Entschlossen und energiegeladen startet Neu-Coach Golombek beim BSV Rehden

Teamplayer mit Führungsanspruch

Nach zwei Jahren ohne Trainerjob brennt Andreas Golombek (re.) auf seine neue Aufgabe beim BSV Rehden.
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Nach zwei Jahren ohne Trainerjob brennt Andreas Golombek (re.) auf seine neue Aufgabe beim BSV Rehden.
  • Daniel Wiechert
    vonDaniel Wiechert
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Rehden – Wenn das Pferdegetrappel von den Klinkerwegen über die Dünen zieht, geht allen Fans der ostfriesischen Inseln das Herz auf. Mehr Nordsee-Feeling geht nicht. Als die Spieler am Mittwochabend von der Kabine an den Rehdener Waldsportstätten über den Pflasterweg Richtung Platz stromerten, erzeugten die Stollen Klänge, die die Herzen aller Fußballfans höher schlagen lassen: Klack, klack, klack – es geht wieder los! Der Aufgalopp abseits der drei Profi-Ligen.

Die Monate ohne Fußball seien nicht einfach gewesen, sagt Andreas Golombek, der neue Trainer des Regionalligisten BSV Rehden. Nicht alle Freunde und Familienmitglieder sehen zu können, nicht mal eben spontan irgendwohin fahren zu können – das jedoch seien die Einschränkungen gewesen, „die schon echt weh getan haben“, betont Golombek. Überhaupt dürfe sich der Sport nicht überhöhen: „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, aber am Ende halt Nebensache. Das Allerwichtigste ist, dass wir gesund sind und bleiben.“

Golombek kommt an seinem ersten Arbeitstag in Rehden nachdenklich, vor allem aber entschlossen rüber. Der Fußballlehrer wirkt in seiner Ansprache verbindlich, aber auch zugänglich, offen, kontaktfreudig. Die Frage, ob gesiezt oder geduzt wird, pariert der 51-Jährige herrlichst: „Andreas heißen viele, ich bin ,Golo‘.“

„Golo“ klingt knuffig, kann aber auch die Krallen ausfahren: „Am Ende bin ich als Cheftrainer derjenige, der die finalen Entscheidungen trifft.“ Basta. Die Bereitschaft, hart zu arbeiten, sich in der Mannschaft einzubringen, immer ehrlich zu sein – Tugenden, die für Golombek unabdingbar sind. „Wenn in einer so großen Gruppe jeder macht, was er möchte, wird das nicht hinhauen. Deshalb gibt es Regeln – und an die gilt es sich zu halten.“ Straighte Sätze. Golombek ist aber kein strenger Herr Oberlehrer. „Ich werde nie ein Diktator sein. Vielmehr sehe ich mich als Teamplayer. Mit den Jahren im Trainergeschäft merkt man aber, dass eine gewisse Distanz schon gegeben sein muss.“

Der 51-Jährige hatte prominente Lehrmeister. Als Profi spielte Golombek beispielsweise unter den Trainern Klaus Augenthaler, Ernst Middendorp, Hans-Peter Briegel oder Aleksandar Ristic. „Man nimmt von vielen Trainern etwas mit“, sagt Golombek: „Für meine persönliche Entwicklung als Fußballer war aber ganz sicher Ernst Middendorp der richtige Trainer, weil er einfach alles aus mir herausgekitzelt hat. Er hat mich teilweise provoziert, dadurch aber auch stark gemacht.“

Jetzt will Golombek seinen neuen Verein stark machen. Noch stärker. Für ihn kommt der BSV Rehden „oft zu schlecht weg“. Der Club fliege bei vielen unter dem Radar, dabei spielt Rehden mittlerweile seit acht Jahren in der Regionalliga. Nach dem Aufstieg 2012 ging es nie wieder runter. „Das ist schon ein großer Erfolg“, betont Golombek. Zuletzt wurden die Schwarz-Weißen Achter. Wohin es dieses Jahr gehen soll, weiß der Ex-Profi bereits genau: „Wir haben das Ziel, den fünften Platz und damit die Meisterrunde zu erreichen.“

Ein Blick auf seine Trainer-Vita verrät, dass sich Golombek gern längerfristigen Projekten widmet. Nach der aktiven Karriere coachte er zunächst acht Jahre den VfV Borussia 06 Hildesheim. Es folgten vier Jahre beim West-Regionalligisten SC Verl. Für die Ostwestfalen ging es vor wenigen Wochen gar hoch in die 3. Liga. „Das hat mich riesig gefreut“, unterstreicht Golombek: „Das sind ja teilweise meine Jungs, die ich geholt hatte und aufgebaut habe. Ich glaube, dass ich somit auch meinen Teil dazu beigetragen habe, dass dieser Aufstieg geklappt hat.“

In der 3. Liga hat Golombek auch schon seine Erfahrungen gemacht. Im Herbst 2017 übernahm er die Sportfreunde Lotte. Es galt als Himmelsfahrtkommando, mit dieser Mannschaft die Klasse zu halten. Es klappte. Und dennoch war nach der Saison Schluss. Es gab Differenzen mit Lottes Sportdirektor Manfred Wilke. „Es haute zwischen uns einfach nicht hin“, meint Golombek.

Während Deutschland im Hitzesommer 2018 schwitzte, blieb Golombek gelassen. „Ich dachte mir: Da wird schon irgendein Verein Interesse haben, sich sagen: ,Ey, der hat das echt gut gemacht bei seinen Stationen‘“, erinnert sich der Fußballlehrer: „Aber dann kam nichts.“ Natürlich sei es keine einfache Situation gewesen. „Ich liebe Fußball, ich habe mein Leben lang nichts anderes gemacht.“ Er ließ sich nicht unterkriegen, verkroch sich nicht, sondern tingelte über die Plätze: „Oberliga, Regionalliga, 3. Liga, 2. Liga – alles habe ich mir angeschaut.“ Doch Golombek ist kein Statist, er will rein ins Geschehen: „Es kam der Punkt, an dem klar war: Ich habe keine Lust mehr, auf der Tribüne zu sitzen. Ich muss da unten wieder hin. Umso schöner, dass es jetzt mit Rehden geklappt hat. Ich freue mich total auf diese Aufgabe.“

Von Daniel Wiechert

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