Taiki Hirooka ist der erste Japaner in Rehden – und auf Anhieb sehr beliebt

„Shinji“ steht auf Schnitzel mit Salat

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Taiki Hirooka zeigt es an: Die Rehdener Waldsportstätten werden zumindest für eine Saison zur sportlichen Heimat des japanischen Dribbelkünstlers.

Rehden - Taiki Hirooka umfasst mit beiden Händen meinen rechten Arm, verbeugt sich tief. „Guten Tag Herr Flügge“, sagt der junge Japaner – und lässt eine weitere Verbeugung folgen. Dieses Ritual gehört zur Philosophie des asiatischen Landes.

Ein Sprichwort sagt: Je tiefer du dich in jungen Jahren verbeugst, desto mehr wirst du später selbst ehrerbietend behandelt. Ich biete Hirooka das „Du“ an. Er stutzt, lächelt. „Oh“, entfährt es ihm, „guten Tag, Herr Arne.“ Auf das Herr will der 23-Jährige nicht verzichten. Es gehört in Japan einfach zur guten Sitte, den Älteren mit einer entsprechenden Anrede anzusprechen. Ich akzeptiere, ich möchte ihn und seine Kultur nicht beleidigen.

Hirooka ist der erste Japaner beim Fußball-Regionalligisten BSV Rehden. Vor einem Jahr kam er aus seiner Heimatstadt Osaka nach Deutschland, trainierte zuerst in Ratingen und ging dann zu Regionalligist Fortuna Düsseldorf II. Wie aber bitteschön kommt ein Japaner nach Ratingen? „Über einen Berater“, verrät Hirooka, „ich wollte unbedingt in Deutschland spielen, das war mein größter Wunsch.“

Taiki Hirooka zeigt es an: Die Rehdener Waldsportstätten werden zumindest für eine Saison zur sportlichen Heimat des japanischen Dribbelkünstlers.

Also verließ er mit 21 Jahren seine Heimat, um in Deutschland sein Glück zu versuchen. „Am Anfang war es schwer“, räumt der Mittelfeldspieler ein, „eine neue Kultur, ein neues Land, anderes Essen. Ich brauchte Zeit.“ Sportlich kam dann Pech hinzu. Hirooka riss sich in Düsseldorf das Syndesmoseband, fiel drei Monate aus. Allein in der Wohnung, ohne Kontakte – da drückte das Heimweh. Doch der junge Fußballer wollte seinen Traum verwirklichen. Fünf Mal die Woche, vier Stunden pro Tag, lernte und lernt er deutsch. Das hat sich ausgezahlt und seine Integration beschleunigt. Hirooka versteht und spricht die deutsche Sprache sehr, sehr gut. „Mir hat auch geholfen, dass die Deutschen alle sehr nett zu mir sind“, berichtet er.

Vor allem in Rehden, wie er sagt. „Die Leute kommen auf mich zu, helfen mir“, sagt Hirooka, „in Düsseldorf habe ich fast nur japanisch gelebt. Hier bin ich raus aus der Anonymität der Großstadt, hier muss ich mehr auf die Leute zugehen. Und das hilft mir.“ Hirooka will sich anpassen, die deutsche Kultur pflegen und das Wesen der Deutschen verinnerlichen. „Deutschland ist mein Traumland“, erzählt er. Auch wegen des Essens, wie Hirroka meint. Und spontan verrät der 23-Jährige sein neues Lieblingsgericht. „Schnitzel mit Pommes oder Salat“, lacht er: „In Japan gibt es nur Reis.“

Taiki Hirooka, mit der Sport-Universität Osaka Japan-Meister, kommt aus einer Fußballer-Familie. Sein Vater Shigeno Hirooka war früher Profispieler bei Gamba Osaka. Wie gut er war? „Ich weiß es nicht. Ich habe meinen Vater nie spielen gesehen“, berichtet der Junior. Denn als Taiki geboren wurde, beendete der Papa seine Karriere, arbeitet heute in Osaka bei Panasonic. „Er war Sechser, ich bin Zehner“, erklärt Hirooka den Unterschied zwischen ihm und seinem Vater, der „unheimlich stolz auf mich ist. Wir haben ein super Verhältnis.“ Trotzdem wird nur einmal im Monat mit dem Papa oder der Mama telefoniert. „Wöchentlich schreiben wir uns SMS. Das muss reichen“, sagt der Rehdener Neuzugang. Schließlich will er sich auf seine Karriere konzentrieren. Vielleicht aber bekommt er jetzt das erste Mal Besuch. Seine Eltern überlegen, zum Pokalspiel gegen die Bayern einzufliegen. „Das wäre super“, grinst Hirooka.

Sein großes Vorbild ist – natürlich – Shinji Kagawa – der ehemalige Dortmunder, jetzt in Diensten von Manchester United. Ihm eifert er nach. Und dass er in Rehden gleich bei der ersten Trainingseinheit den Spitznamen „Shinji“ verpasst bekommen hat, „freut mich. Es ist eine Ehre für mich.“ Sprach’s, drückte mir erneut mit beiden Händen den rechten Arm, verbeugte sich und ging zum Training. flü

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