Fußballlehrer übernimmt Regionalligisten / 3. Liga? Schilling schließt nichts aus

Rehden mit Golombek „gewappnet“

Der Neue: Andreas Golombek, hier noch im Dress der Sportfreunde Lotte, hat beim BSV Rehden für zwei Jahre als Trainer zugesagt. Foto: imago images / foto2press
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Der Neue: Andreas Golombek, hier noch im Dress der Sportfreunde Lotte, hat beim BSV Rehden für zwei Jahre als Trainer zugesagt. Foto: imago images / foto2press

Rehden - Von Cord Krüger. Die ersten Begegnungen zwischen Andreas Golombek und Friedrich Schilling verliefen ein wenig holprig. „Damals sind wir an der Seitenlinie schon das eine oder andere Mal aneinandergeraten“, erinnert sich Fußballlehrer Golombek acht bis zehn Jahre zurück, als er zu Oberliga-Zeiten mit dem VfV Borussia Hildesheim gegen den BSV Rehden antrat und BSV-Manager Schilling meist mit auf der benachbarten Trainerbank saß. „Aber im Spiel gehören Emotionen dazu“, findet Golombek – und liegt schon da mit Rehdens Präsident auf einer Wellenlänge. Trotz damaliger Meinungsverschiedenheiten riss der Kontakt zwischen beiden seitdem nie ab – und gestern vermeldete Regionalligist Rehden die Verpflichtung Golombeks als neuen Trainer.

Erst vorige Woche hatte der bisherige Chefcoach Maarten Schops (44), im Januar für den plötzlich zu Drittligist Großaspach gewechselten Heiner Backhaus in die Bresche gesprungen, seinen Ausstieg verkündet. Familie und Beruf ließen eine Aufgabe „auf diesem Level der vierten Liga“ nicht mehr zu, begründete der frühere Rehdener Kapitän und jetzige A-Lizenz-Inhaber. Schilling nahm Kontakt zu Golombek auf – und es ging scheinbar ganz schnell. „So schnell aber auch wieder nicht“, relativierte Golombek gestern: „Es sind eben zwei aufeinander getroffen, die wussten, was sie wollten.“

Am Ende der Gespräche stand die Einigung auf eine zweijährige Zusammenarbeit – und Schilling zeigte sich gestern erleichtert: „Wir haben nach Kompetenz und Konstanz gesucht. Und jetzt sehen wir die realistische Chance, dass jemand länger bei uns als Trainer bleibt.“

Mit Blick auf Golombeks bisherige Übungsleiter-Vita scheint die Hoffnung berechtigt. Insgesamt acht Serien lang hatte der heute 51-Jährige die Hildesheimer und danach vier Jahre lang den West-Regionalligisten SC Verl gecoacht. „Das sind ja Vereine, die wie wir finanziell nicht auf Rosen gebettet waren“, sieht Schilling Parallelen. Zuletzt stand der frühere Profi (13 Stationen als Mittelfeldspieler) bei den Sportfreunden Lotte an der Seitenlinie – von Herbst 2017 bis Sommer 2018. Dass trotz der Rettung vor dem Abstieg nicht mehr daraus wurde, lag an Differenzen mit der sportlichen Leitung.

Bereits im vorigen Frühjahr hätte der BSV den Fußballlehrer fast verpflichtet. „Wir waren schon ziemlich weit“, bestätigte Golombek, „aber dann hat sich Rehden doch für Kollege Backhaus entschieden. Deswegen war ich aber nicht böse.“

Nun schlug er ein – allerdings nicht, ohne vorher ein paar Erkundigungen einzuholen. Unter anderem bei seinem künftigen Co-Trainer Michael Hohnstedt, der sein letztes Profijahr unter Golombek gespielt hatte, ehe er 2018 nach Rehden wechselte. „Es spricht für Micha, dass er als Co-Trainer verlängern durfte, noch bevor der Verein einen neuen Chefcoach hatte“, unterstrich Golombek: „Normalerweise ist das umgekehrt, weil man ja nie weiß, ob der Neue nicht mit sechs Co-Trainern und acht Torwarttrainern anrückt.“

Beim 51-Jährigen bestand die Gefahr nicht, und BSV-Boss Schilling hätte einen solchen Stab wohl auch kaum in der Trainerkabine der Waldsportstätten geduldet. Mit der künftigen Konstellation ist der Vorsitzende der Schwarz-Weißen zufrieden: „Ich denke, dass wir mit Herrn Golombek und Michael sehr gut aufgestellt sind.“ Sportvorstand Michael Weinberg geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er sagt: „Mit einem Fußballlehrer sind wir für alles gewappnet.“

Das eröffnet Freiraum für Spekulation hinsichtlich eines angestrebten Rehdener Drittliga-Aufstiegs. In dieser Klasse bräuchte ein Übungsleiter die Fußballlehrer-Lizenz. Schilling möchte einen solchen Schritt nicht ausschließen: „Wer weiß, ob es in der übernächsten Saison nicht die bereits vorgeschlagene zweigleisige Dritte Liga gibt? Und wer weiß, wie die Drittligisten die Coronakrise wirtschaftlich überstehen? Und dann kommt es darauf an, wie wir sportlich drauf sind.“

Zunächst einmal muss die neue Saison erst einmal terminiert sein – doch der Auftakt bleibt wegen der Corona-Pandemie weiter offen. Wann Golombek mit der Vorbereitung beginnen will, weiß er daher noch nicht: „Ich halte jedenfalls wenig davon, zu früh anzufangen. Man kann nicht acht, neun oder zehn Wochen vor einem Saisonstart die Spannung permanent hoch halten.“ Zunächst möchte er „die vorhandenen Spieler halten und verbessern“. Auch die Regionalliga-A-Junioren des JFV Rehden will er sich genauer ansehen: „Natürlich ist es ein Riesenschritt von der Jugend zu den Männern, erst recht im Regionalliga-Bereich. Aber es wäre nicht auszudenken, wenn uns da ein Talent durch die Lappen ginge. Solche Potenziale müssen wir erkennen und die Jungs weiterentwickeln. Aber das braucht auch ausreichend Zeit.“

Zeit, die es im Fußball-Geschäft zwar nicht mehr oft gibt, die sich Andreas Golombek aber in Rehden erhofft.

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