Gegen Finnland

Eishockey-Hammer: Russland raus

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Der Finne Juhamatti Aaltonen (M.) verwandelt gegen Russlands Torwart Semyon Varlamov.

Sotschi - Russlands Super-Cracks sind im Eishockey-Turnier von Sotschi schon im Viertelfinale gescheitert. Für die letzten Tage der Winterspiele ist das ein ziemlicher Stimmungsdämpfer.

Russlands olympischer Eishockey-Alptraum ist wahr geworden. Nach einer erneut medaillenunwürdigen Vorstellung kassierte die Star-Auswahl um Alexander Owetschkin im Viertelfinale von Sotschi eine 1:3 (1:2, 0:1, 0:0)-Pleite gegen Finnland und erlebte damit ausgerechnet bei den Heimspielen am Schwarzen Meer einen historischen Tiefpunkt. Gegen clevere Finnen fand die „Sbornaja“ kein Mittel, der umjubelte Führungstreffer durch Ilja Kowaltschuk (8. Minute) war zu wenig. Juhamatti Aaltonen (10.), Teemu Selänne (18.) und Mikael Granlund (26.) drehten das Match für das Suomi-Team, das im Halbfinale nun auf den zweimaligen Olympiasieger Schweden trifft.

Für die Russen, die in ihrer Historie erst zum zweiten Mal eine olympische Medaille oder ein olympisches Halbfinale verpassten, bleiben die Nordeuropäer der Angstgegner. Schon bei der Heim-WM 2007 schockten die Finnen die Gastgeber mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung im Halbfinale, ein Jahr zuvor waren die Russen bei den Winterspielen von Turin ebenfalls im Halbfinale 0:4 unterlegen. Nun setzte sich die schwarze Serie ausgerechnet bei Olympia fort.

Dabei begann die Partie vielversprechend für die Russen: Gleich das erste Überzahlspiel nutzte Kowaltschuk zur Führung, als er einen Pass von Kapitän Pawel Dazjuk ins Netz drosch. Bei 11 654 Zuschauern in der „Bolschoi“-Halle von Sotschi brandete ohrenbetäubender Jubel auf, der Torschütze machte vor Erleichterung einen Luftsprung. „Schaiba! Schaiba!“, schrien die Fans, „haut das Ding rein!“

Bilder: Die Exoten der Olympischen Spiele

Bilder: Die Exoten der Olympischen Spiele

Doch die Euphorie währte nicht lange, nur knapp eineinhalb Minuten nach der Führung schockte Aaltonen die Hausherren mit einem Solo auf engstem Raum, an dessen Ende er Goalie Semjon Warlamow den Puck unter der Fanghand hindurch ins Tor schlenzte. Der Schlussmann war etwas überraschend Sergej Bobrowski vorgezogen worden, der im Qualifikationsmatch zum Viertelfinale gegen Norwegen (4:0) unüberwindbar war.

Noch stiller wurde es im glitzernden Eishockey-Dom kurz vor der ersten Drittelpause, als Jungstar Granlund seinen Gegenspieler Wjatscheslaw Woinow im Sprintduell keine Chance ließ, den fast 22 Jahre älteren Sturmpartner Selänne bediente und dieser zum 2:1 einschob. Gleich zu Beginn des zweiten Abschnitts erhöhte Granlund selbst im Powerplay zum 3:1, diesmal hatte Selänne den Treffer eingeleitet.

Die russischen Eishockey-Millionäre ließen die Köpfe hängen. Die flinken und ideenreichen Finnen gaben ihnen keinen Platz zum Angriff und drängten den Rekord-Olympiasieger oft in die Defensive. Laut wurde es auf den Rängen immer dann, wenn Owetschkin mit kurzen Trippelschritten einen Angriff mit vollem Tempo lancierte, doch seine Schüsse waren zumeist leichte Beute für Goalie Tuukka Rask. Die anderen russischen Angreifer verzettelten sich häufig in unnötigen Kombinationen, anstatt zu schießen. Vor den Augen von Trainer-Legende Wiktor Tichonow, der die „Sbornaja“ in den 80er Jahren zu drei Goldmedaillen geführt hatte, fiel den Hausherren einfach nichts ein.

Während Owetschkin und Co. ihr Heimturnier von nun als als Zuschauer verfolgen müssen, spielen die Finnen gegen Schweden um den Einzug ins Finale. Die „Tre Kronor“ hatten sich 5:0 (1:0, 0:0, 4:0) gegen das Überraschungsteam aus Slowenien durchgesetzt, sich dabei aber lange heftig abgerackert. „Ich war ganz schön beeindruckt“, sagte Daniel Alfredsson. „Wir wollen jetzt nicht zu weit nach vorne blicken, aber es ein großartiges Gefühl, im Halbfinale zu sein.“ Alexander Steen (19.), Daniel Sedin (42.), Loui Eriksson (49.) und zweimal Carl Hagelin (52./57.) erzielten die Tore.

Von Manuel Schwarz

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