Rehdens neuer Trainer fordert: „Jeder muss für Mannschaft denken und handeln“

„Abstiegskampf – aber immerhin ein klares Ziel“

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Der Trainingsanzug passt schon mal! Rehdens neuer Trainer Alexander Kiene machte sich gestern nach der Einkleidung sofort an die Arbeit. Er will dem BSV Spaß und Erfolg zurückbringen.

Rehden - Von Cord Krüger. Endlich mal wieder ein Siegerfoto mit Rehdener Fußballern! Nach zwei schweißtreibenden Stunden hatten die BSV-Kicker gestern Abend die erste Trainingseinheit unter ihrem neuen Trainer Alexander Kiene hinter sich.

Doch der im Dezember von Oberligist Arminia Hannover losgeeiste Chefcoach ließ die Gewinner des Abschluss-Spiels nicht so einfach ziehen, sondern postierte sie ins Tor und schoss ein Handy-Foto. Das machte den Jungs in den gelben Leibchen sichtlich Spaß – und genau den will Kiene der gesamten Regionalliga-Mannschaft zurückbringen. Trotz des Abstiegskampfs. Den Klassenerhalt nannte er im Interview als Hauptziel seiner Arbeit – aber auch das „Fordern und Fördern“ jedes Einzelnen.

Herr Kiene, willkommen in Rehden! Verspüren Sie mehr Vorfreude oder Lampenfieber vor Ihrem Start?

Alexander Kiene (37): „Auf jeden Fall Vorfreude! Es wird Zeit, dass es nach der Winterpause wieder los geht.

Eine Winterpause, in der Sie BSV-Vereinsboss Friedrich Schilling Ihre Zusage gaben. Wie lange mussten Sie überlegen, das Rehdener Angebot anzunehmen?

Kiene: Erstmal habe ich mich über Herrn Schillings Anruf sehr gefreut, es war eine Bestätigung meiner bisherigen Trainerarbeit. Dann musste ich mich aber mit einer schwierigen Situation auseinandersetzen: Wir sind mit der Arminia aufgestiegen und haben eine erfolgreiche erste Oberliga-Rückrunde gespielt (aktuell Platz 7, d. Red.). Und mir war klar, dass einige Spieler auch wegen mir zu diesem Club gekommen sind. Aber sie wussten auch, dass ich immer dieses Ziel Regionalliga hatte.

Hatten Sie eine Ausstiegsklausel in ihrem Vertrag?

Kiene: Nein, aber wir hatten schon vorher vereinbart, dass mir Arminia keine Steine in den Weg legen würde, wenn ich mal ein höherklassiges Angebot bekäme – und dann im Winter den Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst.

Bleiben Sie trotzdem Hannoveraner?

Kiene: Ja, meine Freundin und ich wohnen im Zooviertel. Ich werde pendeln – auch wenn die Strecke mit 110 Kilometern nicht ohne ist. Aber zum Glück liegt mein Arbeitsplatz auf dem Weg dorthin. Ich bin Lehrer in einer Schule in Neustadt am Rübenberge – und nach Schulschluss fahre ich nach Rehden.

War Ihr Wechsel auch Thema bei Ihren Schülern?

Kiene: Ja, klar. Die kommen aus den achten bis zehnten Klassen und sind doch alle über die neuen Medien stets informiert.

Wahrscheinlich wollten einige von ihnen zuerst wissen, wo Rehden liegt, oder?

Kiene (lacht): Genau!

Kann Ihr neuer Job auch Folgen für die Schüler haben?

Kiene: Ich hoffe nicht! Das wäre nämlich nur bei Niederlagen der Fall, denn die schleppe ich meist noch ein paar Tage mit mir herum. Als ich einmal montags an den Kindern vorbei in Richtung Klasse ging, hörte ich den Satz: „Der Kiene hat gestern verloren. Seid vorsichtig!“ (schmunzelt).

Was sagen Sie dann? ,Hefte raus, Klassenarbeit!‘?

Kiene: Das kann auch schon mal passieren…

Also hat Rehden jetzt zur Rückrunde ein paar Fans mehr?

Kiene: Gut möglich, und vielleicht sogar ein paar mehr Zuschauer. Einige meiner Kollegen waren jedenfalls öfter mal bei der Arminia, vielleicht bleiben sie mir treu.

Was ändert sich sonst noch beim BSV Rehden?

Kiene: Ich will der Mannschaft den Spaß am Fußball zurückbringen. Die Jungs sollen sich darauf freuen, sich abends zum Training wiederzusehen.

Hinter den meisten liegt dann allerdings ein langer Arbeitstag. War das bei Ihren Spielern in Hannover auch so?

Kiene: Nein, wir haben dort viele Studenten, so dass diese Situation auch für mich neu ist. Für uns bedeutet das Modell „Fußball und Arbeit“ einen Wettbewerbsnachteil in der Regionalliga mit den vielen professionell arbeitenden Teams. Aber ich nehme diese Herausforderung an. Bisher ging es für mich als Trainer fast immer nur um das Thema Aufstieg – etwa bei Preußen Hameln oder jetzt bei Arminia Hannover. Jetzt heißt das Ziel Klassenerhalt – aber es ist immerhin ein klar definiertes Ziel. Auch damit kann man Menschen motivieren. Jeder muss wissen, um was es jetzt geht – ab heute bis zum letzten Spieltag am 22. Mai.

Was braucht der BSV Rehden, um dieses große Ziel zu erreichen?

Kiene: Ich muss eine Mannschaft auf den Platz bringen, die mit Geschlossenheit und Kampf, aber auch taktischen und fußballerischen Elementen da unten rauskommt. Ich sehe hohes Potenzial bei den Einzelspielern. Aber jeder muss im Sinn der Mannschaft denken und handeln. Und ich will den einfachen Fußball sehen – klare, saubere Pässe. Am liebsten scharf, präzise, schnell und flach. In der Hinrunde habe ich unter anderem Rehdens Spiele gegen Flensburg und in Cloppenburg gesehen – mit vielen hohen Bällen. Das kann mal ein probates Mittel sein, aber nicht nur.

Bisher haben sie viel mit jungen Spielern gearbeitet. Davon gibt es auch in Rehden viele. Doch bleibt im Abstiegskampf genug Zeit, sie weiter zu formen?

Kiene: Natürlich zählen jetzt in dieser Phase erstmal nur Ergebnisse. Trotzdem will ich junge Leute weiterbringen, damit sie in der Regionalliga wettbewerbsfähig werden. Aber wir brauchen auch eine klare Hierarchie: Führungsspieler, die eine zentrale Achse bilden, die wiederum alles steuert. Da ist es gut, dass die verletzten Leistungsträger jetzt zurück sind – wenn auch noch nicht in der besten Verfassung. Die müssen wir wieder hinbekommen. Es ist also ein Mix aus Fordern und Fördern. Alle erwartet eine harte Vorbereitung.

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