Rehdens Physiotherapeutin strebt nach Perfektion

Schlömp macht keine halben Sachen

Physiotherapeutin Sophia Schlömp im Einsatz für Rehden
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Mit Leib und Seele ist Sophia Schlömp Physiotherapeutin: „Dadurch dass ich selbst auch Leistungssport betrieben habe, weiß ich, worauf es ankommt“, sagt die 23-Jährige. Foto: Wiechert

Ob heute als Physiotherapeutin oder früher als Voltigiererin: Sophia Schlömp verschreibt sich ihren Aufgaben komplett. Die 23-Jährige ist seit vier Jahren beim BSV Rehden - und der Fußball ist für sie zum „perfekten Sport“ geworden.

Rehden – Sophia Schlömp lebt hochtourig. In der alten Normalität war eine 80-Stunden-Woche für die 23-Jährige gang und gäbe. Umso heftiger trifft sie die Trägheit des Kaugummi-Lockdowns. Die Vollbremsung passt der Physiotherapeutin des Fußball-Regionalligisten BSV Rehden so gar nicht in den Kram. „Vor Corona gab es eigentlich kein Wochenende, an dem ich nicht wegen Fußball unterwegs war. Und dann geht von jetzt auf gleich gar nichts mehr – das ist schon hart“, betont Schlömp. Sie bekomme die Wochenenden schon irgendwie rum: „Aber ich kann wirklich nicht sagen, dass mir diese viele freie Zeit gefällt, ich bin einfach ein Workaholic.“ Zeit verschwenden oder abbummeln kommt bei ihr nicht in die Tüte.

Kurztrip rund um das Pokalfinale

Es gibt da eine Episode, die Schlömps Wirken und Wesen gut beschreibt. Mitte August 2020: Der BSV Rehden ist soeben durch einen 4:1-Sieg beim VfB Oldenburg in das Finale des NFV-Pokals eingezogen. Kurz danach setzt sich Schlömp ins Auto und fährt 600 Kilometer Richtung Ringköbing, dänische Nordseeküste. „Der Urlaub mit meiner Familie war lange im Voraus geplant“, sagt Schlömp. Und was zugesagt ist, wird auch umgesetzt. „Ich bin dann einfach ein paar Tage später angereist.“ Und früher wieder zurück. Schließlich steht wenige Tage später das NFV-Pokal-Finale in Rehden an. „Um 5.00 Uhr morgens bin ich los, um pünktlich an den Waldsportstätten zu sein“, erinnert sich Schlömp – und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Das ist alles nur eine Frage des richtigen Zeitmanagements.“

Und dieses beherrscht sie. Muss sie auch. Denn Schlömp ist umtriebig. Da ist ja nicht nur der BSV Rehden. Die 23-Jährige arbeitet im Gesundheitszentrum Sport Reha Herford, betreut zudem noch den westfälischen Fußball-Landesligisten FC Kaunitz. Da kommen einige Kilometer auf den Tacho. „Ich lebe sozusagen im Auto“, sagt Schlömp lachend. Und auch auf der Straße wird keine Zeit vergeudet. „Die Fahrten werden immer genutzt. Das Auto ist auch so ein bisschen mein Büro. Ich telefoniere fast permanent über die Freisprechanlage, manage Arzttermine für meine Spieler, bin im ständigen Austausch mit den Ärzten, Osteopathen oder Heilpraktikern.“ Ganz oder gar nicht – das ist Schlömps Motto: „Halbe Sachen machen ist – auf gut Deutsch gesagt – scheiße.“

Bandscheibenvorfall im Jugendalter

Es liegt in ihrem Naturell, sich einer Sache komplett zu verschreiben. In Schlömps Kindheit und Jugend ist das schon so. Damals gibt es für sie nur das Voltigieren. Schlömp wächst in Oppenwehe auf, mit fünf Jahren findet sie zur Akrobatik. „Ich habe meine komplette Kindheit auf dem Pferd verbracht“, erinnert sie sich an die Zeit beim RFV Wehdem-Oppendorf: „Meine Mama hat schon immer gefragt, wann ich denn in die Reithalle ziehen würde?“ Die Hingabe zahlt sich aus, mit ihrem Team sammelt Schlömp Medaillen um Medaillen, ist auch bei den Deutschen Meisterschaften dabei.

Das immense Pensum zerrt jedoch am Körper. Mit 15 Jahren erhält sie die Diagnose Bandscheibenvorfall. „Da kam einfach eins zum anderen. Viermal die Woche Training, dazu noch Kadertraining. Ich habe lange Zeit die Mädels bei den Figuren gehoben, dazu kam der Galoppsprung des Pferdes – und ich bin zu der Zeit auch noch sehr schnell gewachsen“, erklärt Schlömp. Aufgeben ist für sie keine Option. „Ich hatte mich zehn Jahre lang zum Profi hochgearbeitet. Da sagt man nicht so einfach: Okay, ich habe jetzt ein bisschen was am Rücken und höre direkt auf“, gibt sie Einblick in ihre Gedankenwelt: „Ich hatte den Ehrgeiz, mich da durch zu kämpfen.“ Ein Jahr lang versucht sie alles, um ihren Traum weiter zu leben. Doch es wird nicht besser. „Irgendwann konnte man sich nicht mehr mit Tapen und Tabletten über Wasser halten“, bekennt Schlömp. Nun hat sie sogar Ausfallerscheinungen in den Beinen. Schließlich beugt sie sich dem Ärzterat, hört mit dem Voltigieren auf: „Es war emotional – es war hart, sich eingestehen zu müssen, dass es nicht mehr weitergeht.“

Auch heute kommt noch etwas Wehmut auf, wenn sie auf ihre Voltigierzeit zurückblickt: „Das Team war für mich wie eine zweite Familie, wir haben so viel Zeit miteinander verbracht, so viel gemeinsam investiert, so viel zusammen erlebt. Andere Leute sind im Sommer in die Ferien gefahren, wir hatten sozusagen eine Urlaubssperre und haben trainiert. Da wächst man extrem zusammen.“

Dieses Gemeinschaftsgefühl hat Schlömp geprägt. Und sie hat es wiedergefunden. Beim BSV Rehden. „Es ist nichts anderes als damals. Auch hier sind wir eine riesengroße Familie. Niemand kann ohne den anderen. Alle zusammen funktionieren nur als Team“, sagt die Physiotherapeutin.

Sophia ist in Sachen Gesundheit der     Spieler unsere wichtigste Ansprechpartnerin. Sie bringt unheimlich viel Knowhow mit. Wenn sie sagt, dieser oder jener Spieler kann nicht spielen oder trainieren, ist das Gesetz für uns. Wir im Trainerteam sind einfach super happy, sie dabei zu haben.

Rehdens Co-Trainer Michael Hohnstedt über Physiotherapeutin Sophia Schlömp

Seit nunmehr vier Jahren ist sie beim BSV Rehden dabei. Dabei war anfangs nur ein Intermezzo vorgesehen. Im März 2017 flog Rehdens damaliger Physiotherapeut Philipp Ey für ein paar Wochen nach Bali. „Er hatte mich gefragt: ,Hey Sophia, hast du nicht Bock, mich zu vertreten? Das sind alles korrekte Jungs.‘ Ich habe direkt zugesagt und bin so mehr oder weniger zufällig dort reingerutscht.“ Später machte sich Ey, mit dem Schlömp gemeinsam die Ausbildung an der Ludwig-Fresenius-Schule in Osnabrück absolviert hatte, in Stemshorn selbstständig, Schlömp wurde zur Chef-Physiotherapeutin beim Regionalligisten.

Eine Rolle, in der sie aufgeht. „Dadurch dass ich selbst auch Leistungssport betrieben habe, weiß ich, worauf es ankommt – sowohl im körperlichen als auch im mentalen Bereich“, betont die 23-Jährige: „Das hat in Rehden vom ersten Moment an ziemlich gut funktioniert.“ Dabei hatte sie vor ihrem Engagement an den Waldsportstätten rein gar nichts mit Fußball am Hut. „Aber mittlerweile kann ich sagen: Es ist der perfekte Sport, gerade weil er in körperlicher Hinsicht so komplex ist“, stellt Schlömp klar: „Man wird als Physiotherapeutin immer wieder mit neuen Situationen, mit neuen Herausforderungen konfrontiert – oft habe ich ja während des Spiels nur 20 Sekunden Zeit, um zu entscheiden, kann ein Spieler weitermachen oder nicht. Das macht es extrem anspruchsvoll und spannend. Ich würde die Sportart nicht mehr wechseln wollen.“

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