1. Startseite
  2. Sport
  3. Formel 1

Red-Bull-Genie kritisiert die neue Formel 1: „Falsche Richtung“

Erstellt:

Von: Michael Haug

Kommentare

Red-Bull-Designer Adrian Newey kritisiert die neuen Formel-1-Boliden und die gesamte Automobilindustrie. Er erläutert, was sich ändern muss.

München - Vielen Beobachtern macht die Formel 1 in der Saison 2022 so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Mit Ausnahme der Vorsaison gab es mit den vorherigen Regeln eine große Mercedes-Dominanz, noch wenige Überholmanöver. In der Saison 2022 scheint sich beides zu ändern. Red Bull Racing und die Scuderia Ferrari liefern sich einen engen Kampf um die Spitze, auch die Action nimmt zumindest auf einigen Strecken spürbar zu.

Adrian Newey arbeitet als Designer bei Red Bull Racing, auch aufgrund der jüngsten zwei Siege von Red-Bull-Star Max Verstappen (Fahrerwertung der Formel 1) sollte er die neuen Regeln mögen. Oder etwa doch nicht?

Adrian Newey: Die zahlreichen Erfolge des Star-Designers

Newey arbeitet seit über 30 Jahren in der Formel 1. Der 63-jährige Brite hat eine herausragende Bilanz: elf Fahrer gewannen in von ihm entworfenen Rennwagen den Formel-1-Titel, zehn Mal gewann sein Team die Konstrukteurs-Wertung! Mit Williams dominierte er die F1 in den 90ern, Ende des Jahrzehnts wechselte er zu McLaren. Mika Häkkinen gewann 1998 und 1999 im McLaren folglich direkt seine beiden WM-Titel. Auch an den Erfolgen von Sebastian Vettel hat Newey entscheidenden Anteil.

Formel 1: Red-Bull-Designer zweifelt an spannenderer Formel 1

Zurück in die Gegenwart: Newey hat ein gewisses Verständnis für die neuen Regeln. „Ich finde das Prinzip, Autos beim Überholen zu helfen, indem man die Empfindlichkeit des nachfolgenden Autos gegenüber dem vorausfahrenden verringert, in Ordnung. Ich denke, dass es hilft, um etwas besser überholen zu können. Ich glaube nicht, dass es eine bedeutende Veränderung darstellt, aber es wird ein wenig helfen“, evaluiert er im Interview mit dem motorsport-magazin.

Red-Bull-Teammanager Jonathan Wheatley (l.) unterhält sich in Miami mit Chief Technology Officer Adrian Newey (r.).
Red-Bull-Teammanager Jonathan Wheatley (l.) unterhält sich in Miami mit Chief Technology Officer Adrian Newey (r.). © IMAGO/Carl Bingham

„Wenn man eine so bedeutende Regeländerung vornimmt, die unweigerlich viele weitere Veränderungen mit sich bringt, dann wird das wahrscheinlich dazu führen, dass sich das Feld in den ersten Saisons weiter auseinanderzieht“, glaubt er sogar.

Formel 1: Newey holt die große Kritik-Keule raus

Das größte Problem aus Neweys Sicht ist das Gewicht der Rennwagen. „In nur wenigen Jahren hat sich das Gewichtslimit von niedrigen 600 kg und 30-40 kg Ballast an Bord auf Autos mit 800 kg und mehr erhöht. Und wir alle arbeiten wie verrückt daran, das derzeit vorgeschriebene Mindestgewicht zu erreichen. Kurz gesagt, die Autos sind größer und schwerer geworden und aerodynamisch nicht besonders effizient, weil sie einen hohen Luftwiderstand haben“, erklärt Newey.

Der ehemalige Teilnehmer der 24-Stunden von Le Mans sieht das Problem der Formel 1 nicht im Vakuum. „Offensichtlich ist diese falsche Richtung die gleiche, in die sich die allgemeine Automobilindustrie in letzter Zeit entwickelt hat: immer größere und schwerere Autos und die Besessenheit der Leute, ob sie nun mit Batterien oder mit Benzin fahren.“

Neweys eigenes Team hatte vor Saisonbeginn laut Medienberichten die größten Gewichtsprobleme, forderte eine weitere Erhöhung des Mindestgewichts. Der Designer wünscht sich zukünftig „kleinere, leichtere und energieeffizientere Autos“ und sieht darin kein Sicherheitsproblem. Im Gegenteil: Newey beobachtet ein „sich selbst verstärkendes Problem. Je schwerer das Auto ist, desto stärker muss es sein.“

Die Formel 1 macht Station in Barcelona. Wir verfolgen das sechste Rennen der Saison im Live-Ticker. Das Rennen startet am Sonntag um 15 Uhr. Alle Sendetermine der aktuellen Saison gibt es hier.

Auch interessant

Kommentare