Die Spieler des BSV Rehden stehen vor einem ungleichen Duell mit dem FC Bayern, doch Angst haben sie nicht

Tagsüber arbeiten, abends Training – diese Jungs wollen die Bayern ärgern

Der erst 17-jährige Mazlum Sünün (am Ball) spielte eine glänzende Vorbereitung. Das Rehdener Eigengewächs klopft somit heftig an die Kadertür des Fußball-Regionalligisten.

Rehden - Der Spagat ist nicht einfach, und er kostet im Laufe des Jahres eine Menge Substanz. Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen in der Fußball-Regionalliga sind die Fußballer des BSV Rehden keine Vollzeit-Kicker.

Alle gehen noch einem Beruf nach, absolvieren eine Ausbildung oder drücken als Student in der Universität die Bank. „Manchmal“, sagt Trainer Predrag Uzelac, „ist das schon ein Problem und für die Jungs eine enorme Belastung.“

Vor allem in der Rückrunde der vergangenen Saison hatte sich das ausgewirkt. Aufgrund des strengen Winters und der vielen ausgefallenen Spiele mussten die Rehdener häufig abends in der Woche antreten – nach der Arbeit. Seitdem mag Uzelac den Winter nicht mehr.

Auch diese Saison wird es – zumindest was die Arbeit betrifft – nicht anders sein, dennoch ist die Freude der Spieler auf die Serie ungebrochen. Auf den Pokalknüller gegen den FC Bayern München ohnehin. Auch wenn’s ein völlig ungleiches Duell ist. Stürmer Alexander Neumann (23) beispielsweise ist Büroangestellter bei Atrium-Import in Rehden – und wird keinem Geringeren als Brasiliens Nationalverteidiger Dante gegenüberstehen. Der defensive Mittelfeldspieler Marius Winkelmann hat Glück, es sind Semesterferien. So kann sich der 22-Jährige in Ruhe auf das Duell gegen Bastian Schweinsteiger, Mario Götze oder Thiago Alcantara vorbereiten. Doch Angst vor den großen Namen hat er nicht. „Das wäre der falsche Weg“, sagt Winkelmann, „Natürlich haben wir den nötigen Respekt, sonst würden wir ja auch etwas falsch machen. Aber wir wollen ein gutes Spiel abliefern. Wir freuen uns alle riesig auf dieses Highlight.“

Es wird wohl die größte Kulisse werden, vor der eine Mannschaft des BSV Rehden je gespielt hat. Doch das jagt Kevin Artmann keine Angst ein. Der 27-jährige Mittelfeldspieler und neuer Kapitän gehörte vor einigen Jahren zum Profikader von Werder Bremen, ehe er jetzt den Weg über den FC Oberneuland nach Rehden fand. „Ich habe damals häufiger vor so einer Kulisse im Stadion gestanden. So etwas motiviert nur“, sagt Artmann, der gerade eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert. Das Pokalspiel vergangenes Jahr mit dem FCO gegen Borussia Dortmund hatte er verletzt verpasst – „jetzt werde ich mehr als entschädigt“.

Gegen die Bayern wollen Artmann und seine Kollegen zeigen, „dass sich der BSV Rehden in der Regionalliga etabliert hat, dass hier etwas auf die Beine gestellt wird. Wir werden gegen die Bayern eine schlagkräftige Truppe haben.“ Wobei Artmann auf die Unterstützung der Zuschauer hofft: „Wenn jeder gewonnene Zweikampf, jede gute Aktion, jede Chance von uns begeistert gefeiert wird – das allein wird uns noch einmal eine große Motivation geben.“

Viktor Pekrul (30), ebenfalls Ex-Werder-Profi und heute als Produktionsmitarbeiter der Honigfirma Walter Lang in Bremen tätig, möchte „so lange wie möglich ein 0:0 halten. Dann sind die Zuschauer immer mehr auf unserer Seite.“ Auf jeden Fall „wollen wir die Bayern richtig ärgern, und wir wollen zeigen, dass hier in Rehden guter Fußball gespielt wird.“ Besonders will der Rechtsverteidiger natürlich Gegenspieler Franck Ribery ein Schnippchen schlagen: „Das wäre nicht schlecht . . .“

Sich gut aus der Affäre ziehen, dass will auch Christian Hegerfeld, Rehdens Linksverteidiger und Eigengewächs. Der 24-Jährige, Azubi bei Koch Catering in Rehden, bekommt es entweder mit Arjen Robben oder mit Thomas Müller zu tun. „Wir müssen dagegenhalten – und versuchen, uns auch Chancen zu erarbeiten. Natürlich musst du gegen die weltbeste Mannschaft auch Glück haben.“

Der Kader des BSV Rehden

BSV Rehden: Der Kader 2013/14

An ein Wunder gegen den FC Bayern mag allerdings so recht niemand glauben. „Wir müssen es realistisch betrachten“, erklärt Mittelfeldspieler Francis Banecki (27): „Gegen die Bayern zu gewinnen, ist doch nicht möglich. Die haben ja sogar im Hamburger SV einen Bundesligisten abgefertigt.“ Der Ex-Werder-Profi (ein Champions-League-Spiel gegen Anderlecht) arbeitet heute im Autohaus Asbree in Diepholz – und hat für das Spiel zwei Wünsche: „Die Partie genießen und bloß nicht abgeschossen werden.“

Arne Flügge

Florian Grillitschs Weg bei Werder

Florian Grillitschs Weg bei Werder

Wuff! Der optimale Campingbus für Bello

Wuff! Der optimale Campingbus für Bello

Mindestens 32 Tote bei Absturz eines Fracht-Jumbos

Mindestens 32 Tote bei Absturz eines Fracht-Jumbos

Berlin Fashion Week: Vom Kaufhaus bis zur Volksbühne

Berlin Fashion Week: Vom Kaufhaus bis zur Volksbühne

Meistgelesene Artikel

Kevin Njie im Anflug auf Rehden

Kevin Njie im Anflug auf Rehden

Turniersieg – und Njie ist ein Rehdener

Turniersieg – und Njie ist ein Rehdener

Turniersieg – und Njie ist ein Rehdener

Turniersieg – und Njie ist ein Rehdener

Kommentare