Winkelmanns Tor beschert ersten Erfolg / Petersen stolz trotz „Rumpel-Fußballs“

Nicht schön, aber siegreich: Rehden arbeitet sich rein

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Guter Junge! Rehdens Viktor Pekrul (M.) tätschelt Torschütze Marius Winkelmann (r., neben Aaron Goldmann). Links gratulieren Mattia Trianni (Nr. 59) und Kiala Kifuta. Es blieb bei Winkelmanns 1:0 in Braunschweig und Rehdens erstem Saisonsieg.

Aus Braunschweig berichtet - Cord Krüger. Es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an. Nach 58 ziemlich zähen Minuten im Braunschweiger Prinzenpark-Stadion bekam Marius Winkelmann von Kiala Kifuta einen präzisen Linkspass, nahm den Ball in aller Seelenruhe an, drehte sich noch ein bisschen – und alle standen staunend da.

Weil niemand den Mittelfeldmann des BSV Rehden am Torschuss hinderte, schloss er dann doch ab – überlegt, ins lange Eck, leicht abgefälscht. „Ich hatte eben genug Zeit, mir den Ball zurechtzulegen“, grinste selbst der Schütze über diese Szene, die dem BSV mit dem 1:0 (0:0) bei Regionalliga-Aufsteiger FT Braunschweig den ersten Sieg einbrachte.

Bitter für die Gastgeber, dass sie für den ersten wirklichen Fehler eine solche Strafe kassierten. Denn vor allem in der ersten Halbzeit agierte das FT-Team sehr diszipliniert, lullte den BSV ein bisschen mit minutenlangem Sicherheits-Passspiel ein, tauchte dann aber blitzschnell mit einem, maximal zwei Kontakten vor dem Tor von Milos Mandic auf. Doch Rehdens Torwart musste außer zu Beginn gegen Philipp Stucki (8.) und Nils Gehde (10.) nicht eingreifen. Denn die Viererkette, in der Offensivmann Danny Arend als Innenverteidiger neben Michael Wessel ein überraschendes und starkes Comeback feierte, gab dem BSV hinten Sicherheit. Vor dieser Reihe hatte Trainer Andreas Petersen drei defensive Mittelfeldleute aufgeboten – neben Winkelmann und Taiki Hirooka auch Neuzugang Khalid Lahyani. „Wir wollten wieder so anfangen wie im DFB-Pokal gegen Aalen“, erklärte Winkelmann das 4-3-3-System, das bei Ballbesitz des BSV stark einem 4-1-4-1 ähnelte: „Drei Sechser vor der Abwehr, einer davon lässt sich etwas zurückfallen – seitdem wir so spielen, lassen wir nicht mehr so viel zu“, fand Winkelmann – obwohl er über seine erste Halbzeit lieber schweigen wollte: „Die war nicht so berauschend. Dafür habe ich in der Pause auch einen Einlauf bekommen – mit Recht.“ Doch sein Trainer Andreas Petersen dürfte sich in der Kabine noch weitere BSV-Kicker vorgeknöpft haben – für den bis dahin gebotenen Schlafwagen-Fußball. „Ich hatte den Eindruck, dass beide Mannschaften Angst voreinander hatten“, urteilte der BSV-Coach hinterher.

Darunter litt natürlich die Offensive. Außer einem Schuss von Kiala Kifuta nach feinem Doppelpass mit Winkelmann (vorbei/16.) und einem starken Durchsetzen von Mattia Trianni samt scharfer Flanke in den leeren Strafraum (22.) entwickelte der BSV zunächst keine Gefahr. „Rumpel-Fußball“, nannte Petersen das hinterher.

So bekamen die 192 Zuschauer erst in Minute 51 die erste Ecke überhaupt zu sehen. Doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr „Dampf war auf dem Kessel“, wie es Petersen formulierte. Mit diesem Zusatz-Schub leitete Trianni das 1:0 ein, als er im Mittelfeld einen Ballverlust erzwang, vor den Strafraum sprintete, Kiala Kifuta bediente – der Rest ist bekannt. „Man hätte da verteidigen dürfen“, meinte Winkelmann.

Das wussten auch die Gastgeber, die nun rustikaler zu Werke gingen. Die Fouls häuften sich. Mehrfach in derlei Zweikämpfe verwickelt: Khalid Lahyani, der sich sein Debüt in der Regionalliga Nord angenehmer vorgestellt hatte: „In der Regionalliga Südwest ist der Fußball ein bisschen anders – da gibt es mehr Mannschaften, die es eher spielerisch lösen wollen“, schilderte der 21-Jährige: „Aber egal: Das robuste Spiel liegt mir, und meine heutige Position auf jeden Fall auch.“ Das sah Petersen ähnlich – und lobte den Ex-Ulmer: „Khalid passt wie die Faust aufs Auge zu uns: Er übernimmt Verantwortung, ist laut in den Ansagen, sucht die Zweikämpfe. An ihm werden wir noch viel Freude haben.“

Nach dem Abpfiff begann die Freude erstmal mit dem Jubel über den ersten „Dreier“ der Serie. „Es war zwar nicht schön anzusehen, aber in der zweiten Halbzeit haben wir schon mehr Druck entwickelt – trotz der Ausfälle von so vielen Leistungsträgern“, lobte Petersen sein Kollektiv: „Also war es ein verdienter Arbeitssieg.“ Und der, verriet Winkelmann, „fühlt sich viel cooler an als ein starkes Spiel mit Niederlage.“

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