Rehdens Trainer kündigt und coacht nun Havelse

Ab zur Konkurrenz – dafür erntet Kiene harsche Kritik

+
Alexander Kiene.

Rehden - Von Cord Krüger. Am Nachmittag hatte sich Viktor Pekrul noch immer nicht beruhigt. „Ich bin mega-enttäuscht – und wütend“, gestand der Vizekapitän des BSV Rehden, der seit gestern ohne Chefcoach dasteht. Alexander Kiene, Rehdens Retter im Abstiegskampf der Vorsaison, hatte am Vorabend BSV-Vereinsboss Friedrich Schilling per Telefon von seinem sofortigen Rücktritt informiert.

BSV-Vorsitzender Friedrich Schilling ist bedient.

Der A-Lizenz-Inhaber sagte Rehdens Liga-Rivale TSV Havelse zu. Ein schwerer Schock für alle Schwarz-Weißen. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, klagte Pekrul. Der Rechtsverteidiger des Tabellenachten bezeichnete es als „gewissenlos“ von Kiene, den noch bis Sommer laufenden Kontrakt einfach so aufzukündigen. „Wir sind enttäuscht. Das zeigt, dass Herrn Kiene doch nicht so viel am BSV gelegen war, sondern mehr an seiner eigenen Karriere“, kommentierte Schilling. Doch Pekrul wirft mit Blick auf die zwei Plätze tiefer platzierten Havelser ein, dass „er sich sportlich nicht verbessert. Hätte es ein Angebot aus der 3. Liga gegeben, wäre das eventuell nachvollziehbar gewesen.“ Der 32-Jährige traut ihm höhere Sphären durchaus zu, denn „er ist zwar ein junger, aber sehr guter Trainer“, sagte er gestern über den 37-Jährigen. „Aber wer den Fußball wirklich liebt, macht so etwas nicht.“

Kiene konnte Pekruls Reaktion nachvollziehen, während er gestern Nachmittag mit einem „mulmigen Gefühl“ seine letzte Fahrt nach Rehden antrat, um sich vom Team zu verabschieden. „Es war ein enges Verhältnis zwischen den Jungs und mir, und mit diesem Schritt tue ich einigen sehr weh. Aber ich hinterlasse eine intakte Mannschaft, und es gibt manchmal Entscheidungen, die man für sich treffen muss.“ Natürlich sei der Zeitpunkt „ungewöhnlich“, räumte der Lehrer ein. Doch er habe sich schon oft während seiner fast täglichen Touren von seinem Wohnort Hannover zum Rehdener Trainingsplatz und zurück gefragt, „wie lange man diesen Aufwand noch betreiben kann“. Nun veränderte sich die „familiäre Situation“, schilderte Kiene, ohne dies präzisieren zu wollen. Nur so viel: Sie verändere sich „nicht negativ“.

Für Rehdens Vorsitzenden Friedrich Schilling ist es negativ – und „das Private ein bisschen vorgeschoben: Wenn Havelse jetzt keinen neuen Trainer gesucht hätte, wäre er noch bei uns.“ Weil der TSV jedoch vor zwei Wochen Fußballlehrer Stefan Gehrke vor die Tür gesetzt hatte, klopften die Garbsener bei Kiene an. „Die guten Kontakte zu Havelse sind nie abgerissen“, sagte der Coach gestern über den Club, bei dem er zum Kapitän reifte und seine ersten Trainerlizenzen erwarb.

Kommentar zum Thema

Mitte vergangener Woche gab es das erste Gespräch mit TSV-Manager Stefan Pralle. „Es war eine Chance, denn irgendwann wollte ich zurück in die Region Hannover.“ Nun ging alles ganz schnell, und weder Schilling noch die Spieler ahnten etwas. „Das hat sich überhaupt nicht angedeutet“, sinnierte Pekrul. „Ich weiß auch nicht, ob unsere Niederlage am Sonntag in Flensburg die Entscheidung beeinflusst hat“, rätselte Schilling. Am Dienstag allerdings fragte Kiene beim Clubchef nach einem Termin, doch der Unternehmer war unterwegs. So gab's die Hiobsbotschaft per Telefon.

„Natürlich haben wir noch keinen neuen Trainer“, sagte Schilling angesichts der drastisch veränderten Lage. „Bis auf Weiteres wollen wir mit unseren Co-Trainern Jacek Burkhardt Sandy Peter Röhrbein weitermachen“, erklärte er, während fast zeitgleich Kiene an den Rehdener Waldsportstätten vorfuhr. Den BSV-Boss selbst kümmerte dies wenig: „Wir haben jetzt Wichtigeres zu tun, als uns von ihm zu verabschieden. Deswegen haben wir diesen Termin am Abend auch abgesagt.“

Auch der aus Pekrul, Kapitän Kevin Artmann, Torwart Milos Mandic, Flügelflitzer Danny Arend und Stürmer Andreas Gerdes-Wurpts bestehende Mannschaftsrat legte darauf keinen Wert mehr, wie Pekrul unumwunden durchblicken ließ: „Von mir aus muss er nicht wieder hierher kommen.“

Mehr zum Thema:

Viele Tote bei Terroranschlag auf Popkonzert in Manchester

Viele Tote bei Terroranschlag auf Popkonzert in Manchester

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Frühlingsmarkt der Freien Waldorfschule in Bruchhausen-Vilsen

Frühlingsmarkt der Freien Waldorfschule in Bruchhausen-Vilsen

Feuer auf Tankstellengelände

Feuer auf Tankstellengelände

Meistgelesene Artikel

Ein Club in der Schwebe: Erst liefern, dann hoffen

Ein Club in der Schwebe: Erst liefern, dann hoffen

Volkmer verschenkt den letzten Strohhalm

Volkmer verschenkt den letzten Strohhalm

BSV Rehden: Drei Küsse für das heilige Brot

BSV Rehden: Drei Küsse für das heilige Brot

BSV-Kapitän: „Es darf nur um das Wohl des Vereins gehen“

BSV-Kapitän: „Es darf nur um das Wohl des Vereins gehen“

Kommentare