Kampf um Rückkehr

Sieg und Niederlage für Derdiyok

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Inhaltlich gab das Gericht dem klagenden Erin Derdiyok recht.

Heidelberg - Formale Niederlage, aber inhaltlicher Sieg für Eren Derdiyok: Der Schweizer darf sich nach einem Urteil Hoffnung auf eine Rückkehr ins Mannschaftstraining machen.

Das Arbeitsgericht Mannheim hat den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung des Schweizers in Diensten von Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim zwar aus „prozessualen Gründen“ zurückgewiesen, die Beschwerde des 25 Jahre alten Angreifers sei inhaltlich aber gerechtfertigt. Da das von Derdiyok angestrebte Eilverfahren laut Gericht nicht zulässig ist, wird es ab dem 12. September zu einem „Hauptsacheverfahren“ in dem Fall kommen - sollte der Nationalspieler bis dahin keinen neuen Arbeitgeber gefunden haben.

„1899 verletzt das Recht des Antragstellers, seinen Beruf vollständig auszuüben. Der Spieler hat das Recht, dass sich der Cheftrainer persönlich einen Eindruck von ihm verschafft“, sagte Arbeitsgerichts-Vizepräsident Lothar Jordan, der Vorsitzende Richter der in Heidelberg ansässigen 10. Kammer. Das Eilverfahren wäre laut Jordan nur zulässig gewesen, wenn Derdiyok „ein nicht wiederbringbarer Schaden“ entstanden wäre. Dies sei in diesem Fall aber nicht gegeben.

Derdiyoks Anwalt Norbert Nasse zeigte sich trotz der formalen Niederlage „zufrieden“. Sein Mandat werde das „Hauptsacheverfahren“, das allerdings vor einer anderen Kammer verhandelt wird, wahrnehmen. Zuvor will Nasse allerdings Berufung gegen die Zurückweisung des Eilantrags einreichen. Der Jurist hofft, darauf, dass das Landesarbeitsgericht die „Eilbedürftigkeit“ des Falles erkennt und innerhalb der nächsten drei Wochen eine andere Entscheidung trifft.

Der zuletzt mit dem Hamburger SV in Verbindung gebrachte Derdiyok, der wie Ex-Nationaltorwart Tim Wiese, Matthieu Delpierre, Edson Braafheid und Tobias Weis in die umstrittene Hoffenheimer „Trainingsgruppe 2“ degradiert wurde, wollte durch eine einstweilige Verfügung per gerichtlichem Beschluss in den Bundesliga-Kader zurückkehren.

Weis verfolgte die Anhörung wie rund 20 Journalisten im Publikum, zudem waren fünf Kamerateams vor Ort. Das Gericht erklärte aber, dass man aus der Entscheidung im „Fall Derdiyok“ keine Schlüsse mit Blick auf die Situation der anderen aussortierten Profis ziehen könne.

Zuvor hatte das Gericht einen etwas unkonventionellen Vergleichs-Vorschlag gemacht: Demnach sollte Derdiyok abwechselnd in der „Trainingsgruppe 2“ und der „Gruppe 1“ von Cheftrainer Markus Gisdol trainieren. Der durch Geschäftsführer Frank Briel vertretene Klub lehnte dies ab und machte den Gegenvorschlag, dass sich Gisdol zukünftig die Einheiten der „Gruppe 2“ anschauen werde.

„Wir sind zufrieden damit, dass der Antrag abgewiesen wurde. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die “Trainingsgruppe 2' nicht sportlichen Standards entsprechen sollte„, sagte Briel: `Wir sind uns keiner Schuld bewusst. Wir haben keinen Aufwand und keine Mühe gescheut.“

Während der Anhörung kam zum Vorschein, dass ein Wechsel Derdiyoks für eine Leihgebühr von 500.000 Euro zu Hannover 96, Juventus Turin und Bursaspor möglich gewesen wäre. Laut den Hoffenheimern habe der Stürmer aber ein zu hohes Gehalt gefordert. Zudem gab Derdiyok, der erst vor rund einem Jahr von Bayer Leverkusen zum Klub von Mäzen Dietmar Hopp gewechselt war, selbst zu Protokoll, einen Wechsel nach Italien „aus sportlichen und menschlichen Gründen“ abgelehnt zu haben. „Wir erachten die Leihgebühr als marktgerecht. Wir können den Spieler aber nicht zu einem Wechsel zwingen“, äußerte Hoffenheims Profifußball-Leiter Alexander Rosen .

Spielergewerkschafts-Vizepräsident Christoph Metzelder hatte zuletzt den Verein für sein Verhalten kritisiert. „Beide Seiten haben einen Vertrag unterschrieben, an den sich der Arbeitgeber nicht hält. Es war klar, dass Spieler versuchen werden, sich einzuklagen“, sagte Metzelder.

SID

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