TV-Engagement denkbar

Ailton denkt über Abschied nach

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Ailton denkt über das Ende seiner Fußballkarriere in Deutschland nach.

Bingen - Der brasilianische Ex-Bundesliga-Profi Ailton denkt über einen dauerhaften Abschied aus Deutschland nach. Der exzentrische Fußballer lässt sich aber ein Hintertürchen offen.

„Wo ist denn jetzt Ailton“, quengelt ein kleiner Junge und prellt ungeduldig immer wieder seinen mitgebrachten Fußball auf den Boden. Aber der Papa des Kleinen weiß es nicht, und der Manager von Ailtons neuem Verein Hassia Bingen wusste es gut eine Stunde vor Anpfiff auch noch nicht. „Er hat gestern angerufen und gesagt, dass er noch in Berlin ist. Er hofft aber, dass er es zum Spiel schafft“, sagt Stefan Seidel mit einem milden Lächeln: „So ist er halt. Es wird nie langweilig mit Ailton.“

1998 hatte der Brasilianer seine Karriere in Deutschland bei Werder Bremen begonnen. Mit seiner trotz des runden Bauchs beeindruckend explosiven Schnelligkeit bekam er den Spitznamen „Kugelblitz“ und brachte Trainer und Vereinsbosse andauernd mit eigenmächtig verlängerten Heimaturlauben zur Verzweiflung. Er war Bundesliga-Torschützenkönig, wurde als erster ausländischer Profi in Deutschland zum Spieler des Jahres gewählt und flirtete sich im RTL-Dschungelcamp in die Herzen der Zuschauer.

Jetzt spielt der 39-Jährige bei Hassia Bingen in der sechsten Liga. Gemeinsam mit drei finanzkräftigen Sponsoren hatte der Verein Ailton im Juli verpflichtet. Medienberichte über ein sechsstelliges Jahresgehalt will Seidel nicht kommentieren. Aber ein Haus und ein Auto bekomme Ailton vom Verein gestellt. Und was hat Ailton bewogen, in die rheinland-pfälzische Provinz zu wechseln?

„Hassia Bingen ist ein kleiner Verein, macht nicht so viel Druck, spielt ganz locker - und natürlich weniger trainieren, das ist wichtig“, betont Ailton. Er habe vor allem mehr Zeit für seine Kinder Stella und Ailton junior haben wollen.

Bingen wollte mit dem Torjäger seine Offensive verstärken, das klappte aber nur bedingt: Der Verein hat den schlechtesten Angriff der Liga und liegt inzwischen auf einem Abstiegsplatz. Schuld daran ist allerdings nicht der Brasilianer, denn mit sechs von insgesamt zehn Hassia-Toren ist er Bingens bester Schütze.

Auf jeden Fall sorgte Ailton zu Saisonbeginn in Bingen für volle Stadien. „Die Besucherzahlen haben sich in den ersten Spielen unglaublich entwickelt“, sagt Manager Seidel. Zum Liga-Start seien knapp 2000 Zuschauer gekommen, danach noch einmal 1000.

Am vergangenen Sonntag gegen den Tabellenzweiten Schott Mainz sind es allerdings nur noch rund 300 Stadionbesucher. Ailton hat es zur allgemeinen Erleichterung tatsächlich noch zum Spiel geschafft, bleibt aber zunächst auf der Bank. Als er nach der Halbzeit eingewechselt wird, steht es schon 0:1 gegen seinen Club, der sich kaum aus der eigenen Hälfte befreien kann.

Ailton lässt sich allerdings nur höchstens bis zur Mittellinie zurückfallen. Dort steht der 1,75 große Ballkünstler dann meistens herum und wartet auf den tödlichen Pass. Seine Ballkontakte lassen sich so an zwei Händen abzählen. Im ganzen Spiel hat er eigentlich nur eine überzeugende Szene, dabei verwehrt ihm der Schiedsrichter einen berechtigten Strafstoß. Am Ende steht es 0:4.

Auch wenn es sportlich im Moment weniger rund läuft, aus Sicht von Seidel war Ailton bislang eine gute Investition. Er denkt schon an die nächste Saison und wie er mit günstigen Übernachtungspaketen gezielt die Fans von Ailtons Ex-Vereinen nach Bingen locken kann. Vielleicht, träumt Seidel, wird Ailton ja sogar in Bingen seine Karriere beenden.

Nur sein Stürmer ist da offenbar anderer Meinung: „Zwei, drei Monate geht noch. Solange habe ich noch die Motivation, ein bisschen Fußball zu spielen und danach muss ich nach Hause“, verrät der Südamerikaner. „In der Winterpause muss ich zurück nach Brasilien und danach ein bisschen überlegen. Vielleicht komme ich wieder, vielleicht nicht“ - typisch Ailton.

Die bizarren Rituale der Fußballstars

Mario Gomez singt bei Länderspielen nie bei der Nationalhymne mit. Der Grund: Einst hatte er vor einer U-15-Partie nicht mitgesungen und prompt ein Tor erzielt. Seither verzichtet er auf Gesang.  © dpa
Der argentinische Torhüter Sergio Goycochea (Elfmeter-Killer bei der WM 1990) hatte eine besonders bizarre Marotte: Vor wichtigen Elfmeterschießen urinierte der Schlussmann auf den Platz. Seine Mitspieler bildeten dann einen Kreis um ihn als Sichtschutz. Er wollte damit den Gegner verunsichern. © getty
Gerd Müller trug immer Schuhgröße 41. Und das, obwohl der „Bomber der Nation“ eigentlich Größe 38 hatte. Er könne sich so besser drehen, gab er als Begründung an. © dpa
Der Däne Preben Elkjaer-Larsen war schon während seiner Profizeit Kettenraucher. Zu seinen Ritualen gehörte die Zigarette in der Halbzeitpause. © getty
Michael Ballack besteht bei seinen Clubs immer auf die Trikotnummer 13. Beim Dienstantritt in London sorgte dies für Ärger mit Teamkollege William Gallas, der die „13“ zuvor getragen hatte. Ballack setzte sich durch. © dpa
Die englische Fußball-Legende Gary Lineker schoss beim Aufwärmen niemals aufs Tor. Er wollte „die Treffer aufsparen“. Wenn er in der ersten Hälfte nicht einnetzte, wechselte er in der Pause sein Trikot. © getty
Der Ex-Nationalspieler Carsten Jancker küsste nach jeder Bude seinen Ring. Damit drückte er die Liebe zu seiner damaligen Freundin aus. © dpa
Giovanni Trapattoni (Was erlauben Struuuunz?/Gespielt wie eine Flasche leer...) vetraute bei der WM 2002 auf geweihtes Wasser. Damit besprühte er vor den Partien Teile des Platzes. Seine Schwester, die Ordensfrau ist, hatte ihm die Flüssigkeit besorgt. Gebracht hat es nichts. Italien schied früh aus.  © dpa
Der legendäre Dr. Socrates (Brasilien), der bei der WM 1986 einen Elfmeter aus dem Stand geschossen hatte (und vergab), betrat immer als letzter Akteur das Spielfeld. Der Grund: Aberglaube. © getty
Bei der WM 1986 gab es für die argentinische Nationalelf fünf Wochen lang kein Hühnerfleisch. Trainer Carlos Bilardo war der festen Überzeugung: Hühnerfleisch bringt Unglück. © Getty
Bei der WM 1998 küsste der französische Nationalspieler Laurent Blanc (2.v.r.) vor Beginn jeder Partie den kahlen Kopf seines Torhüters Fabien Barthez (2.v.l.). © dpa
Der Brasilianer Jorginho, der früher für den FC Bayern seine Kickstifel schnürte, ist streng gläubig. Vor den Partien überreichte er den gegnerischen Kapitänen stets eine Bibel. © dpa
Skandalkicker Eric Cantona nahm an jedem Spieltag morgens um Punkt acht Uhr ein fünfminütiges, heißes Wannenbad. © dpa
Frankreichs Ex-Nationalcoach Raymond Domenech soll bei der Aufstellung des Teams ganz genau auf die Strenzeichen der Spieler achten. Offenbar befragt er vor Kader-Nominierungen zudem das Horoskop. © dpa
Der Brasilianer Mario Zagallo, Weltmeister als Spieler sowie als Trainer, liebt die Zahl 13. Das rührt von der Verehrung des Heiligen Antonius her. Dessen Gedenktag wird am 13. Juni gefeiert. Zagallo lebt in einem 13. Stockwerk, heiratete am 13. Januar und verlangte als Spieler immer die Nummer 13. © dpa
Adrian Mutu trägt bei Spielen immer dieselbe Unterwäsche-Marke. © dpa
Auch der frühere kolumbianische Nationaltürhüter Rene Higuita schwörte auf Konstanz bei seiner Unterwäsche. Bei ihm mussten die Hosen blau sein. Eine Wahrsagerin hatte ihm dies empfohlen. © Getty
Miroslav Klose bekreuzigt sich vor jedem Einsatz. © dpa
Udo Lattek trug als Manager des 1. FC Köln in der Saison 1987/88 einen blauen Strickpulli. Und das 14 Spieltage lang. Immer denselben. Bis zur ersten Niederlage.  © dpa
Auch der frühere englische Nationalspieler Paul Ince hat stets darauf bestanden, das Spielfeld als letzter Akteur zu betreten. © dpa
Kölns Ex-Keeper Faryd Mondragon ist streng gläubig. Er ließ sich ein FC-Handtuch weihen. Vor den Spielen betet er, er soll sogar eine Marienfigur in der Kabine haben. © dpa
Der italienische Nationalkicker Gennaro Gattuso trug bei der WM in Deutschland die ganze Zeit über den gleichen Pullover. Außerdem packte er vor allen Partien ab dem Viertelfinale den Koffer für die Heimreise. Die Rituale waren von Erfolg geprägt, Italien wurde Weltmeister. © dpa
Der Engländer John Terry pflegt eine ganz besondere Beziehung zu seinen Schienbeinschützern. Jahrelang verwendete er immer dieselben. Als er sie nach einem Champions-League-Spiel in Barcelona verlor, war er am Erdboden zerstört. Außerdem setzt er sich im Mannschaftsbus immer auf den gleichen Platz. © dpa
Felix Magath hat während seiner ersten Zeit in Wolfsburg monatelang eine grüne Krawatte getragen. So lange, wie sein Club ungeschlagen war. © dpa
BVB-Verteidiger Neven Subotic trägt zwei Armbänder, die er von seiner bosnischen Oma Milena bekommen hat. Zu seinem Ärger muss er die Bänder vor den Spielen ablegen. Das gebieten DFL-Auflagen. © dpa
Der argentinische Superstar Juan Sebastian Veron wickelte immer eine Bandage um sein rechtes Knie. 1997 hatter er sich an dieser Stelle verletzt und den Verband von da an als Glücksbringer beibehalten. © dpa
1860-Verteidiger Moritz Volz geht vor Spielen regelmäßig in die Küche und backt Kuchen. Und nicht nur einen: „ Drei müssen es schon sein“, hat der Kicker in einem Interview gesagt. © dpa
Der englische Kult-Kicker und Trainer Jack Charlton („Die Giraffe“) wechselte als Spieler immer kurz vor dem Anpfiff die Stollen aus. Nach dem Aufwärmen marschierte er erst in die Kabine, wenn er einen Torschuss erfolgreich abgeschlossen hatte.   © getty
Louis Aragonés hasst die Farbe gelb. Der ehemalige Trainer der spanischen Nationalmannschaft soll während der WM 2006 in Dortmund einen gelben Blumenstrauß zur Begrüßung abgelehnt haben. Einst bat er sogar Mannschaftskapitän Raul, ein gelbes Jersey im Training auszuziehen. © dpa
Jörg Berger (†) wechselte vor seinem Dienstantritt bei der Frankfurter Eintracht im Jahr 1998 die Trainerbank aus. Das Möbelstück seiner Amtsvorgänger Horst Ehrmanntraut und Reinhold Fanz war ihm suspekt.  © dpa
Luca Toni schraubt nach Torerfolgen immer symbolisch an seinem Ohr. Das soll heißen:  „Avete capito“ (Habt Ihr das verstanden/Habt Ihr das gesehen?)! Böse Zungen behaupten hingegen, er würde den Regler seines Hörgerätes zurückdrehen, wenn es im Stadion zu laut wird. © dpa

Ein Comeback im deutschen Fernsehen schloss der ehemalige Bewohner des RTL-Dschungelcamps dagegen nicht aus: „Klar, warum nicht, Ailton bedeutet Spaß und die Zuschauer zu Hause waren immer sehr zufrieden. Ailton im Fernseher macht immer ein bisschen Show.“

dpa

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