe Geschwindigkeit auf seinen Straßen. Und um nicht unfair zu sein gegenüber den Fahrern und den Betrieben der Automobilzulieferindustrie, die Stoßdämpfer herstellen, warnt er auch vor diesen Hindernissen. Nun gut, vor einigen. Mit einem gelben Schild, das einen kleinen schwarzen Berg zeigt. Das ist keine übertriebene Darstellung. Vor allem vor Santo Andre, auf den letzten zwei Kilometern zum DFB-Domizil, wachsen einige Ungetüme aus dem Asphalt. Sie erinnern an das erste Hindernis im Skicross: Wer es zu schwungvoll anfährt, hebt ab und ist draußen, wer es zu zögerlich angeht, kommt nicht drüber.

Nach vier Tagen auf der Küstenstraße haben wir die Technik raus. Es gibt ratterige Bumper, die uns an die „Hölle des Nordens“ beim Radrennen Paris Roubaix (Kopfsteinpflaster) erinnern – diese Wellen am besten schlucken, entschlossen drüber rauschen. Dagegen die echten Berge: nicht frontal anfahren, sondern in leichtem Winkel. Man erkennt den routinierten Brasilien-Autofahrer am leichten Schlenker vor dem Bumper.

Gerne hätten wir gesehen, wie Joachim Löw sich anstellt. Aber leider: Er hat derzeit keinen Führerschein, weil es zwischen Freiburg und Sinsheim solche Bumper nicht gibt.

Die Lokale an der ewig langen, parallel zum Strand verlaufenden Straße hätten indes am liebsten einen Bumper direkt vor ihrer jeweiligen Einfahrt, damit der Autofahrer auf Schritttempo reduzieren muss und den jungen Mann bemerkt, der eine Speisekarte unterm Arm hält und den Vorbeifahrenden aufmunternd und einladend zuwinkt. Doch für die Restaurants haben die Straßenplaner kein Herz – und so bleibt ein Menüvorschlag bei Tempo 60 bis 80 einfach schwer zu lesen.

Günter Klein (52), seit 1984 Sportjournalist, seit 1998 in unserer Verlagsgruppe. Brasilien ist bereits seine sechste WM.

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