BSV-Vorsitzender Friedrich Schilling

Macher, Manager, Motor, Mäzen - Boss

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Regionalliga-Fußball in Rehden: Für BSV-Präsident Friedrich Schilling ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, an dem er lange gearbeitet hat.

Rehden - Wenn irgendwo der Schuh drückt – Friedrich Schilling kommt herbeigeeilt. Probleme? Gibt es nicht. Die sind für ihn nur Lösungen in Arbeitskleidung. Anschauen, anpacken, beseitigen. So ist er nun mal, der Vorsitzende des BSV Rehden.

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Ob es darum geht, für Gäste im Vereinsheim den Toilettenschlüssel zu besorgen, Kaffeetassen zu organisieren oder, wie zuletzt, mit dem DFB in den Ring zu steigen, um die Austragung des DFB-Pokalspiels gegen die Bayern in den heimischen Waldsportstätten durchzuboxen.

Dass er diesen Fight schlussendlich verloren hat, war für den 62-Jährigen zwar ein Tiefschlag, aber kein K.o. Denn am Ende hat nicht ein Veto des Verbandes, sondern schlichtweg die fehlende Zeit, um alle Auflagen zu erfüllen, den Traum von der Delikatesse dahoam platzen lassen.

Als Steuerberater ist Schilling aber ein Rechner mit spitzem Bleistift. Er weiß: Hätte er mit aller Macht versucht, das Spiel doch in den Waldsportstätten durchzusetzen, wäre dem Club ein Haufen Geld durch die Lappen gegangen. Denn das TV-Live-Spiel hätten die Rehdener dann vergessen können. Die Mehreinnahmen kommen nun dem Verein und der Mannschaft zugute. „Jetzt“, sagt Schilling, „ist sicherlich mehr möglich als vorher. Doch wir werden immer noch gut kalkulieren und nie ins Risiko gehen.“

Bei Spielerverpflichtungen tut er dies manchmal. Nicht etwa, was das Finanzielle angeht. Da ist Schilling knallharter Geschäftsmann. Vielmehr muss er sich zusammen mit Trainer Predrag Uzelac bei der Zusammenstellung der Mannschaft (noch) auf so manchen Vermittler verlassen. Haufenweise kommen Spieler zum Probetraining, ebenso haufenweise werden sie auch wieder weggeschickt.

Das nervt manchmal und ist ziemlich zeitaufwändig. „Wir haben aber in dem ersten Jahr in der Regionalliga gelernt“, sagt Schilling, der mittlerweile die Spreu vom Weizen trennen kann und sich einen zuverlässigen Beraterstamm aufgebaut hat.

Schilling weiß, was er will

Schilling weiß, was er will. Mit seiner intensiven, kompromisslosen und akribischen Art und Arbeit in den letzten Jahren hat der BSV-Macher den Club zum Aushängeschild des NFV-Kreises Diepholz geformt. Schilling ist nicht immer einfach, eckt häufiger an, versucht stets, seine Standpunkte – auch mit Nachdruck – impulsiv durchzusetzen, kann dabei manchmal aufbrausend und verletzend sein. Er lässt sich halt nicht gern ins Handwerk pfuschen.

Dabei geht es ihm nicht um Macht, darum, sich profilieren zu wollen, andere klein zu halten. Sich und anderen muss Schilling schon lange nichts mehr beweisen. Es geht ihm darum, den Verein voranzubringen, immer weiter zu entwickeln und zu etablieren. Stillstand ist für ihn in diesem Prozess Rückschritt. Denn der „BSV Rehden ist mein Leben“, hat der 62-Jährige kürzlich gesagt.

Schilling ist der unumstrittene Boss in Rehden. Er ist sehr hilfsbereit, manchmal ein bisschen kauzig, humorvoll, dann wieder der entschlossene Rudelführer, der knallharte Verhandlungspartner. Dabei scheut er keinen Gegner, keine Kritik, keine noch so schier aussichtslose Situation. „Ich habe mein ganzes Leben lang Probleme gelöst“, sagt Schilling, „und ich werde es immer weiter tun.“

Der Mann vereint alles im BSV Rehden: Präsident, Sportchef, Manager, Finanzexperte, Seelentröster, Mäzen. Wofür manche Vereine eine halbe Armee benötigen, braucht es in Rehden oftmals nur einen: Friedrich Schilling. Dabei könnte er es sich freilich leichter machen. Doch er will den Überblick behalten. Dinge, die wichtig sind und der Eile bedürfen, gibt er nicht gern aus der Hand.

Im letzten Jahr, das gibt er zu, ist ihm die Arbeit manchmal schon über den Kopf gewachsen. Schließlich hat Schilling auch noch diverse Firmen zu führen. Und es ist schon ein bemerkenswerter Balance-Akt, Club und Beruf unter einen Hut zu bringen, ohne dass eine von beiden Seiten verkümmert. Mit der Gründung eines Kreativteams wurden nun Aufgaben in Rehden verteilt, um Schilling zu entlasten. „Die Jungs machen einen tollen Job“, sagt er. Am Ende aber laufen die Fäden wieder nur bei einem zusammen: Friedrich Schilling.

Der BSV Boss stößt nicht überall auf ungeteilte Sympathien. Wohl kaum ein Vereinspräsident im Kreis polarisiert so wie Rehdens Vorsitzender. In den eigenen Reihen sind Ehrfurcht und Bewunderung groß. Am 15. Juni, im Vereinsheim, wurde der 62-Jährige nach der Pokalauslosung gefeiert und bejubelt. „Schiele hat es verdient. Was er für den BSV Rehden getan hat, ist einfach unglaublich“, sagte Ex-Torwart Erhard Offik, mittlerweile fast 60 Jahre und ein Rehdener Urgestein.

Außerhalb der Samtgemeinde wenig wohlwollend beäugt

Außerhalb der Samtgemeindegrenze werden der BSV Rehden und Schilling hingegen häufig weniger wohlwollend beäugt. Oftmals ist das auch dem Neidfaktor geschuldet, dem ungläubigen, häufig nörgelnden Staunen, dass ein 379-Mitglieder-Verein Derartiges auf die Beine stellen und so hoch Fußball spielen kann.

Von Kohle-Club ist die Rede, von Söldnertruppe. Schilling weiß das einzuschätzen. Er explodiert nicht. Es lässt ihn kalt. Die Clubmitglieder auch. Sie bauen, so hört man, bereits an einem Denkmal für ihren Boss.

Und wer dann die Entscheidung trifft, wo es aufgestellt wird – das dürfte klar sein. flü

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