Regionalliga-Club schrieb 1994 gegen die Bayern DFB-Pokal-Geschichte

Das Wunder von Vestenbergsgreuth

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Der Moment, der die Pokal-Schmach des FC Bayern besiegelte: Vestenbergsgreuths Roland Stein hatte das 1:0 geköpft, Münchens Keeper Oliver Kahn ist sauer.

Vestenbergsgreuth/Rehden - Von Arne Flügge. Vor dem 14. August 1994 kannte wohl kaum jemand in Fußball-Deutschland den Verein mit dem langen, nicht gerade einfach auszusprechenden Namen TSV Vestenbergsgreuth.

Ein kleiner Club im Kreis Erlangen-Höchstadt bei Bamberg, gerade in die Regionalliga Süd aufgestiegen. Doch spätestens seit jenem Tag im August hat sich die Geschichte des Ortes und der TSV-Fußballer schlagartig verändert. Zuvor, meistens unbeachtet irgendwo im Niemannsland der Fußball-Welt notiert, wurde der Verein über Nacht zum Nabel der Nation: In der ersten Runde des DFB-Pokals besiegte der TSV Vestenbergsgreuth sensationell den FC Bayern München mit 1:0 (1:0) – und ist damit bis heute das sportliche Sinnbild des tapfer kämpfenden Davids gegen den Riesen Goliath.

19 Jahre später könnte der BSV Rehden die Geschichte nun neu schreiben. Allerdings hat die Mannschaft von Trainer Predrag Uzelac das Pech, nicht „nur“ auf einen – vielleicht einmal verwundbaren – FC Bayern zu treffen. Rehden spielt gegen den Triple-Sieger, der bereits in der Vorbereitung fast alles in Grund und Boden gestampft hat. Doch Parallelen zu Vestenbergsgreuth sind nicht von der Hand zu weisen.

uch Rehden ist Regionalligist, Rehden muss nach Osnabrück ausweichen, Vestenbergsgreuth spielte damals im Nürnberger Frankenstadion. Und auch damals hatten die Bayern in Giovanni Trapattoni gerade einen neuen, ausländischen Trainer bekommen. „Über diesen Witz lacht die Bundesliga“, lästerte seinerzeit die „Bild-Zeitung“ nach der Bayern-Pleite – und schoss sich gleich auf Trapattoni ein: „Er hat bisher drei Worte Deutsch gelernt: Danke, Bitte und Vestenbergsgreuth!“

Nun, der neue, aktuelle Bayern-Trainer Pep Guardiola kennt schon jetzt sehr viel besser die deutsche Sprache als Trapattoni. Aber natürlich wünscht man sich in Rehden und der Region, dass es den Bayern nach fast 20 Jahren noch einmal ähnlich ergehen möge wie 1994 beim 0:1 in Vestenbergsgreuth. „Warum nicht?“, fragte Rehdens Vizekapitän Viktor Pekrul.

Das goldene Tor für Vestenbergsgreuth gegen die Bayern hatte ein 21-Jähriger erzielt: Roland Stein hieß der Stürmer des Regionalligisten, der Geschichte schrieb. Und auch Jahre später räumte er in einem „Stern“-Interview ein: „Wenn ich das Tor heute noch sehe, kriege ich immer wieder Gänsehaut, immer wieder.“ Völlig frei habe er gestanden nach einer Flanke in der 43. Minute, Lothar Matthäus habe nur zugeschaut – der Kopfball saß.

Diesen Glücksmoment wünscht sich natürlich auch der BSV Rehden jetzt in Osnabrück gegen die Bayern. Denn so ein Triumph, das hat die Pokalgeschichte 1994 des Clubs aus dem Kreis Erlangen-Höchstadt gezeigt, kann Flügel verleihen: Die zweite Runde überstand der Verein durch ein 5:1 gegen den FC 08 Homburg und scheiterte erst im Achtelfinale mit 4:5 im Elfmeterschießen am damaligen Zweitligisten VfL Wolfsburg.

Für die Bayern war das Desaster von Vestenbergsgreuth eine Schmach, einige von wenigen allerdings im DFB-Pokal. Insgesamt schieden die Münchner bislang nur drei Mal gegen Amateure aus. 1990 mit 0:1 gegen den FV Weinheim (Elfmetertor von Thomas Schwechheimer/26.), 1994 mit 0:1 gegen Vestenbergsgreuth (jeweils in Runde eins) und im Jahr 2000 in der zweiten Runde mit 3:5 nach Elfmeterschießen gegen den damaligen Oberligisten FC Magdeburg, für den Dirk Hannemann den entscheidenden Schuss verwandelte.

Gelingt dem BSV Rehden nun der vierte Streich? An Wunder zu glauben, ist eine Sache. Dass sie auch stattfinden, eine andere. Denn seit der Pleite von Vestenbergsgreuth 1994 hat der FC Bayern München in den darauffolgenden 18 Erstrundenpartien des DFB-Pokals nicht mehr verloren. Acht Mal gewannen die Münchner sogar in dieser Zeit den „Pott“. Und abgesehen von der Zweitrunden-Pleite gegen Magdeburg schwächelten sie nur noch zwei Mal gegen vermeintliche Underdogs: 2006 bei einem 2:1 nach Verlängerung gegen den FC St. Pauli, und 2007 ging es beim 5:4 über Wacker Burghausen gar ins Elfmeterschießen.

Den höchsten Erstrundensieg in den vergangenen 20 Jahren feierten die Bayern 1997 beim 16:1 gegen die DJK Waldberg. Ähnliches sollte dem BSV Rehden gegen die derzeit wohl beste Mannschaft der Welt aber bitteschön erspart bleiben…

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