Entscheidung am Freitag

Aussage gegen Aussage in der Reifen-Affäre

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Ross Brawn in Paris

Paris - Die Anhörung um die Reifen-Affäre in der Formel 1 ist am Donnerstag ohne Ergebnis zuende gegangen. Am Ende stand Aussage gegen Aussage, ein Urteil wurde für Freitag angekündigt.

Bis zum späten Nachmittag rauchten die Köpfe am Place de la Concorde, ein Urteil wurde in der Reifen-Affäre der Formel 1 am Donnerstag aber noch nicht verkündet: In der Anhörung vor dem Internationalen Tribunal der FIA in Paris hat Mercedes seine Rolle als „Dienstleister“ bezeichnet, man habe die Tests nicht selbst „durchgeführt“, damit liege kein Regelbruch vor - Vertreter des Weltverbandes hätten diese Sichtweise gestützt. Der Weltverband bestritt, die Erlaubnis erteilt zu haben und glaubt, dass Mercedes Vorteile aus dem Test gezogen hat. Ein Urteil wird am Freitag verkündet.

„Wir haben alles getan, um uns abzusichern, damit es kein Regelbruch ist“, sagte Mercedes-Anwalt Paul Harris in seinem Schlussplädoyer: „Wir haben FIA-Renndirektor Charlie Whiting zweimal angerufen und nach seiner Zustimmung gefragt, die hat er uns gegeben. Wir hätten sonst nicht weitergemacht.“ Im Falle einer Strafe müsse all dies berücksichtigt werden.

Welches Urteil das Tribunal fällen wird, war nach Tag eins der Anhörung weiter unklar, harte Strafen sind nicht ausgeschlossen. Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda hatte am Donnerstag eingeräumt, dass er den Prozess bis zuletzt unbedingt vermeiden wollte. „Red Bull, das mit Ferrari gegen uns den Protest eingelegt hat, war wie Bernie Ecclestone mit einem außergerichtlichen Deal einverstanden. Dazu hätte es einen Brief von Mercedes an Fia-Boss Jean Todt gebraucht. Doch unsere Chefs Toto Wolff und Ross Brawn lehnten ihn ab, jetzt müssen sie eben damit leben“, sagte der Österreicher dem Blick.

„Der Begriff Dienstleistung“, sagte Teamchef Brawn nun während der Anhörung, beschreibe die Rolle der Silberpfeile gut: „Daten haben wir nur genutzt, um das Auto während des Tests zu bedienen, ich wüsste nicht, wie wir diese in der Zukunft nutzen sollten.“ Dass man an drei Tagen Erfahrungen auf der Strecke habe sammeln können, „war bei einem solchen Test nicht zu vermeiden“, räumte Brawn auf Nachfrage der Anklage ein.

Es sei aber wichtig, die genaue Formulierung im sportlichen Reglement zu beachten, sagte Mercedes-Anwalt Paul Harris. Tests sind dort als „Fahrten, durchgeführt von einem Wettbewerber“ definiert. „Das war kein Test “durchgeführt' von Mercedes. Es ist unzweifelhaft, dass der Test von Pirelli durchgeführt wurde. Sie haben uns gesagt, was zu tun ist„, sagte Harris.

Auch Whiting sei dieser Ansicht gewesen. `Charlie ist der Ansprechpartner für sportliche Fragen. Alle Teams vertrauen auf seine Aussagen“, sagte Brawn. „Es ist nicht genau festgeschrieben, von wem man eine solche Klarstellung erhalten kann“, räumte der Brite ein.

Die Ankläger des Weltverbandes sahen die Verteidigungsstrategie dagegen nicht als ausreichend an. „Auch ein Dienstleister ist für sich selbst verantwortlich, und als solcher hat Mercedes den Test ebenfalls “durchgeführt' - und damit die Regeln gebrochen„, sagte FIA-Anwalt Mark Howard. Zudem sei kaum denkbar, dass Mercedes keine Erkenntnisse aus den Tests gezogen habe. Die Anfragen an Whiting seien zudem lediglich vage gewesen, ohnehin sei dieser nicht in der Position, `bindende Aussagen zu tätigen, die über den Regeln stehen. Whiting wurde formlos über die grundsätzliche Möglichkeit solcher Testfahrten befragt“, sagte Howard.

An den Fakten gibt es laut Howard keine Zweifel. Mercedes hatte vom 15. bis 17. Mai mit den aktuellen Autos und den Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton Tests mit Pirelli durchgeführt. Die Fahrer trugen während dieser Tests schwarze Helme, um von außen nicht erkennbar zu sein - „das kann rückblickend als falsch angesehen werden“, räumte Anwalt Harris ein: „Wir bereuen es und entschuldigen uns dafür.“

Das sportliche Reglement der FIA verbietet Tests wie diese. „Keiner der anderen Wettbewerber war zudem über die Tesfahrten informiert“, sagte Howard, beide Parteien hatten aus Sicht der FIA keinen Grund für dieses Vorgehen.

Reifenhersteller Pirelli beharrte darauf, dass er das vertragliche Recht habe, Tests während der Saison durchzuführen. Auch die anderen Teams hätten, wie vorgeschrieben, diese Chance gehabt, sagte Anwalt Dominique Dumas und berief sich auf eine Einladung aus dem März 2012. Diese sei nach wie vor gültig.

sid

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