Trotz vieler Maßnahmen

Vettel warnt 20 Jahre nach Senna-Tod: „Nie zu sicher fühlen“

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Berlin - Die Formel 1 hat in den 20 Jahren seit dem Tod von Ayrton Senna viel für die Sicherheit der Fahrer getan. Sebastian Vettel mahnt jedoch, das Restrisiko nicht zu unterschätzen.

20 Jahre nach dem Todesdrama um Ayrton Senna warnt Weltmeister Sebastian Vettel vor weiteren folgenschweren Unfällen in der Formel 1. „Die Formel 1 ist sicherer heute, aber sie ist noch immer nicht sicher, weil immer noch sehr viel passieren kann“, sagte der Red-Bull-Pilot. Trotz der weitreichenden Maßnahmen seit den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger und Senna am 30. April und 1. Mai 1994 in Imola „darf man sich nie zu sicher fühlen“, mahnte Vettel.

Die brasilianische Ikone Senna ist bis heute das letzte Todesopfer während eines Grand Prix. Das schwarze Wochenende von Imola lieferte der Formel 1 den traurigen Impuls, die Sicherheit der Rennserie gravierend zu überdenken. „Das ist ein ständiger Prozess, natürlich ist noch viel Risiko dabei“, sagte der aktuelle WM-Spitzenreiter Nico Rosberg. Der Mercedes-Fahrer betonte, die Sicherheit der Formel 1, in der der Tod einst ständiger Begleiter war, sei „über die Jahre unheimlich erhöht“ worden.

„Leider hat es immer Unfälle gebraucht, und es werden immer Negativereignisse sein, aus denen man am meisten lernt“, meinte Vettel. Die Ergebnisse des Lernprozesses waren vielfältig. Eine mit Schaumstoff gefüllte Kopf- und Nackenstütze schützt seit Jahren die Fahrer. Es wird spekuliert, dass Ratzenberger seinen Unfall in Imola womöglich überlebt hätte, wenn es damals schon das sogenannte HANS-System gegeben hätte.

Vorschriften immer umfassender

Immer wieder verschärfte Crashtests, größere Cockpits mit herausnehmbaren Sitzen, an Halteseilen befestigte Räder - immer umfassender werden die Vorschriften. Modernere und widerstandsfähigere Materialien für die Monocoques, bessere Helme, mehr Auslaufzonen und strengere Regularien für die Strecken sind auch das Resultat des Engagements verantwortungsbewusster Piloten wie Michael Schumacher und des Weltverbands FIA zur Begrenzung der Risiken der Raserei.

Der damalige FIA-Präsident Max Mosley kämpfte nach Sennas Tod vehement für mehr Schutz im Rennsport und gründete dafür ein eigenes Institut. Unter der Leitung des inzwischen gestorbenen Formel-1-Arztes Sid Watkins trieb die Einrichtung die Unfallforschung und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen voran. „Der Fortschritt in dieser Hinsicht ist unglaublich“, lobte Sennas Schwester Viviane in einem dpa-Interview.

Auch die Fahrer-Gewerkschaft GPDA, die nach den Geschehnissen von Imola neu gegründet wurde, lässt in puncto Sicherheit nicht locker. An jedem Freitag vor den Rennen sei dies „ein großes Thema“ bei den GPDA-Meetings, beteuerte Rosberg. „Dort wird viel diskutiert.“

Die Formel-1-Weltmeister der vergangenen 40 Jahre

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Der Erfolg der Initiativen zeigte sich zum Beispiel am 10. Juni 2007 beim Großen Preis von Kanada, als der BMW von Robert Kubica bei einem spektakulären Unfall praktisch völlig zerstört wurde. Der Pole kam jedoch mit einer Gehirnerschütterung und einem verstauchten Knöchel davon.

Zwei Jahre später erlebte die Formel 1 allerdings einmal mehr, wie unberechenbar Motorsport trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sein kann. Ferrari-Pilot Felipe Massa wurde von einer Metallfeder, die sich vom Auto seines vor ihm fahrenden Landsmanns Rubens Barrichello gelöst hatte, am Kopf getroffen und erlitt schwere Verletzungen am Auge. „Es wird immer die Möglichkeit geben, das irgendwas Komisches mit schweren Folgen passiert“, warnte Vierfach-Champion Vettel. Der Kampf um noch mehr Sicherheit bleibt für die Formel 1 auch nach dem 20. Todestag von Ayrton Senna eine Kernaufgabe.

dpa

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