Als von Heesen in der Schule anrief . . .

Michael Hohnstedt – Rehdens neuer Kapitän über seine bewegte Laufbahn

Neuer Kapitän auf der Kommandobrücke: Michael Hohnstedt, Rehdens namhaftester Neuzugang, bekam gleich die Binde. „Ich empfinde es als echte Wertschätzung“, sagt der Ex-Profi. - Foto: Krüger
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Neuer Kapitän auf der Kommandobrücke: Michael Hohnstedt, Rehdens namhaftester Neuzugang, bekam gleich die Binde. „Ich empfinde es als echte Wertschätzung“, sagt der Ex-Profi.

Rehden - Von Cord Krüger. Ein bisschen hatte er ja schon auf sie geschielt. Diese Nummer 23, die Michael Hohnstedt vier Jahre auf dem Trikot des VfL Osnabrück getragen hatte – bis zu seinem Abschied im Mai 2017. Es folgte eine weitere Drittliga-Serie bei den Sportfreunden Lotte – doch dort war die 23 schon vergeben.

Nun, beim BSV Rehden, hätte er sie gern wieder ergattert. „Ich habe Addy gefragt, ob die 23 noch frei ist.“ Doch Addy, Addy-Waku Menga mit vollem Namen, seit einem Jahr beim Regionalligisten und einer von Hohnstedts besten Freunden aus Profizeiten, verwies auf Mirhad Mehanovic, Rehdens muskelbepackten Rechtsverteidiger. „Als ich ,Micky‘ dann sah, sagte ich mir: Okay, er kann sie behalten. Mit dem lege ich mich nicht an“, gesteht Hohnstedt grinsend.

Diese Anekdote verrät einiges über Rehdens hochkarätigsten Sommer-Neuzugang: friedliebend, ein Freund von Traditionen oder zumindest kleinen Gewohnheiten und jemand, der sich nicht vordrängelt. Doch er wird vorangehen – zwar „nur“ mit der 24 statt der 23 auf dem Rücken, aber mit der Kapitänsbinde auf dem Ärmel. Und dies keinesfalls zum Trost, wie sein Trainer Benedetto Muzzicato hervorhebt: „Es hat sich früh herauskristallisiert, dass Micha unser Kapitän wird. Er führt die Jungs nicht nur während des Spiels, sondern verdeutlicht ihnen auch abseits des Platzes, welche Philosophie uns vorschwebt. Schon am ersten Tag der Vorbereitung hat man gemerkt, dass er noch Profi ist“, lobt der A-Lizenz-Inhaber den Mann mit seiner Vita von 133 Dritt- und 134 Regionalliga-Einsätzen in 13 Jahren.

Kommt ein Hohnstedt geflogen – hier zu Lübecker Zeiten 2009 im DFB-Pokal gegen Pavel Pogrebnyak und den VfB Stuttgart.

Hohnstedt reagiert darauf fast verlegen: „Ich empfinde es als echte Wertschätzung – schließlich bin ich erst seit vier Wochen hier. Dann muss ich wohl künftig als erster Mann zu den Schiris, wenn es mal was zu klären gibt…“

Dass sich sein Spiel wegen dieses Stückchen Stoffs verändert, glaubt der 30-Jährige nicht: „Ich will immer das Maximum. Dafür renne ich 90 Minuten rauf und runter und grabe notfalls den ganzen Platz um.“

Eine Tugend, die dem langjährigen Rackerer im linken Mittelfeld oder als Linksverteidiger den Titel „Kampfschwein“ einbrachte – verliehen durch Maik Walpurgis. „Das war der Trainer, der mich am meisten gefördert und am weitesten gebracht hat“, sagt Hohnstedt über den Fußballlehrer, der ihn zwei Jahre bei dessen erstem Engagement für Lotte coachte und ihn danach mit zum VfL Osnabrück nahm.

Es war ein weiter Weg bis zu den Etablierten

Bis dahin, zu den Etablierten im bezahlten Fußball, war es ein weiter Weg für den Jungen aus Varl bei Rahden – wenn auch nicht räumlich gesehen. Vielleicht erzählt er seinen jüngeren Mitspielern mal davon, wenn sie denken, dass Liga vier für sie schon fast den Durchbruch bedeutet. „Man muss sich stetig verbessern wollen – nicht nur, damit wir alle als Team erfolgreich sind. Da kommt es auf jeden Einzelnen an. Für die Jungen ist Rehden ein guter Einstieg, aber man muss viel investieren, um höher zu kommen – viel in den Kopf und den Körper. Und auf vieles verzichten.“

Erinnerung ans DFB-Pokalspiel gegen Union Berlin 2013: Nasenbeinbruch. „Ein paar Tage später ging es weiter – mit Maske“, berichtet Hohnstedt.

Wie er selbst seit Kindesbeinen, als er mit 13 Jahren Preußen Espelkamp in Richting Arminia Bielefeld verließ. „In der C-Jugend bedeutete das: viermal pro Woche mit dem Zug von Rahden nach Bielefeld“, erinnert er sich an die jeweils einstündigen Touren zum Training und zurück. „Und mit 15 oder 16, als die Kumpels langsam ausgingen, musste ich sagen: ,Sorry, ich komm nicht mit.“

Doch mit 17, als Azubi zum Industriemechaniker, ahnte Michael Hohnstedt, dass sich der Aufwand lohnen könnte: „Ich saß in der Berufsschule, als mein Handy klingelte. Die Nummer kannte ich nicht, aber es war Thomas von Heesen.“ Der Trainer des damaligen Bundesligisten Arminia Bielefeld wollte wissen, „ob ich in zwei Stunden beim Training der Profis sein könnte. Zum Glück hatte ich einen fußballbegeisterten Lehrer – und der sagte, ich soll zusehen, dass ich wegkomme.“ Der Youngster genoss die Wochen, saugte das Training in sich auf und lauschte von Heesens „immer direkt packenden Ansprachen“. In der Zeit kam der Ostwestfale auch zu seinen zwei Länderspielen in der U 19. „Mit dem späteren Who is Who aus Löws Weltmeistermannschaft“, erinnert sich Hohnstedt an Mats Hummels, Jerome Boateng, Mesut Özil und Benedikt Höwedes.

Warum es für den Linksverteidiger anders lief als für die späteren Weltmeister? „Ich habe falsch kalkuliert. Die Angebote waren da, aber ich dachte, ich schaffe es in einem kleinen Club wie Arminia schneller zu den Profis.“

Doch Ernst Middendorp übernahm vom entlassenen von Heesen – „und hat eher auf die Älteren gesetzt“. Fast gleichzeitig zog sich der nun 18-Jährige zweimal hintereinander einen Muskelbündelriss zu. Rückschläge, die er nicht mehr aufholte.

Zwei Jahre später zog es den „bodenständigen Burschen“ (O-Ton Muzzicato) erstmals weg von daheim – von Bielefelds Zweiter aus der Regionalliga West zum VfB Lübeck in die Regionalliga Nord. Im Sommer 2011 wechselte er nach Lotte – wieder heimatnäher, zur Freude der Eltern, „die mich immer voll unterstützt haben, meinen Traum vom Profifußball zu erfüllen. Da konnten sie mich wieder öfter spielen sehen – genau wie meine Kumpels.“

Nun hat sich der Weg für Hohnstedts „Fanclub“, mit dem er sich regelmäßig zum Kegeln trifft, nochmals verkürzt. Und für ihn selbst ebenso – denn der 30-Jährige wohnt mit seiner Frau Kim in Wagenfeld, keine zehn Kilometer von den Waldsportstätten entfernt. Auch die Angetraute schaut so oft es geht zu – ansonsten hat er sie auf dem Platz ohnehin immer dabei: „Einmal hat Kim mir zu Weihnachten Schienbeinschoner geschenkt – mit meinen Initialen. Seitdem trage ich also immer etwas von ihr in jedem Spiel.“

Folglich sollen Michael Hohnstedts Gegner lieber nicht gegen dieses Liebesgeschenk treten, oder? „Das können sie ruhig. Zurückstecken werde ich nicht.“

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