„Wir lassen uns nicht erpressen“ 

Lamidi geht – und Rehdens Boss Friedrich Schilling spricht Klartext

Rehdens Vereinschef Friedrich Schilling spricht von einer schwierigen Situation, in der sich der Fußball-Regionalligist derzeit befindet. - Foto: Flügge

Rehden - Von Arne Flügge. Die Vorbereitung – witterungs- und krankheitsbedingt eine einzige Katastrophe. Unruhe im Umfeld, Abstiegsangst. Und jetzt hat auch noch Toptorschütze Moses Lamidi (29/sechs Treffer) den Fußball-Regionalligisten BSV Rehden verlassen, wechselt in die Oberliga zum FC Kray. Dazu schließt sich Ersatzkeeper Felix Junghan dem Nordost-Regionalligisten TSG Neustrelitz an. Es rumort in den Waldsportstätten – jetzt spricht Vereinsboss Friedrich Schilling (65) Klartext.

Herr Schilling, Moses Lamidi hat den Verein verlassen. Was waren die Gründe?

Friedrich Schilling: Ich habe Moses zweimal geholfen, um im Fußball wieder Tritt zu fassen. Als er im Sommer zurückgekommen ist, habe ich ihm einen super Job besorgt, und er hat mir versprochen, ihn auch auszuüben. Das hat er dann nicht gemacht, ist nach einiger Zeit nicht mehr hingegangen und dort dann auch rausgeflogen. Er ist ein unzuverlässiger Mensch, von daher bin ich schon ziemlich von ihm enttäuscht. Und jetzt hat er geäußert, dass er Heimweh hätte und zurück in den Westen wolle.

Und wie ging’s weiter?

Schilling: Er hatte einen Vertrag, aber wir können niemanden zwingen, für uns zu spielen. Wir haben ihm gesagt, dass er gehen, aber nirgendwo anders spielen kann. Nach langem Hin und Her haben wir dann eine Transfervereinbarung getroffen.

Wie sieht die aus?

Schilling: Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart. Unzuverlässige Spieler helfen uns nicht. Wir brauchen Leute, die zum BSV Rehden stehen. Natürlich wissen wir, dass unser Konzept Fußball und Arbeit immer schwerer zu halten ist. Daher auch bei uns diese ständigen Wechsel.

Ersatztorwart Felix Junghan geht, weil er mit dem Status der Nummer zwei hinter Milos Mandic nicht klargekommen ist.

Schilling: Sein Wechsel hatte sich abgezeichnet, daher haben wir ja in Levente Bösz bereits einen neuen Torwart geholt. Auch Junghan ist bei der Arbeit rausgeflogen. Und dann wurde versucht, uns unter Druck zu setzen, um die Freigabe zu erzwingen.

Mit was?

Schilling: Das waren arbeitsrechtliche Dinge, die aber von vornherein zum Scheitern verurteilt waren. Danach wurden wieder kleine Brötchen gebacken, und wir haben uns auch hier auf eine Vertragsauflösung unter bestimmten Bedingungen geeinigt.

Es scheint in Mode zu kommen, dass Spieler ihren Weggang irgendwie erzwingen wollen.

Schilling: Ja, das kommt leider immer häufiger vor. Doch wir lassen uns von Spielern nicht erpressen – lieber steigen wird ab.

Ernsthaft?

Schilling: Natürlich wollen wir versuchen, den Abstieg zu verhindern. Ganz klar. Sollte uns das auf Grund der vielen widrigen Umstände nicht gelingen, und wir müssen in die Oberliga, dann geht wie Welt auch nicht unter. Als wir vor fünf Jahren aufgestiegen sind, hat uns doch jeder den sofortigen Abstieg prognostiziert. Und wir müssen doch hier mal festhalten, dass es eine große Leistung ist, als Dorfverein seit fünf Jahren in der Regionalliga zu bestehen, insgesamt bereits dreimal im DFB-Pokal gestanden zu sein, und jetzt auch noch die Chance auf die vierte Teilnahme zu haben. Regionalliga – da gehört schon etwas dazu. Das geht nicht einfach mit einem Fingerschnippen.

Ihr Teammanager Peter Schöne, so heißt es, ist im Verein und im Umfeld nicht gerade sehr beliebt.

Schilling: Ich weiß nicht, wer so etwas verbreitet. Peter Schöne ist mit ganzem Herzen bei der Sache. Und es gehört eine Menge dazu, sich um potenzielle Neuzugänge zu kümmern und dann entsprechende Gespräche zu führen.

Wird Ihnen angesichts der schlechten Vorbereitung nicht angst und bange?

Schilling: Die Vorbereitung war eine einzige Katastrophe. Und ich kann den Trainer verstehen, wenn er langsam nervös wird. Wegen Krankheit oder Verletzungen stand oftmals nur der halbe Kader zur Verfügung, miserable Trainingsmöglichkeiten. Da ist es fast schon klar, wenn man sich dann in Dortmund eine 0:8-Klatsche abholt.

Ihr Ruf nach einem Kunstrasen in den Waldsportstätten wurde bisher nicht erhört.

Schilling: Ein Kunstrasen würde uns sicher guttun. Doch in diesem Winter hätte er uns auch nicht geholfen, weil die Plätze mit Schnee und Eis bedeckt waren. Der TuS Sulingen und auch der SV Steimbke hatten uns ja vorher ihre Plätze angeboten.

Befürchten Sie, dass Ihr Lebenswerk in Rehden langsam anfängt zu zerbröseln?

Schilling: Wir sind in einer ganz schwierigen Situation, das steht fest. Die meisten wollen nur Fußball spielen, nicht arbeiten. Und es geht natürlich nicht, dass jeder macht, was er will. Das können wir nicht dulden. Wichtig ist aber, dass wir ja immer noch Herr der Lage sind. Wir lassen uns aber von niemandem auf der Nase herumtanzen.

Erklären Sie das Konzept Fußball und Arbeit demnach als gescheitert?

Schilling: Im Prinzip schon. Und daher hatte ich ja auch gesagt, dass wir einen Trainer und rund den halben Kader aus der Region brauchen. Und dabei bleibe ich. Doch das geht nicht von heute auf morgen. Das braucht seine Zeit. In Yannik Nuxoll beispielsweise haben wir einen tollen, jungen Spieler bekommen. Wir testen gerade junge Leute, die wir vermutlich auch perspektivisch verpflichten wollen, und mit unserem Jugendförderverein, in dem Patrick Kürble und sein Team unglaublich gute Arbeit machen, sind wir für die Zukunft richtig gut aufgestellt.

Nun sind aber die SG Diepholz und der TSV Wetschen aus dem JFV ausgetreten.

Schilling: Es ist für mich unverständlich und auch amateurhaft, unter anderem wegen ein paar lächerlicher Beträge aus so einem starken Jugendförderverein auszusteigen. Wir werden erstmal als JFV Rehden weitermachen. Und vielleicht können wir ja andere Vereine für eine starke Jugendarbeit gewinnen.

Das Problemkind bleibt aber weiterhin die U23, die in der Bezirksliga spielt.

Schilling: Das ist richtig. Da hatten wir zuletzt Schwierigkeiten und auch einigen Wirbel. Doch wir haben uns auch da von bestimmten Personen nicht die Pistole auf die Brust drücken lassen. Eine Reihe von Spielern der Mannschaft hat angekündigt, aufhören zu wollen. Am 31. Januar ist Transferschluss. Dann sehen wir, wer noch da ist und wer tatsächlich gegangen ist. Mit den restlichen Spielern, dazu Verstärkungen aus der Ersten und Jugendspielern, werden wir die Serie dann durchziehen. Wir haben jetzt 13 Jugendspieler, die in der U 23 spielen dürften.

Aber noch keinen Trainer . . .

Schilling: Nein, aber wir führen bereits Gespräche mit einem sehr guten Kandidaten. Er könnte dann auch Ende des Monats einsteigen.

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