20 Jahre nach dem Unfall

Tod von Aryton Senna veränderte die Formel 1

Aryton Senna
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Aryton Senna

Köln - Lange vor Michael Schumacher war er der König der Rennfahrer. Ayrton Senna starb am 1. Mai 1994 in Imola, an jenem schwarzen Wochenende, an dem auch Roland Ratzenberger den Tod fand. 20 Jahre danach ist die Formel 1 eine andere geworden.

Er lag lang ausgestreckt auf dem Asphalt, als wollte er inmitten der brüllenden Boliden ein kleines Nickerchen halten. Er lag einfach dort, er bewegte sich nicht, während um ihn herum das Treiben immer hektischer, immer atemloser, immer verzweifelter wurde. Sanitäter, Streckenposten, Ärzte scharten sich um ihn, doch Ayrton Senna war nicht mehr da. Leise glitt er hinüber in die andere Welt. Die Sonne war vom Himmel gefallen. Die Boliden brüllten weiter.

An jenem 1. Mai 1994 endete in Imola das Leben eines Mannes, für den der Begriff Superstar neu definiert werden musste. Ayrton Senna da Silva war nicht einfach ein Rennfahrer. Der Brasilianer, Sohn aus gutem und reichem Hause, war der Prototyp eines Menschen, dem das Leben sein ganzes Füllhorn gönnt. Senna war belesen, musikalisch, weltoffen, er spielte Klavier, sammelte Kunst, zitierte altgriechische Philosophen, las Shakespeare und Freud.

Und er fuhr Autorennen. Besser, schneller, spektakulärer, gewagter als andere. Den einen, der da kam, diesen jungen Deutschen namens Michael Schumacher, hatte Senna auf der Uhr. Es versprach 1994 ein grandioses Duell um die WM zu werden. Die ersten beiden Rennen hatte Schumacher gewonnen. Senna, 34 Jahre alt, Weltmeister von 1988, 1990 und 1991, hatte sein Auto nach dem Wechsel von McLaren zu Williams noch nicht so recht unter Kontrolle.

Die Formel 1 verlor ihren Wohltäter

Am 1. Mai 1994 um 14.17 Uhr schoss der Williams FW16 offensichtlich unlenkbar mit Tempo 330 aus der berüchtigten langgezogenen Tamburello-Kurve geradeaus, das Auto zerschellte wie ein Spielzeugflieger an der Betonmauer. Ein Teil der Radaufhängung durchschlug Sennas Helm und bohrte sich in seinen Kopf, er hatte nicht den Hauch einer Chance. Die sofortige medizinische Versorgung, der Hubschrauber-Flug in die Maggiore-Klinik von Bologna - alles vergebens. Es gab keine Rettung mehr. Der offizielle Todeszeitpunkt war 18.40 Uhr. Die Formel 1 hatte ihren Allergrößten verloren, einen charismatischen, sozial denkenden Schöngeist, einen Wohltäter, der gerne mit jenen teilte, die im Schatten des Lebens standen.

Aber Senna, den stets ein leiser Hauch von Melancholie umwehte, konnte auch anders. Unvergessen die Duelle, die er sich bei McLaren mit seinem Teamkollegen Alain Prost lieferte. Mit voller Absicht fuhren sich die beiden Alphatiere ins Auto, nicht selten schien eine handgreifliche Auseinandersetzung am Rande der Piste unvermeidlich. „Er hat eine Epoche geprägt, die es nie mehr geben wird“, sagt Prost heute: „Senna hat mich gezwungen, über meine Grenzen zu gehen.“

Damals an jenem schwarzen Wochenende von Imola, wo 24 Stunden vor Senna der Österreicher Roland Ratzenberger bei der höllischen Zeitenjagd im Qualifying sein Leben gelassen hatte, haben sie nicht daran gedacht, das Rennen zu stoppen. Eine kurze Unterbrechung, ein kurzes Atemholen im Angesicht der Tragödie, dann ging die gnadenlose Hatz auch schon weiter.

Die Formel-1-Weltmeister der vergangenen 40 Jahre

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Der Neustart sei für ihn kein Problem gewesen, erzählte Sennas enger Freund Gerhard Berger dem Spiegel. Schließlich habe man gehört, dass Senna aus dem Auto raus sei: „Unter Fahrern heißt diese Nachricht: Er ist okay. Ich habe mir keine Sorgen gemacht.“ Die Boliden brüllten weiter, Michael Schumacher gewann das Rennen, es gab natürlich auch eine Siegerehrung.

In den 20 Jahren nach Sennas Tod veränderte die Formel 1 ihr Gesicht. Die Autos wurden stabiler, die Auslaufzonen breiter, die Crashtests immer strenger. „Sicherheit“, sagt Berger, „ist heute etwas Selbstverständliches geworden“, der Tod an der Betonmauer, an der Leitplanke ein Mythos aus längst vergangenen Zeiten. Aus den Zeiten, als Ayrton Senna die Formel 1 prägte. Sein Tod, sagt Gerhard Berger, „war so, als sei die Sonne vom Himmel gefallen“. Die Legende Senna ist unsterblich. Sie lebt weiter. Auch nach 20 Jahren.

sid

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